Natur Retreat: Ankommen und die Mitte finden

Irland Retreat

Natur Retreat in Irland. Rückzug in die faszinierenden Berge. Tage der Klarheit unter dem hohen Himmel. Zentrierung. Erdung. Fels, Wasser, Gras, Luft, Wind, Sonne, Regen. Intensive Verbindung mit der Natur. Wandern. Sitzen, Wandern. Ruhen. Übernachtung hoch in den Bergen in einem alten Cottage. Kein Strom, keine Ablenkung. Trocken und geborgen vor dem großen Kaminfeuer. Waschen im Fluss. Das Essen: einfach, schmackhaft. Die Attribute des modernen Alltags — Uhr, Telefon, Brieftasche, iPod — abgelegt, ausgeschaltet, abgegeben. Die Sinne wach, das Herz offen. Dies die Stichworte für den Natur Retreat in Irlands Bergen, unsere besten Momente im Veranstaltungsjahr. In den kommenden Tagen schildern an dieser Stelle drei Teilnehmerinnen dieses Jahres von Ihren Erfahrungen in der Natur, mit sich selbst und mit Gleichgesinnten.  Wir beginnen mit dem Bericht der 36-jährigen Flugbegleiterin Susanne Thiel aus Ramsberg.

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Susanne Thiel

Vom Fliegen und Erden – Flugbegleiterin landet in der Wildnis

Normalerweise stehe ich hübsch zurecht gemacht im engen Gang eines Airbus und begrüße Menschen aller Sprachen und Kulturen auf ihren Wegen um die Welt, demonstriere Sicherheitshinweise, reiche ihnen eine helfende Hand und versuche sie, so gut es geht, ein wenig zu verwöhnen in der Luft. Doch heute, am 19. September tausche ich einmal den Platz und werde vom Team von Wanderlust ganz herzlich Willkommen geheißen auf meiner Reise in die Caha Mountains.

Mein Reiseziel, das Cottage von Schafzüchter John, liegt wild-romatisch eingebettet in den Bergen und der grünen Landschaft Irlands im abwechslungsreichen und wunderschönen Südwesten der Insel. Ich freue mich auf die kommenden Tage, meine Wildniswoche und werde mit einer reinigenden Schwitzhütte begrüßt. Zu meiner eigenen Sicherheit werde ich anschließend gebeten, ein paar einfache Hinweise zu beachten. Doch heute heißt es weder anschnallen, noch fallen irgendwelche Sauerstoffmasken aus der Decke. Es gibt keine Schwimmwesten und auch keine Notausgänge. Heute dreht es sich um Feuerstellen und Wasserquellen, Vorräte und die Umgebung. Und so tausche ich meine Uniform gegen funktionale Wanderhosen und Regenbekleidung, meine Pumps gegen Wanderstiefel, meinen Rollenkoffer gegen einen Rucksack, mein 1.80 Meter breites Bett gegen eine knapp einen Meter breite Isomatte und Schlafsack und das Schminkköfferchen gegen . . . nichts!!!

Wow, schon das allein befreit ungemein! Eine Stewardess in der Wildnis… Klingt spannend? Ist es auch, beziehungsweise eigentlich eher vollkommen entspannend! Denn auch alle anderen materiellen Dinge wie Handy, Wecker und Geld bleiben in der Zivilisation zurück. Angekommen im Cottage fühle ich mich trotz der Kälte sofort heimelig und mir wird richtig warm ums Herz. Wir sind zu viert und uns noch fremd, aber das kenne ich ja von Bord. Und wie die Crew im Flieger auf mehrtägigen Touren, wachsen auch wir hier im Berg die kommenden Tage wie eine kleine Familie zusammen. Nur noch intensiver!

Irland Natur

Wir verbinden uns mit unseren Herzen, hören einander zu, schreiben keine Nachricht, sondern reden tatsächlich miteinander und helfen, unterstützen uns gegenseitig. Unsere Musik sind die Geräusche der Natur, der Nacht und unser eigenes fröhliches Summen. Anstelle des Tablets begleitet uns Stift und Papier, die Badewanne wird vom Fluss ersetzt und der Tag einmal nicht vom Takt der Uhr bestimmt, sondern maximal in hell und dunkel eingeteilt.

Unser Hungergefühl erinnert uns an einen natürlichen Rhythmus und das „Mäh“ der Schafe lässt uns am Morgen sanft erwachen sowie in der Nacht in unsere Träume gleiten. Und anstatt mich über den Wolken in einem geradlinig angefertigten Gang und in festen alltäglichen Strukturen, standardisierten Abläufen zu bewegen, wandere ich nun auf unwegsamen Gebiet in dieser atemberaubend schönen Natur umher, genieße das irische Septemberwetter sowie auch die Stille und tanke unendlich viel Kraft.

Bach Irland

Auch mein Körper spürt die Veränderung. Im Alltag gestresst durch unterschiedliche Zeitzonen und unregelmäßige Lebensumstände, darf er nun einem ganz natürlichen Rhythmus folgen, sich erden. Ankommen. Aber was bedeutet es anzukommen? Kann man überhaupt ankommen? Oder ist nicht ständig alles in Bewegung und Veränderung? Räumlich gesehen, in der uns umgebenden Welt, der Natur, uns selbst… bei sich ankommen.

Aber Ankommen heißt ja nicht Stillstand. Und so kann ich wohl für mich behaupten, in diesen unvergesslichen, ganz wundervollen und bereichernden Tagen ein Stück weit bei mir selbst angekommen zu sein. Dafür bin ich mehr als dankbar! Betrachte ich mich als Vier-Zimmer-Wohnung mit einem physischen, geistigen, spirituellen und emotionalen Raum, habe ich die kostbare Chance bekommen, in jedem Zimmer etwas aufzuräumen und eine Mitte zwischen allen vier Aspekten zu finden. Eine Mitte, die nun, zurück in meinem ganz normalen Leben, zu meiner Mitte heranwachsen darf…

Tausend Dank, herzliche Grüße und alle lieben Wünsche!

Susanne

Vielen Dank, liebe Susanne, für Deine schöne Beschreibung der Tage in den Bergen. Im Jahr 2017 wird es drei Natur-Retreats in Irland geben. Die Termine: 20. bis 27. Mai, 5. bis 12. August und 16. bis 23. September. Alle Informationen auf: www.irland-natur.de 

Natur Retreat Irland

 

Von | 2017-03-30T12:04:20+00:00 27. Januar 2017|1 Kommentar

Der Autor:

Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus kann man in Irland wandern gehen: www.irland-wandern.de

Ein Kommentar

  1. Flo 28. Januar 2017 um 17:11 Uhr- Antworten

    Irland, immer wieder schön 🙂 Habe selbst einige Zeit dort gelebt und irgendwann gehts bestimmt wieder zurück.

    Lg Flo

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