Wundersames Fore — Ort der sieben Wunder

Wundersame Orte in Irland

Das malerische Fore Valley, Co. Westmeath. Hier gründete im 7. Jahrhundert St. Feichin ein Kloster

Dirk Huck besuchte den Ort Fore im County Westmeath und spürte den sieben Wundern nach.

Über die frühen Missionare und die Orte in Irland, an denen sie ihre Klöster gründeten, kursieren allerlei Wundergeschichten. Das überrascht nicht. Wunder versetzten die Menschen in Erstaunen und Ehrfurcht angesichts des Wirkens einer offensichtlich höheren Macht. Geschichten über Wunder verbreiteten sich schnell und sorgten dafür, dass Missionar und Ort bekannt wurden und reichlich Pilger anlockten.

Der kleine Ort Fore in der Grafschaft Westmeath ist ein solcher Ort. Das im malerischen Fore Valley hinter den sieben Bergen bei den sieben Leprechauns gelegene 50-Seelen-Örtchen hat nicht weniger als sieben Wunder vorzuweisen (und noch ein paar wunderliche Dinge mehr). Dort, wo heute die Landwirtschaft den Tagesablauf bestimmt und die Kühe sich am saftig-grünen Gras erfreuen, ließ sich um 630 n. Chr. der später heilig gesprochene Feichin nieder und gründete ein Kloster. Das war mit einigen Schwierigkeiten verbunden, weshalb es ein paar Wunder brauchte.

Wundersame Orte in Irland

Die Mühle, die ohne Fluss auskam: Ruine von St. Feichin’s Mill in Fore

Der Name Fore leitet sich vom irischen Wort „fobhair“ ab, was so viel wie „Quelle“ bedeutet. Der Legende nach ließ Feichin eine Mühle erbauen, obwohl es keinen nutzbaren Wasserzulauf gab. Für einen Heiligen aber kein Grund zum Verzagen. Feichin marschierte kurzerhand zum nahe gelegenen Lough Lene, wo er mit seinem Stab gegen den Fuß eines Hügels schlug. Und siehe da, es bildete sich ein unterirdischer Strom, dessen Wasser scheinbar bergauf (Wunder Nr. 1) ins entfernte Fore floss und dort tatsächlich die Mühle antrieb (Wunder Nr. 2). Die Mühle wurde noch bis ins 19. Jahrhundert hinein genutzt.

Wasser spielt auch bei einigen der anderen Wunder von Fore eine große Rolle. Feichin wählte für den Ort seines Klosters ausgerechnet eine Talsenke, die von Mooren und Sümpfen nur so durchzogen ist. inmitten der Ebene stehen heute noch die Überreste eines Benediktinerklosters aus dem 12. Jahrhundert. Angesichts des schwammigen Untergrunds grenzt es wahrhaftig an ein Wunder, dass das Kloster mit seinen mächtigen Mauern nicht versank (Wunder Nr. 3). Übrigens war dieses Benediktinerkloster, wie auch das von Feichin, häufig Ziel von Plünderungen und Überfällen. Unter den Anglo-Normannen wurde es deshalb wehrtechnisch ausgebaut und unter anderem mit den beiden mächtigen Türmen versehen, die heute noch die Ruine dominieren.

Erbaut im Moor: Überreste des Benediktinerklosters von Fore

Erbaut im Moor: Überreste des Benediktinerklosters von Fore

Am Fuß des Hangs gegenüber vom Besucherparkplatz stehen die Überreste von St. Feichin’s Church, dem ältesten Gebäude der Anlage. Zwar datiert die kleine Kirche vermutlich aus dem 10. Jahrhundert. Doch ist anzunehmen, dass sie auf einem älteren Fundament errichtet wurde, das aus der Zeit Feichins stammen könnte. Den Eingang der Kirche ziert ein mächtiger Türsturz aus Stein, dessen Gewicht auf 2,5 Tonnen geschätzt wird. Der Legende nach verzweifelten die Arbeiter daran, den Stein zu heben. Als sie eine Pause einlegten, sprach Feichin ein Gebet, woraufhin der schwere Stein von Geisterhand getragen in seine Position über dem Eingang schwebte (Wunder Nr. 4). Heimwerken für Heilige.

