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Irland brennt. Die Menschen schweigen.

Ginsterfeuer in Irland

Alle Jahre wieder: Ginsterfeuer in Irland. Aufnahme von gestern nacht

Irland brennt wieder. Jedes Jahr das gleiche gefährliche Ritual. Die Hochdruck- und Trockenzeit in Irland hält nach einem langen nassen Winter nun seit zwei Wochen an. Sie bringt schöne Tage und unruhige Nächte. Denn die Berge und Weiden in der Umgebung brennen wieder lichterloh. Was Bauern, sture Traditionalisten und erregte Pyromanen sonst gerne im Dezember und Januar treiben, findet wetterbedingt erst jetzt statt. Nach dem 1. März sind eigentlich alle sogenannten Ginsterfeuer in Irland verboten.

Macht aber nichts. Denn Politik und Polizei pflegen einen äußerst laxen Umgang mit dem Problem, das Tiere tötet, die Flora zerstört, Menschen ängstigt und schädigt. Farmer berufen sich sogar auf ihre Pflicht, den Ginster und Sträucher und Bäume (!) in ihren Feldern zu bekämpfen, weil ihnen sonst gravierende Strafen vom Landwirtschaftsministerium drohen. Seien die Weiden in einem „ungepflegten“ Zustand drohten laut der Tageszeitung Irish Examiner* Strafen und Subventionskürzungen. Ob der Landwirtschaftsminister auch noch vorgeschrieben hat, dass diese Feuer nach dem 1. März wüten sollen, und ob er angeordnet hat, dass sie vor allem heimlich nachts angezündet werden müssen?

Die Feuerwehren haben nun Großeinsatz und kämpfen bis zur absoluten Erschöpfung. Der Himmel, hell erleuchtet, hebt sich im weiten Umkreis über den Feuern grell rot vom Schwarz der Nacht ab. Das Knistern, Knacken und Rauschen der oft Kilometer langen Feuerlinien hört sich unheimlich an. In Irland wartet man eher selten auf Regen. Jetzt täte er gut. Erinnerungen an das vergangene Jahr werden wach, als ein tagelang wütendes Feuer im Killarney Nationalpark 5000 Hektar Land und wertvollen Wald verwüstete.

Feuer Irland

Alle Jahre wieder: Ginsterfeuer in Irland

Die jährlich wieder kehrende Feuersbrunst, mit der Irland überzogen wird, wird nur ganz langsam zum öffentlichen Thema. Eigentlich wissen fast alle Menschen im Dorf, wer in den Wintermonaten nachts bei Ostwind den Benzinkanister auf die Weide schleppt. Aber die irische Omerta funktioniert noch immer ganz gut.  Schweigen ist die erste Bürgerpflicht. Die Einsätze der Feuerwehr sind einsam, Menschen lassen sich lieber nicht blicken — es sei denn, sie wähnen sich in großer Gefahr. Nur wenn Häuser bedroht sind, oder auch schon mal brennen, gibt es einen lokalen Aufschrei – und meistens schreien nicht die Einheimischen.

Zögerlich entstehen in den sozialen Netzwerken nun Kampagnen gegen die Ginsterfeuer. Auch die lokale Feuerwehr in Bantry pflegt mittlerweile einen Twitter-Account, mit dem sie die Bevölkerung über Ihre Einsätze informiert und auch immer wieder auf die schlimmen Folgen der fatalen Feuer hinweist (Foto unten). Das sind kleine Schritte in die richtige Richtung.

 

 

 

Irland Buch BäuchleIn meinem Buch Irland. Ein Länderporträt habe ich auch über die irischen Berg- und Weiden-Feuer geschrieben. Interessante Erkenntnis: Kontrolliertes Abbrennen kann die Bio-Diversität in einem Lebensraum sogar fördern. Allerdings wurden diese Tests auf kleinen, streng kontrollierten Flächen gemacht. Hier ein Auszug aus dem Buch:

. . . sie gehören zum Jahresritual wie Ostern und Weihnachten. Man nennt sie Bog Fire (Moorfeuer) oder Gorse Fire (Ginsterfeuer) und sie flackern während trockener Perioden von Dezember bis April. Geredet wird darüber nur hinter vorgehaltener Hand. Doch meist sind es Farmer, die sich mit einem schönen windgetriebenen Großbrand die Arbeit sparen, ihre Schafweiden offen zu halten und den Ginster, die Brombeeren, den Gagelstrauch und die Pionierhölzer herauszuschneiden. Das thermische Mähen wird seit Generationen praktiziert und gilt schon deshalb als korrekte landwirtschaftliche Methode. Der irische Staat erlaubt Bauern das kontrollierte Abbrennen vom 1. September bis Ende Februar, und steht mit dieser Praxis ziemlich alleine da. Aus Umwelt- und Sicherheitsgründen ist der Feuereinsatz in der Landschaft in den meisten Ländern Mitteleuropas seit Jahrzehnten streng verboten.

