Brigid oder St. Brigid: Sie bekommt einen eigenen Feiertag in Irland

 

Das Comeback der Brigid: Ab dem  Jahr 2023 wird es in Irland Anfang Februar einen zusätzlichen Feiertag geben, um den Tag von Imbolc und die Heilige Brigid zu feiern. Er wird am ersten Montag im Februar begangen, es sei denn, der 1. Februar fällt auf einen Freitag; in diesem Fall wird er an diesem Tag begangen. Dies wird der erste irische Feiertag sein, der nach einer Frau benannt ist. 2023 wird der Brigids Public Holiday auf den 6. Februar fallen.

Imbolc, was übersetzt „im Leib der Mutter “ heißt, markiert den halben Weg zwischen der Wintersonnenwende und der Tagundnachtgleiche. Imbolc wird am 1. Februar gefeiert und ist im keltischen Jahreskreis der Beginn des Frühlings. Mit der Einführung eines zehnten Feiertags will sich Irland nach dem Beschluss der Regierung allmählich dem europäischen Durchschnitt annähern. Imbolc ist gleichzeitig der Brigids Day, der Tag der vor-christlichen Göttin Brigid, die im späten Mittelalter von der Kirche mit der christlichen Äbtissin Brigid von Kildare zu einem irischen Mythos verschmolzen wurde. Heute gilt Brigid sowohl den Christen als auch den Neu-Heiden und Neo-Kelten als Göttin, Heldin oder Schutzpatronin.

Die Ur-Brigid, die in der Mythologie dem Stamm der Tuatha de Dannan angehörte, soll die Tochter eines Adeligen und einer Sklavin gewesen sein. Fakten über ihr Leben sind nur wenige bekannt, umso reichhaltiger ist der Mythos der Frau. Von der christlichen Brigid weiß man, dass sie um das Jahr 500 gelebt hat. Die Figur der Brigid steht heute jedenfalls für Vieles – unter anderem für Weisheit, Kreativitität und Schutz, für Diversität, Nachhaltigkeit, Nächstenliebe, für Hoffnung, für Heilung und nicht zuletzt für einen spirituellen Feminismus. Die Dichter, die Schmiede und die Bierbrauer halten Brigid besonders in Ehren – und nun wird sie ab dem kommenden Jahr vom gesamten irischen Volk gefeiert – ob wissentlich oder nicht, sei dahin gestellt, Hauptsache der Tag ist frei.

Ein Rückblick auf den aktuellen irischen Frühlingsbeginn: Tatsächlich war der 1. Februar ein herrlich warmer und sonniger Frühlingstag in Irland. Ein Tag wie aus dem Bilderbuch, wir waren schon im T-Shirt unterwegs. Nach dem Winter und den tristen Lockdown-Jahren warten die Menschen auf der Insel mehr denn je auf die warme und helle Jahreszeit, auf lange Tage, auf das Ende der Maskierung und die vollständige Rückkehr der Freiheit. Im Garten gibt es schon ermutigende Boten des Frühlings: Die Krokusse und die Kamelien blühen, die Tulpen und Narzissen sprießen. In dem nun zu Ende gehenden äußerst milden und wenig nassen Winter hat das Wachstum nie gänzlich aufgehört, doch der Winter kann hier auch im März mit Schnee und Eis noch zurück kehren und einen Wachstumsschock auslösen, wenn die kalten Ostwinde den Ton angeben.

Die alten Kelten und die neuen Heiden feiern mit Imbolc anfang Februar auch ein Reinigungs-, Licht- und Hirtenfest. Sie huldigen der Ankunft des Frühlingslichts und der wärmeren Tage. Am 1. Februar basteln die Kinder in den Schulen noch heute aus Binsen das Brigid´s Cross, das Brigitten-Kreuz. Am 1. Februar wird das Kreuz vom Vorjahr feierlich verbrannt, das neue findet stattdessen seinen Platz an der Wand. Das hübsch geformte Binsen-Kreuz, ein altes keltisches Symbol, bietet dem Haus der alten Bedeutung nach für ein ganzes Jahr Schutz — vor allem vor Feuer.  Wer braucht da noch eine Haus-Versicherung? Die Überlieferung will wissen, dass die Heilige Brigid ein solches Kreuz improvisierte, um einen am Wegesrand liegenden Menschen noch vor dessen Tod zum christlichen Glauben zu bekehren.

 

Irland Wandern Blüten

Die Kamelien blühen schon . . .

 

Fotos: Wikipdia, Eliane Zimmermann (unten)