Drugs Watch

 

Gäste fragen: Warum stehen an West Corks einsamsten Buchten Schilder der Drogenfahndung? Was hat die wilde Atlantik-Küste mit Drogen zu tun?

 

Irlands zwei Gesichter: West-Corks wild zerklüftete Küste am Atlantik, heute bekannt als Wild Atlantic Way, gilt als Inbegriff der natürlichen Küstenlandschaft. Natur pur, nichts als die ewig anrollenden Wellen des Atlantik. Nichts anderes? Wohl, wohl:  County Corks Westküste ist bei Insidern auch als Irlands Cocaine Coast bekannt. Co. Cork´s Cocaine Coast macht ihrem unrühmlichen Nickname immer wieder alle Ehre: Vor genau fünf Jahren beschlagnahmte die irische Marine 200 Kilometer vom bekannten Fastnet-Rock-Leuchtturm eine 18-Meter-Yacht, nahm drei Briten fest und beschlagnahmte 40 Pakete Kokain im Wert von 350 Millionen Euro. Die Welt witzelte, dass Co für Cocaine und nicht für County steht.

Die Drogen kamen mit der Makayabella über den Atlantik. Das Boot war Mitte August 2014 in Trinidad ausgelaufen, nahm das aus Kolumbien stammende Kokain offenbar vor der Küste Venezuelas auf und erreichte gestern die irischen Hoheitsgewässer, wo die Fahnder der irischen Marine sofort zuschlugen. Die Drogen-Transporteure hatten keine Ahnung, dass sie seit Beginn der Operation unter Beobachtung gestanden hatten.

 

Irland Drogen

Die Gewässer um den Mizen Head sind traditionell das Revier von Schmugglern

 

Die Beute der Drogenfischer vor der irischen Cocaine Coast war allerdings in den wilden Nuller-Jahren noch deutlich größer: Im Jahr 2007 wurde in der Dunlough Bay am Mizen Head 1,5 Tonnen Kokain im Wert von 440 Millionen Euro angeschwemmt,  nachdem schlecht vorbereitete Drogenkuriere den Benzin-Tank ihres Bootes mit Diesel gefüllt hatten und das Boot kenterte. Ein Jahr später, im November 2008, ergatterten irische Drogenfahnder der Operation Seabight an der Porcupine Bank südwestlich vom Mizen Head in einem Sturm der Stärke 7 eine Kokain-Ladung im Wert von 750 Millionen Euro. Rekord!

Die Drogen aus Südamerika sind üblicherweise für den europäischen Markt und nur zum Teil für den übersichtlichen irischen Konsumentenmarkt bestimmt. Interessantes Detail: Auf dem europäischen Festland wird Kokain üblicherweise in einer Reinheit von 55 bis 70 Prozent verkauft. In Irland wird Kokain wesentlich unreiner mit einem Gehalt von lediglich 40 Prozent verdealt. Deswegen leben irische Kokser allerdings nicht zwangsläufig gesünder.

 

West Cork Küste

Die Dunlough Bay: Wilde Küste, heiße Ware

 

436 Meilen Küste sollen besser geschützt werden: Im Sommer 2019 reaktivierten die Sicherheitsbehörden in West Cork nach 30 Jahren das Projekt #Coastalwatch. Polizei, Küstenwache, Marine und Zoll starteten in den Küstengemeinden eine neue Kampagne zum Schutz der Südwestküste vor Drogenimporten. Die Initiative war vor drei Jahrzehnten gegründet worden, nachdem im Jahr 1987 der ersten Drogenfund in West Cork sicher gestellt wurde: In Schull sicherten die Fahnder damals 750 Kilogramm Cannabis. In diesem Sommer verstärkten die Behörden nun ihre Anstrengungen, bitten die Bevölkerung an der Küste um verstärkte Aufmerksamkeit und darum, auffällige Aktivitäten sofort zu melden. Hinweis-Schilder an einsamen Buchten und Stränden fragen unter der Überschrift Drugs Watch: “Haben Sie etwas Verdächtiges gesehen oder gehört? Wir benötigen Ihre Hilfe . . . ”

PS: County Corks Cocaine Coast wird von Schmugglern schon seit Jahrhunderten für seine Unübersichtlichkeit geschätzt: Vor 200 Jahren wurde in den kleinen felsigen Buchten bevorzugt französischer Cognac an Land gebracht — und das Risiko, in den stürmischen Gewässern Schiffbruch zu erleiden, war auch damals oft größer als das, entdeckt zu werden.

 

Fotos: Markus Bäuchle