Die Geschichte der Puxley-Familie auf Beara

Das Puxleys Mansion in seiner ganzen Pracht. als Postkartenmotiv

Puxleys Mansion auf Dunboy in seiner ganzen Pracht als Postkartenmotiv

Geschichten von der Beara-Halbinsel im Süd-Westen Irlands (Teil 10)

von Peter Bernhardt* 

Wir setzen den Geschichten-Zyklus über das ländliche Irland an der Atlantikküste fort. Geschrieben von unserem Freund Peter Bernhardt. Er forscht gern in der Vergangenheit und lässt ein Stück „altes Irland“ lebendig werden. Heute erzählt uns Peter die Geschichte einer interessanten Familie, die das Leben auf Beara 200 Jahre lang mit geprägt hat: Die Puxleys. 

Dies ist die Geschichte einer Familie, die fast 200 Jahre eine wichtige Rolle auf der Beara Peninsula spielte: Die Puxleys. Ursprünglich stammt die Familie aus England, vermutlich aus der Gegend um Passenham/Northamptonshire. Immerhin findet man dort ein Townland und eine Straße mit dem Namen Puxley. Henry Puxley (geboren 1685) kam zunächst nach Galway, wo er Edward Eyre als Land Agent diente. Zwei seiner Söhne, Henry und John, machten sich um 1723 auf den Weg, um auf der Beara-Peninsula ihr „Glück“ zu finden.

Henry der Jüngere, der ebenfalls Gutsverwalter wie sein Vater war, pachtete hier Land zur eigenen Nutzung. Schon recht bald gingen Henry und John mit dem lokalen Clan der O’Sullivans geschäftliche Verbindungen ein, die auf hoch-profitablem Schmuggelhandel basierte. Wolle wurde exportiert, das war verboten. Brandy, Wein und Tabak wurden illegal eingeführt. Das Geschäft florierte. Doch Morty Og O’Sullivan hatte neben seiner Tätigkeit auch noch eine andere Einnahmequelle. Er rekrutierte arme Bauernjungen für die französische Armee, und das geschah nicht immer auf die feine Art. Und so häuften sich die Beschwerden der Eltern bei den Puxleys, die aus ihrer Loyalität zur englischen Krone keinen Hehl machten und Morty Og bei der Obrigkeit in Cork anzeigten. Das führte schließlich zur Todfeindschaft der beiden „Handels-Partner“.

Das Mansion als Ruine im späten 20. jahrhundert

Das Mansion als Ruine im späten 20. Jahrhundert

Henry ging zurück nach Galway aufs Altenteil, John blieb. Übrigens: John kämpfte in der englischen Armee in der Schlacht bei Culloden (Schottland) im Jahre 1746 gegen die Schotten. Angeblich ist er aus Schottland geflohen – auf einem Schiff, das Morty Og O’Sullivan gehörte. Die Auseinandersetzung zwischen John und Morty Og jedenfalls fand im März 1754 ihren Höhepunkt. Als sich John mit seiner Familie auf dem Weg zur Kirche befand, wurde er von Morty Og erschossen. Morty Og war danach ein „Vogelfreier“ und wurde von nun an gejagt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Johns Sohn, wiederum ein Henry, erbte das Land von Dunboy bei Castletownbere und tat alles, um den Besitz zu vergrößern. 1771 heiratete er Sarah Lavallin. Seither tragen die Puxleys auch den Namen Lavallin. Das Paar bekam einen Sohn, John Lavallin Puxley (1772 – 1856), später bekannt als Copper John.

Copper John Puxley

Copper John Puxley

Copper John heiratete Sarah Hobbs und bekam mit ihr acht Kinder. Es ist überliefert, daß nur eine Tochter die Eltern überlebte, alle anderen starben wohl recht früh. John beglich alle Schulden, die auf dem Lavallin-Besitz lasteten und erwarb darüber hinaus auch das Annesley-Anwesen in Berehaven. John war außerdem auch „High Sheriff of the County of Carmarthenshire (Wales) im Jahre 1832. Dort hatte er auch ein großes Georgian Herrenhaus erworben.

Schon zur Bronze-Zeit hatte man auf der Beara-Halbinsel Kupfer gefunden, und da dieses Metall im 19. Jahrhundert ein begehrter Rohstoff wurde, erwarben vier Männer die Schürfrechte für die Berge von Allihies, um von diesem Boom zu profitieren.

John gehörten nur 4/21 der Schürfrechte in den Kupferminen von Allihies. Die Mehrheit besaß ein Robert Hedges-Eyre, doch im März 1812 konnte Copper John die Anteile von Eyre pachten und hatte damit freie Hand. Als Fachleute holte John erfahrene Minen-Arbeiter aus Cornwall. Einer der ersten Manager war der walisische Minen-Captain Edward Nettle, mit einem Jahresgehalt von 100 englischen Pfund, während die irischen Arbeiter mit dem damals weniger wertigen irischen Pound abgefunden wurden.

