Redheads: Das Klischee von den rothaarigen Iren

Photographer Jörg Köster has captured over 1,000 natural redheads in a five year project in collaboration with the Irish Redhead Convention. A selection of these stunning images will be on display in Cork Airport from 7 - 31 March 2016. Photo Jörg Köster

Photo Jörg Köster

Rothaarige Iren. Wie stellt man sich die typischen Irinnen und Iren vor? Natürlich sommersprossig, weißhäutig und rothaarig. Im wirklichen Leben wird man die rothaarigen Iren jedoch suchen müssen, denn nur jeder zehnte eingesessene Inselbewohner trägt tatsächlich einen roten Haarschopf, was bedeutet: neun von zehn tragen keinen. Das Image von den rothaarigen Iren hält sich dennoch hartnäckig – und zugegeben: Es ist nicht vollkommen falsch.

 

Irland Rothaarige

Versammlung der rothaarigen Iren. Ausstellung des Fotografen Jörg Köster am Cork Airport

 

Der Anteil der rothaarigen Menschen weltweit beträgt ein bis zwei Prozent, Rot ist damit die seltenste Haarfarbe auf der Welt. In Europa gibt es vier Prozent Rothaarige, sie leben vor allem in Europas Norden und Westen. In Irland stellen sie immerhin zehn Prozent der Bevölkerung, und 30 Prozent der Iren tragen die rezessiven genetischen Anlagen in sich. Die mit Abstand meisten Redheads leben aber auf der anderen Seite der Irischen See, in Schottland: 14 Prozent tragen dort über dem Rock rot (und darunter auch). Was uns lehrt: Die Schotten sind die wahren Rotköpfe Europas.

 

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Wer viele, viele rothaarige Irinnen und Iren sehen will, hat dazu am Flughafen von Cork Gelegenheit. Dort wird in der Abflug- und Empfangshalle gerade die Ausstellung Redhead Portrait Exhibition gezeigt. Die Serie schöner großformatiger Porträts von Irinnen und Iren mit roten Haaren  ist sehenswert. Also: Gehn wir zum Airport, Fotos schauen . . .  Ausgerechnet ein Deutscher, der bei Blarney im County Cork lebende Fotograf Jörg Köster, pflegt dort das Klischee der rothaarigen Iren mit seinen gelungenen Porträtaufnahmen. Er tut das zusammen mit den Initiatoren der Irish Redhead Convention. Das große Treffen der Irischen Rothaarigen findet seit dem Jahr 2010 jeden Sommer in Crosshaven, County Cork statt. Was als Stammtisch-Idee der rothaarigen Geschwister Joleen and Denis Cronin begann, ist mittlerweile zum ansehnlichen Event herangewachsen. Und nicht nur irische Redheads werden dieses Jahr vom 21. bis 23. August in das Küstendorf östlich von Cork City pilgern. Denn immerhin gibt es längst eine Internationale der Rothaarigen.  Sie wurde schon vom Holländer Bart Rouwenhorst im Jahr 2005 ins Leben gerufen.

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Rothaarige Frau. Porträt von Jörg Köster

Der Künstler Rouwenhorst ist ein rothaariger Experte für alles Rothaarige. Bart hat den jährlichen „Internationalen Rothaarigentag“ im niederländischen Breda erfunden und kämpft selbstbewusst für die Rothaarigen, die allzu oft Zielscheibe für Angriff sind. Wir fragten Bart: “Werden Rothaarige diskriminiert?” Offensichtlich, so Bart, werden Rothaarige vor allem in Großbritannien gehänselt und gestichelt, was gut ins Bild passt. Dort werden Rothaarige als „Gingers“ oder „Carotheads“ (Karottenköpfe) verunglimpft, und es gab schon einige erfolgreiche Antidiskriminierungs-Klagen gegen britische Peiniger. Einer britischen Kellnerin wurden beispielsweise 18 000 Pfund Schmerzensgeld zugesprochen, weil Arbeitskollegen sie wegen ihrer roten Haare gehänselt hatten . . .

Warum gerade Rothaarige und rothaarige IrInnen oft Ziel von Angriffen und Verunglimpfungen waren und noch immer sind, habe ich in meinem Buch Irland. ein Länderporträt beschrieben. Das gibt es hier zum weiter lesen . . . 

Fotos Airport: Markus Bäuchle / Alle Porträts: Jörg Köster

 

 

 

Von | 2016-03-30T07:27:30+00:00 30. März 2016|0 Kommentare

Über den Autor:

Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus und seiner irischen Outdoor-Firma Wanderlust können Sie Irlands faszinierende Natur von den schönsten Seiten erleben.

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