Plastikmüll: Konkurrenz für den Klimawandel

Die Wetten laufen, was uns am Ende alle umbringen wird: Die Überbevölkerung des Planeten? Der vom Menschen induzierte Klimawandel? Die Zerstörung und der Zusammenbruch des Ökosystems Erde? Oder nur die Ausrottung von Schlüssel-Spezies, etwa der Bienen? Im Ranking der menschen-gemachten Selbstvernichtungsversuche gibt es nun noch einen weiteren starken Favoriten: Der britische Guardian berichtet von der gigantischen Plastikwelle, die leise auf uns zurollt und uns alle vernichten kann.


Wie viele Getränke in Plastikflaschen haben Sie im Monat Juni 2017 gekauft?


Vor nur fünf Jahrzehnten musste sich niemand eine Coke für unterwegs kaufen, lief niemand mit der Wasserflasche durch die Straßen, nuckelte niemand stets und ständig an einem Drink. Doch der pervertierte westliche „On-the-go“-Lebensstil hat in wenigen Jahrzehnten alles verändert. Heute kaufen Menschen weltweit pro Minute eine Million Plastikflaschen. Eine Million. Pro Minute! Im vergangenen Jahr wurden laut Guardian weltweit 480 Milliarden Plastikflaschen verkauft. Im Jahr 2006 waren es noch 300 Milliarden. Tendenz: weiter steigend. Im Jahr 2021 soll die halbe Billion-Grenze geknackt werden.

Obwohl ein Großteil der Flaschen aus recyclingfähigem PET bestehen, versagt das Recycling komplett, und die Flaschen landen in der Landschaft und im Meer. Die Weltmeere schlucken derzeit pro Jahr zwischen fünf und 13 Millionen Tonnen Plastik. Über die Fische und mit Fischen gefütterte Tiere finden Plastikpartikel den Weg auch in den menschlichen Körper. Wer Fisch isst, nimmt bereits jetzt tausende Plastikpartikel pro Jahr auf. Guten Appetit.


Warum nennt sich der Mensch die Krone der Schöpfung?


Wissenschaftler rechnen laut Guardian damit, dass die Weltmeere bereits in drei Jahrzehnten mehr Plastikmüll als Fische enthalten. Die Plastikmüllwelle wird zur Bedrohung für die gesamte Menschheit und macht dem Klimawandel als Gefahr für das Leben auf dem Planeten bereits jetzt ernsthaft Konkurrenz.

Wir waren vor ein paar Jahren mächtig stolz darauf, die Verschmutzung der Bantry Bay im Südwesten Irland durch Plastik (Foto), verursacht durch lokale Muschelzucht-Unternehmen, langsam beheben zu können und das Wasser und die Strände wieder sauber zu bekommen. Angesichts der globalen Plastikwelle, die sich vor uns auftürmt, war dies eine geradezu niedliche Regung.

Die ganze Story aus dem Guardian gibt es hier.

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Von | 2017-06-29T08:12:07+00:00 29. Juni 2017|4 Kommentare

Über den Autor:

Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus und seiner irischen Outdoor-Firma Wanderlust können Sie Irlands faszinierende Natur von den schönsten Seiten erleben.

4 Kommentare

  1. Dieter 29. Juni 2017 um 12:11 Uhr - Antworten

    Das Thema „Plastik“ in den Meeren ist in den Medien schon seit geraumer Zeit präsent.
    Die Polymeren Werkstoffe sind aufgrund ihrer immensen Vorteile aus keinem unserer Lebensbereiche mehr wegzudenken. Es war daher nur eine Frage der Zeit bis ein relevanter Anteil dieser Werkstoffe im Meer landet. Gänzlich verhindern lässt sich das nicht.
    Es gibt hierfür sicher auch keine Patentlösung, aber viele Ansätze und Überlegungen zur Wertstoffkreislauf; Abbaubarkeit, Ersatzstoffen…
    Vielleicht wird ein Teil unserer Fischer aufgrund der Überfischung der Weltmeere umsatteln und mit Ihren Plastiknetzen Plastik aus den Weltmeeren fischen.

    • Markus Baeuchle 29. Juni 2017 um 17:24 Uhr - Antworten

      Lieber Dieter,

      Wir hören auch hier in Irland nicht zum ersten Mal vom „Plastik“-Problem. Wir verfolgen diese Entwicklung seit Jahren und berichten darüber.

      Deine so betont sachliche Art: Willst Du mir oder Dir damit Mut machen?

      Mit technokratischen Ansätzen, wie Du sie propagierst, werden wir auf ganzer Linie scheitern.

      Du liebst Irland für die verbliebene Natur: Du musst den globalen ökologischen Niedergang selber erkennen. Oder irre ich mich?

  2. JB 29. Juni 2017 um 21:57 Uhr - Antworten

    Wie heißt es so schön … Hochmut kommt vor dem Fall! Die Krone der Schöpfung … von Krone nix zu merken, behaupte ich.
    Es ist traurig, mit wieviel Ignoranz der Mensch die Natur auch weiterhin zerstört, trotz der vielen Infos, die in Umlauf sind. Gefördert durch die Wirtschaft, die nur an Profit und schnelle „Lösungen“ denkt, wird weiter gemacht wie bisher und mit Pseudomaßnahmen das schlechte Gewissen beruhigt.
    Ich verstehe die Regierungen nicht. Wenn die Wirtschaft und Menschen zu wenig darauf achten und die Umweltzerstörung weiter ignoriert wird, dann sollte von Regierungsseite aus u. a. Plastik weitestgehend verboten werden. Es gibt genug Alternativen, früher ging es auch ohne Plastik.
    Irgendwie will so gut wie keiner einsehen, daß es ohne Verzicht und Umweltbewußtsein keine Zukunft gibt.
    Und viele Leben noch, als wäre alles in bester Ordnung, konsumieren weiter wie bisher.

    Danke Herr Bäuchle für diesen wichtigen Artikel. Ich hoffe daß ihn viele Menschen lesen und endlich wach werden, auch außerhalb der schönen grünen Insel.

  3. Dieter 30. Juni 2017 um 11:40 Uhr - Antworten

    Ich bin nun einmal Techniker. Vielleicht daher die „technokratischen“ Ansätze.
    Es gibt aber noch eine Menge anderer – auch die Reduzierung und/oder den Ersatz von Kunststoffen. Ganz darauf zu Verzichten ist ein Traum der nicht real werden kann und aus meiner Sicht auch nicht zum Ziel führt.
    Daher: JA-ich will Mut machen. Was nützt uns die Mutlosigkeit bei der Lösung von Problemen.
    Beispiel:
    -Der Klimawandel (durch das Wachstum der Erdbevölkerung) ist Fakt
    -Umkehr ausgeschlossen
    -Reduzierung möglich und sinnvoll
    -die Niederlande sehen das pragmatisch und rüsten ihren Küstenschutz darauf ein. Was bleibt ihnen anderes übrig.

    Ich liebe Irland, so wie ich es erlebt habe und immer wieder erlebe. Dabei bin ich mir bewusst, das die Landschaft (Natur) immer von Menschen geprägt wurde und wird. In der jüngeren Vergangenheit vielleicht etwas weniger durch den Bevölkerungsrückgang nach den Hungerjahren.

    p.s. Deutschland gilt als Land der Bedenkenträger…

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