Im Mai 1812 listet das account book der Minengesellschaft 18 Arbeiter, 2 Bergleute,1 Jungen und 6 Handwerker  auf – Zimmermann, Fassbinder, Steinmetz, Maurer und Schmied. Schon im Oktober des gleichen Jahres gabs den ersten Unfall. Der Schmied John Harrington verunglückte tödlich. Seine Witwe wurde mit einer monatlichen Rente von 1 pound und 2 Shillingen für ein Jahr abgespeist. Danach mußte sie, so ist es in den Dokumenten festgehalten, das Handwerkszeug ihres Mannes verkaufen, um mit dem Erlös ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Im Juni 1813 verunglückte wieder ein Arbeiter und dessen Witwe bekam den gleichen Betrag für ein Jahr. Schon im März 1813 stellte man 25 Frauen ein, um das geförderte Erz aufzuarbeiten. Das Geschäft begann aber erst richtig zu laufen, als man in der Mountain Mine auf eine außergewöhnlich dicke Erz-Ader stieß. Das brachte eine tiefgreifende Veränderung für das Leben der Leute auf der Beara Halbinsel. Doch das könnte eine andere Geschichte werden. Copper John, so wurde berichtet, nahm täglich den beschwerlichen Weg von Dunboy nach Allihies auf sich, um in den Minen selbst die Aufsicht der Förderung des Kupfers zu übernehmen. Trotzdem wird er als umsichtiger Arbeitgeber beschrieben. Die Puxleys waren für viele Jahre der größte Arbeitgeber in der Region.

John, der zweite Sohn von Copper John, wuchs in Wales auf und wurde in Eton und Oxford ausgebildet. Er heiratete Fanny Rosa Maria White, Tochter von Simon White of Glengarriff und Nichte des 1. Earl of Bantry. Aus dieser Ehe stammen fünf Kinder.

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Henry Lavallin Puxley

Henry, der Zweitälteste, übernahm die Geschäfte nach dem frühen Tode seines älteren Bruders John.  Auch er wurde „High Sheriff 1864 in Carmarthenshire“ und ein Jahr später auch “High Sheriff in Cork“. Er hatte die Idee, der Burg in Dunboy einen repräsentativen Anbau zu geben. Den Plan dazu entwarf der Architekt John Christopher. Und 1866 begann man mit der Ausführung. Die Bauaufsicht hatte der Architekt E.H. Carson, der Vater des später umstrittenen Politikers und Staatsmanns Sir Edward Carson. Schon im Oktober 1867 bekam der Anbau sein Dach und der ältere Teil der Burg wurde dem Neubau angepaßt. Es entstand das Gebäude, das heute als Puxleys Mansion und als eine der größten Bau-Ruinen im Westen Irlands bekannt ist. Doch auch das ist eine andere Geschichte . . .  

Henry Puxley heiratete Katherine Ellen Waller, doch sie starb 1872 im Alter von gerade einmal 36 Jahren und wurde auf dem protestanischen Friedhof in Adrigole beerdigt. Einige Quellen berichten, sie sei im Kindbett gestorben, doch andere verschweigen dies. Die Geschichte ist überliefert, daß John traurig und depremiert nach der Beerdigung vom Friedhof kommend seinem Kutscher den Befehl gab, nicht nach rechts zum Castle nach Dunboy abzubiegen, sondern nach links, um Irland zu verlassen. Er kam nie wieder nach Irland zurück. Henry „tröstete“ sich später mit Adeline Nepean, der jüngsten Tochter von General Charles W. Nepean. Sie bekamen acht Kinder.

Das fünfte Kind, Henry Edmund Lavallin (1866-1900) heiratete Eliza (Jane Elza) Halahan. Sie hatten zwei Kinder: Henry Walter und John Paul. John Paul war gerade ein halbes Jahr alt, als der Vater starb. Er und sein Bruder verbrachten jeweils ein halbes Jahr in der Schweiz und ein halbes Jahr bei den Großeltern von Eliza in The Glebe, einem Haus ganz in der Nähe von Dunboy. John hat einmal geäußert, daß diese sechs Monate in Glebe zu den glücklichsten in seinem Leben gehörten. Mutter Eliza heiratete ein zweites Mal und fortan lebte die Familie in Dublin. Eliza starb 1965 im Alter von 93 Jahren. Kurz vor ihrem Tod hat sie Dunboy noch einmal besucht, zusammen mit ihrem Sohn John Paul, Mitglied der Royal Navy. John Paul war der Letzte aus dem Puxley-Dunboy-Familien-Zweig.


Tipp: Mehr über Dunboy, Puxleys Mansion und Dunboy Castle gibt es hier zu lesen. Klick.


1921 war das Ehepaar Thomas als Hausmeister ins Puxleys Mansion nach Dunboy gekommen. Das war während des Unabhängigkeits-Krieges und es gab das Gerücht, das schlossähnliche Herrenhaus solle Basis der Britischen Armee werden. Daraufhin setzte die Irish Republican Army am 9. Juni 1921 das stattliche Gebäude in Brand. Kein Wunder, die O’Sullivans hatten Puxleys Mansion mit einem Fluch belegt. Es hieß lange: „Eines Tages werden Kühe durch die Hallen wandeln“! Und so ist es gekommen. Albert Thomas, der Hausmeister, war gerade ein paar Wochen im Amt, als er mit ansehen mußte, wie das Herrenhaus in Flammen aufging. Er bedauerte später in seinen Memoiren, daß all das wertvolle Silber und die Glaswaren mit verbrannten.