Ein erschöpfter Feuerwehrmann in West Cork erklärte mir im Jahr 2009 nach zweitägigem Dauereinsatz in den Bergen, dass die Zunahme der Feuer vor allem mit der Lage der Landwirtschaft zu tun hat: Diese ist in den Berggebieten auf dem Rückzug, das Land wächst zu, und die Farmer betreiben ihre Landwirtschaft meist nur noch nebenberuflich. Deshalb bleibt oft nur der Weg, bei trockenem Ostwind ein Streichholz ans dürre Gras zu halten.  

Die Feuer sorgen für besseren Lichteinfall und bereiten das Grasland für die nahende Vegetationsperiode vor. Im Winter abgebranntes Land steht im Frühjahr als erstes in sattem Grün und lädt die Schafherden zum Grasen ein. Der naturnah arbeitende Bauer Jackie O`Shea erinnert sich, dass es diese Feuer in der Vergangenheit nicht in dieser Menge und Größe gegeben hat. In den “alten Zeiten“ haben die Bauern ihr Vieh zweimal pro Jahr auf dieselbe Weide geschickt: Um die weniger schmackhaften Pflanzen wie Ginster und Gagel abzuräumen, muss die Wiese auch im Winter beweidet werden, wenn das Nahrungsangebot eingeschränkt und das Vieh weniger wählerisch ist. Das allerdings geschieht heute fast gar nicht mehr. Große Flächen liegen völlig brach, und so findet das Feuer reichlich Nahrung und kann sich schnell und großflächig ausbreiten. Immer wieder geraten die Feuer außer Kontrolle und gefährden Häuser und Menschen.

Unter die flämmenden Farmer mischen sich feuereifrige Pyromanen, die die Brand-Saison für eigene Zwecke nutzen. Meist weiß die ganze Gemeinde, wer das jeweils aktuelle Feuer gelegt hat und warum es außer Kontrolle geraten musste. Es herrscht allerdings so etwas wie “Omerta”, die Pflicht zu schweigen. Man sagt nichts und man deckt die Zündler, regt sich über die Autofahrer auf, die wohl eine “Zigarettenkippe aus dem Fenster geworfen haben”. In unserer Gemeinde in der Bantry Bay wüten jedes Jahr vier,  fünf große Weidefeuer – bis heute hörten wir von keinerlei Konsequenzen für die Verantwortlichen. Die Kosten für die Einsätze der Feuerwehren belaufen sich alleine in West Cork auf eine halbe Million Euro pro Jahr, landesweit wird das Abbrennen deshalb mit vielen Millionen Euro Steuergeldern indirekt subventioniert.

Die Kritiker allerdings, die Irland Rückständigkeit vorwerfen und die ökologischen Schäden der Ginsterfeuer kritisieren, könnten eines Besseren belehrt werden: Auch in Deutschland gibt es wieder Versuche mit Feuer als Instrument der Landschaftspflege und des Naturschutzes. Einige Ergebnisse der kontrollierten und auf kleine Flächen begrenzten Tests sind verblüffend: Die CO2-Bilanz des Feuereinsatzes ist neutral und dem Einsatz von Maschinen überlegen. Die Artenvielfalt wird nicht generell eingeschränkt, das Leben kehrt auf die abgebrannten Flächen schnell zurück, das Feuer kann sogar für die Ansiedlung neuer Arten sorgen.

Wenn die Urlauber im Frühjahr nach Irland kommen, sehen sie jedenfalls nichts mehr von den Dramen des Winters: Sie bewundern die saftig-grünen Wiesen und freuen sich über ein Irland wie aus dem Bilderbuch.

Und so wird es sein.

Ginsterfeuer Irland_2016* Quelle: Irish Examiner vom 22. März 2016
Alle Fotos: Markus Bäuchle, aufgenommen am 21. März 2016

von | 2017-03-28T19:32:01+00:00 22. März 2016|1 Kommentar

Der Autor:

Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de

One Comment

  1. Tina 22. März 2016 at 10:26 - Reply

    Tradition ….gerade das lieben viele und auch ich an Irland, aber wenn man solche „Traditionen“ sieht bekommt man Zweifel. Es wird wohl an der Zeit sein ,so manche „Tradition“ zu überdenken und abzuschaffen !! Nicht alles was schon immer so gemacht wurde ,ist auch gut .Die armen Tiere und schade um so machen schönen Baum ( gibt doch eh eher wenig in Irland )…..
    Gruß tina

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