Etwas oberhalb von St. Feichin’s Church befindet sich eine weitere kleine Kirche, die aus dem 15. Jahrhundert stammt. In dem auffälligen Turm lebten früher Einsiedler. Sie verbrachten ihr ganzes Leben in einer winzigen Zelle, mit der sie sozusagen eins wurden. Sie wurden „Einsiedler in einem Stein“ (Wunder Nr. 5). Diese Einsiedler-Zelle war seinerzeit die einzige ihrer Art in Irland. Der letzte Einsiedler zog im 17. Jahrhundert dort ein.

Zimmer frei für Einsiedler: Anchorite's Church bei Fore

Zimmer frei für Einsiedler: Anchorite’s Church bei Fore

Unweit des Besucherparkplatzes befindet sich eine heilige Quelle, von der es heißt, dass ihr Wasser nicht kocht (Wunder Nr. 6). Bevor Sie jetzt auf dumme Ideen kommen und die Sache nachprüfen wollen, hier eine Warnung: Sie spielen mit unbekannten Mächten. Ein alter Fluch erwartet Sie, der Ihrer gesamten Familie den Untergang bringen wird. Na, wollen Sie noch immer Ihren Kocher auspacken?

Früher überragte eine Esche mit drei Ästen die Quelle, sinnbildlich für die Dreifaltigkeit. Von dem Baum hieß es, dass sein Holz nicht brennt (Wunder Nr. 7). Früher war es Brauch, als Opfergabe Münzen in den Stamm zu treiben, was dem Baum auf Dauer gar nicht bekam. Zwar verbrannte der Baum nicht, aber er verkümmerte trotzdem. Heute ist nur noch ein Ast erhalten, der gewöhnlich mit reichlich bunten Stofffetzen behangen ist. Hier treffen alte heidnische Bräuche, moderner Aberglaube und Religion aufeinander.

Die Wunder von Fore in Irland

Die heilige Quelle von Fore, von der es heißt, dass ihr Wasser nicht kocht

Auf dem weiteren Weg hin zum Benediktinerkloster kommt der Besucher an einer weiteren heiligen Quelle vorbei, an der sich ein markanter alter Baum erhebt. der wie abgestorben wirkt. Auch dieser Quelle wurden Wunderkräfte nachgesagt (auch wenn man anscheinend nicht weiter als bis sieben zählen wollte). Am Fuß des Baums befindet sich ein kleines Becken aus Steinplatten, in dessen Wasser Feichin häufig gekniet und gebetet haben soll. Heute ist das Becken ausgetrocknet. Aber der Baum ist noch immer Ziel von Opfergaben und stets mit reichlich Stofffetzen behangen. In seiner Rinde steckende Münzen zeugen davon, dass auch dieser Brauch heute noch lebt.

Der alte Baum in Fore, an dessen Fuß sich eine Quelle mit Heilwasser befand

Der alte Baum in Fore, an dessen Fuß sich eine Quelle mit Heilwasser befand

Fore liegt abseits der üblichen Touristenwege, Besucher sind selten. Dies erlaubt einem, diesen etwas eigenartigen Ort in Ruhe zu erkunden und auf sich wirken zu lassen. Fore scheint den Einheimischen vorbehalten. Hier an diesem kleinen Ort in einem abgelegenen Tal vermischen sich auf lebendige Weise alte Folklore und religiöser Glaube und führen ein ungestörtes Nebeneinander. Fore, ein wahrlich wundersamer Ort.

 

 

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Dirk Huck

Der Autor: Dirk Huck. Dirk lebt seit 2007 in Dublin, wo er hauptberuflich als technischer Systemberater für Datenbanksysteme arbeitet. In seiner Freizeit schreibt Dirk in einem bunten Mix über sein neues Heimatland Irland, seine Menschen, seine Geschichte und seine Sehenswürdigkeiten. Dirk hegt eine Vorliebe für interessante und ausgefallene Orte und Geschichten.

Die Rinde des alten Baumes in Fore

Die Rinde des alten Baumes in Fore

Von | 2013-02-26T20:21:45+00:00 26. Februar 2013|1 Kommentar

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Ein Kommentar

  1. Gitta 26. Februar 2013 um 22:39 Uhr - Antworten

    So geschrieben, daß das Lesen Spaß macht! danke! Und mehr davon ….

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