Die schönste Ruine Südwest-Irlands – bis sich der Fluch der O'Sullivans wiederholen sollte . . .

Die schönste Ruine Südwest-Irlands – bis sich der Fluch der O’Sullivans wiederholen sollte . . .

Die Puxleys bekamen 50.000 Pfund Sterling als Entschädigung, gefordert hatten sie allerdings 130.000.  Im Mai 1926 kam dann der gesamte Besitz unter den Hammer. Interessiert war die C.I.E. (Ireland’s national public transport provider), die das Herrenhaus zu einem Hotel umbauen wollten. Das stieß aber auf keine Gegenliebe und so waren sie schnell aus dem Geschäft. Übrig blieben zwei Bewerber: Ein junger, noch unmündiger Jesuit, hatte von seinen Eltern etwas geerbt und wollte Puxleys Mansion für seinen Orden erwerben. Sein Vormund limitierte allerdings die Erwerbsumme auf 2000 Pfund Sterling. Damit hatte Maurice D. Power, ein Einheimischer, die Chance, mit 20 Pfund mehr Einsatz das Anwesen zu ersteigern.

Von der IRA 1921 angezündet, zierte das Herrenhaus lange ohne Dach als schöne Ruine die Landschaft von Dunboy.

Von der IRA 1921 angezündet, zierte das Herrenhaus lange ohne Dach als schöne Ruine die Landschaft von Dunboy.

Und noch eine kleine Anekdote: Die späteren Mitglieder der Familie Powers haben erkannt, daß das Mansion und die nahegelegenen Ruinen des O’Sullivan Castles eine Touristen-Attraktion sind und gaben es gegen einen geringen Eintritts-Preis zur Besichtigung frei. Dazu hatten sie am Eingangs-Tor eine Box aufgehängt, wo man den Obolus ehrlich entrichten konnte. Eines Tages befand sich darin das geforderte Eintritts-Geld mit einem Zettel, auf dem stand: “Ich bezahle diesen Eintritt nur unter Protest, denn das Castle war einst im Besitz meiner Familie.“

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Die Neu-Erfindung von Puxleys Mansion in den Celtic-Tiger-Jahren: Es bleibt bis heute eine Bau-Ruine . . .

Es heißt, daß die Ruine von Puxleys Mansion zu den schönsten in Irland gehörte. Heute strahlt das Äußere des Gebäudes in neuem Glanz. Es wurde für viele Millionen restauriert. Doch dann ging das Geld aus und das Innere ist „hohl“ und die Appartement-Bauten im Hintergrund verschandeln die schöne Landschaft am Meer. Wiederholt sich damit der Fluch der O’Sullivans und Puxleys Mansion verfällt ein weiteres Mal? 

Der Stammbaum der Puxleys

Der Stammbaum der Puxleys

Zum Schluss ein Buch-Tipp: Die Geschichte der Puxleys hat die Schriftstellerin Daphne du Maurier in ihrer Novelle Hungry Hill verarbeitet. Das Buch gibt es auch auf Deutsch und heißt dort: Die Erben von Clonmere. Die bekannte Schriftstellerin, die eine Affäre mit einem Puxley hatte, kommt mit der Erzählung der Realität verblüffend nahe – obwohl sie Dunboy und die Beara Halbinsel nie bereist hatte.

Peter in Clogher 2013_IMG_1710Der Autor: Peter Bernhardt lebt seit dem Jahr 2000 in Eyeries auf der Beara Peninsula in West Cork. Bis zu seinem Ausscheiden aus seinem Arbeits-Leben war er Art Direktor und Werbeleiter. Seine Liebe zu Irland hat er 1967 auf einer fünfwöchigen Fahrradtour durch den Süden entdeckt. Danach folgten mehrere Irland-Urlaube mit Familie, bis 1987 ein altes Cottage seine Aufmerksamkeit weckte und darum warb erworben zu werden. Peters Interessen sind unter anderem Archäologie, lokale Geschichte und Storytelling

Peters Geschichten von der Beara Peninsula erscheinen regelmäßig hier auf Irlandnews.

Fotos: Peter Bernhardt (5), André Bernhardt (1). Stammbaum:Peter Bernhardt.

By | 2017-03-30T12:43:16+00:00 22. September 2016|0 Comments

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Peter Bernhardt lebt seit dem Jahr 2000 in Eyeries auf der Beara Peninsula in West Cork. Bis zu seinem Ausscheiden aus seinem Arbeits-Leben war er Art Direktor und Werbeleiter. Seine Liebe zu Irland hat er 1967 auf einer fünfwöchigen Fahrradtour durch den Süden entdeckt. Danach folgten mehrere Irland-Urlaube mit Familie, bis 1987 ein altes Cottage seine Aufmerksamkeit weckte und darum warb erworben zu werden. Peters Interessen sind unter anderem Archäologie, lokale Geschichte und Storytelling.

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