Die täglichen Hürden im irischen Straßenverkehr

Verkehr in IrlandEin Beitrag von Evelyn Lenhardt* 

Das Autofahren auf der Insel ist für denjenigen, der den hektischen Verkehr auf dem Kontinent kennt, eine wahre Wohltat. Nur muss man mit den Tücken des irischen Autofahrers zurechtkommen und einige Regeln beherzigen. Ein Freund hat mir mal eine gute Beobachtung mit auf den Weg gegeben: Der Deutsche fährt auf der rechten Fahrbahn, der Brite auf der linken und der Ire konsequent in der Mitte. Und wenn man einmal genau darauf achtet, ist da etwas Wahres dran. Der Ire nimmt wahnsinnig gerne den Mittelstreifen (soweit denn überhaupt einer vorhanden ist) zwischen die Reifen.

Wenn es also in unübersichtliche Kurven gehen soll, am besten ganz nah an den Straßenrand fahren und immer mit dem Fuß auf der Bremse, es könnte ja urplötzlich ein Fußgänger auftauchen, wenn einem auf der anderen Seite ein Auto in der Mitte entgegenkommt (besonders gerne im Dunkeln). Hier wird oft eine schnelle Reaktion getestet. Und nicht nur Fußgänger tauchen urplötzlich aus dem Nichts auf, besonders hartnäckig ist so mancher Hund, der aus dem Grundstück geschossen kommt und viele Meter, lauthals kläffend, neben oder vor dem Auto herumspringt.

Eine weitere Besonderheit ist das Parkverhalten. Gerne wird das Auto einfach dort abgestellt, wo es am nächsten zum Zielort ist, zum Beispiel vor einem Zebrastreifen; vor oder hinter einer Kurve oder Einfahrt, damit der nachfolgende Verkehr den „optimalsten Überblick“ behält, gerne auch nur mitten auf der Straße (bin ja gleich wieder zurück) und noch lieber vor einem freien Parkplatz (oder mehreren), da es ja Mühe macht, richtig einzuparken. Was ich sehr oft in unserem kleinen Städtchen mit einer sehr breiten Hauptstraße und beidseitigen Parkmöglichkeiten beobachte, ist die Tatsache, daß viele Einheimische nicht gerne zu Fuß gehen. Mit viel Aufwand, natürlich auch für den fließenden Verkehr, wird aus der Lücke hinausmanövriert, um in der übernächsten Lücke wieder einzuparken, da man ja zwei Geschäfte weiter noch etwas zu erledigen hat.

Und jetzt noch ein wichtiger Hinweis zum Schutz von Kindern. Wenn ihr bei Schulbeginn oder -schluß an einer Schule vorbeifahrt, am besten anhalten und den Verkehrsstau abwarten oder diese Strecken gegen 9 Uhr und zwischen 15 und 16 Uhr meiden. Irische Mütter haben nämlich die Angewohnheit, ihre Kinder in 99 Prozent der Fälle auf der Straßenseite aus- oder einsteigen zu lassen (Kindersitze befinden sich auch immer auf der rechten Seite des Autos). Bei weitaufgerissener Tür haben sie alle Zeit der Welt und achten nicht auf den Verkehrsstau, den sie verursachen. Auch kann es passieren, daß die hintere Tür zur Straßenseite urplötzlich aufspringt und ein Kind auf die Straße hüpft oder ein Vater seine Kinder auf die Straße schubst, damit sie schnell rüberspringen, ohne auf den Verkehr zu achten. Appelle an die Eltern zur Sicherheit im Straßenverkehr verlieren sich im Nirwana der irischen Beratungsresistenz.

Trotz all dieser und vieler weiterer Unzulänglichkeiten wundere ich mich immer wieder, daß nicht mehr schlimme Unfälle auf den Straßen passieren. Und wie am Anfang schon erwähnt geht das Autofahren hier in Irland viel relaxter und gemütlicher vonstatten.

* Evelyn Lenhardt lebt mit ihrem Mann in Castleisland im County Kerry. Sie liebt Bücher und betreibt das Antiquariat www.kerry-bookhaven.com mit Büchern über und aus Irland.  

von | 2014-04-08T07:17:23+00:00 8. April 2014|0 Kommentare

Der Autor:

Deine Meinung