Irische Ruhe. Die zwölf Nächte zwischen den Jahren

Rauhnächte am Fluß in West Cork, Irland. Eine gute Zeit zwischen den Jahren . . .                     Fotos: Markus Baeuchle Dez 2017

Zwischen den Jahren nennen wir diese Zeit mit Worten aus einer anderen, fast vergangenen Zeit. Die zwölf Tage und Nächte von Weihnachten. Yuletide, the Twelve Days of Christmas. In diesen Rauhnächten, den zwölf Nächten zwischen dem beendeten Mondjahr und dem Ende des Sonnenjahres, die wie eine Zeit außerhalb der Zeit sind, scheint es leicht, zu verschwinden und sich endlich einmal wieder unsichtbar zu machen, tief einzutauchen in die tatenlose Kontemplation. Kontemplation – ein schöner Begriff für Zusehen, Betrachten, Nicht-Eingreifen und Nichts-Tun. In diesen Tagen wünschen wir uns, die Zeit stünde still, und manchmal habe ich das Gefühl, dass sie es tatsächlich tut.

Yuletide am Fluss im Eichenwald in West Cork im Dezember

Einfach einmal die äußere Realität ignorieren. Ein paar Tage nur das tun, was die Nachbarn tagein tagaus, Jahr für Jahr tun: Die äußere Wirklichkeit lässig links liegen lassen. Sich ihr wenigstens für Augenblicke verweigern. Sich selber genug sein, Nichts wissen wollen vom menschlichen Selbstzerstörungs-Trip, der uns so konsequent dem uneingestandenen Ziel entgegentreibt. Nichts vom rasend schnellen Verschwinden der Natur und unserer aller Lebensgrundlagen, dem Verlust von Arten, der Vernichtung der Insekten, der großen Säugetiere, dem Verschwinden der fruchtbaren Böden. Keine Gedanken an die Ozeane, in denen bald mehr Plastik schwimmt als Fisch. Schon gar nichts von  den lebens-verneinenden Kräften, die gerade mächtig die Oberhand haben. Nichts von den globalen und lokalen Wachstums-Faschisten und nichts von den hunderttausenden Fotos der jahreszeitlichen Fleisch-Konsumorgien und dem unendlich ignoranten Meat Food Porn auf Facebook und Konsorten. Nichts davon.

Am Fenster am Atlantik. Lichtspiele im Dezember in der Zeit zwischen den Jahren . . .

Statt dessen Blicke aus dem Fenster und nach innen. Stille. Die Ignoranz für kostbare Momente ignorieren. Weite. Raum. Zweckfreie Zeit. Die Wirklichkeitsverweigerer sich selbst überlassen. Sprachlos sein. Sweet Babylon. Coming Home. Heiter in den Abgrund schauen – und Kraft schöpfen. Hoffnung finden.


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Von | 2017-12-27T12:26:22+00:00 26. Dezember 2017|1 Kommentar

Über den Autor:

Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus und seiner irischen Outdoor-Firma Wanderlust können Sie Irlands faszinierende Natur von den schönsten Seiten erleben.

Ein Kommentar

  1. JB 29. Dezember 2017 um 9:06 Uhr - Antworten

    Danke für diesen so wahren, treffenden Beitrag und schön zu wissen, daß es noch Menschen gibt, die für die Welt hinter der maroden Welt Sinn haben.

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