Patrick´s Street in Cork

 Noch 55 Tage bis Weihnachten, in Irlands südlicher Metropole Cork wurde in den vergangenen Tagen bereits das Feiertags-Szenario aufgebaut. Große Weihnachts-Fichten säumen – noch ungeschmückt – die Einkaufsstraße Patrick´s Street (Foto oben). Doch vor den vorweihnachtlichen Stress hat der irische Party-Kalender Halloween gesetzt. Halloween 2010 fällt auf einen Sonntag – und so wird aus dem Fest, das eigentlich den Toten gewidmet ist, ein Festwochenende. Pubs und Restaurants, der Einzelhandel und selbst Straßenmusiker versuchen mit dem Tanz um den Kürbis ein paar schnelle Euros mehr zu machen. Halloween ist in Irland, wo es als keltisches Totenfest Samhain seine Wurzeln hat, eine zweischneidige Angelegenheit geworden.

Die hässliche Fratze: Geschäfte brennen, Wohnhäuser stehen in Flammen, in den Straßen fackeln Autos ab, Polizei und Feuerwehr kämpfen nicht nur gegen die Feuer, sie werden von Vermummten mit Steinen beworfen und attackiert; mehr Verletzte als an jedem anderen Tag des Jahres werden in Krankenhäuser eingeliefert. Berichte vom Hamburger Schanzenviertel oder aus Berlin-Kreuzberg in der Walpurgisnacht? Falsch garaten: So wird morgen nach Einbruch der Dunkelheit in Irlands Städten wieder Halloween “gefeiert”. So zumindest war es in den vergangenen Jahren und so erwarten es die “Sicherheitskräfte” auch 2010.

Lass uns Halloween Party machen: Werbung in Cork
Die keltische Vorfahren der Iren haben den Halloween-Brauch in vorchristlicher Zeit als Ritual an Samhain (gaelisch: November) mutmaßlich “erfunden”: Man glaubte, dass in den dunklen Tagen des Herbstes die Membran zwischen dem Reich der Lebenden und dem der Toten am Durchlässigsten sei und Kontakt deshalb möglich. Diese Auffassung überlebte die Jahrhunderte in Form der christlichen Totengedenkfeiern. Irische Auswanderer schleppten den Brauch der Toten-Verehrung in den 3oer-Jahren des 19. Jahrhunderts in den USA ein, von wo er sich in den vergangenen 50 Jahren unter Marketing-Einfluss wie ein Schweinegrippe-Virus in der westlichen Welt ausbreitete und letztlich auch Kontinental-Europa infizierte.
In das vom Celtic Tiger beherrschte moderne Irland kehrte die alte Tradition als Farce in pervertierter und gewalttätiger Form zurück. Vergesst die Prügeleien von Football-Fans nach den All-Ireland-Finals, vergesst die blutigen Bank Holiday Weekends: Halloween ist in Irlands Städten nun die geschäftigste Nacht für Polizei, Ambulanzen, Krankenhäuser und Feuerwehr. Betrunkene Kinder und Jugendliche, Brandwunden, schwere Verbrennungen und Augenverletzungen durch Feuer und Feuerwerke, Millionenschäden: Das Wort “Spuk” hat eine neue Bedeutung.
Die schöne Seite: Im ländlichen Irland ziehen Kinder noch immer ihre friedlichen Runden auf dem Süßigkeiten-Parcour durch die Nachbarschaft: “Trick or Treat” – “Gebt uns Süßes, sonst gibt´s Saures” heißt es morgen abend wieder an tausenden Türen, und wer seinen Hund liebt, nimmt ihn ins Haus, bis die kleinen Geister sich wieder verzogen haben.
In einer Radio-Sendung auf 2 FM diskutierten irische Frauen in dieser Woche den Wandel von Halloweeen in den vergangenen 20 Jahren. Tatsächlich beklagten sich einige ältere Damen über die “Amerikanisierung” der alten Bräuche und bestanden darauf, dass der Anlass am 31. Oktober in Irland als “Holloween” auszusprechen sei. “Hälloween” sei ein Tribut an die amerikanische Profanisierung und deshalb genauso abzulehnen wie die amerikanische Erfindung des “Trick or Treat”. 
Und noch eine Botschaft hatten die plaudernden Radio-Damen für Holloween 2010: Verteilt keine Nüsse an die Kinder, Allergiker könnten zu Schaden zu kommen. So werden morgen abend landesweit mehrere zusätzliche Tonnen Süßigkeiten in den Besitz von kleinen Milchzahnträgern übergehen.