Nach einem Besuch der alten Heimat steuerte ich die Reifen vor ein paar Tagen im Fährhafen von Rosslare wieder auf irischen Boden. So wie vor 26 Jahren im Mai, als wir mit dem gesamten Haushalt von München an den Atlantik umzogen. Bis heute wundere ich mich über die Erleichterung, die sich auf den ersten Kilometern durch Wexford, Waterford und dann Cork in mir breit macht – ein Gefühl der geerdeten Leichtigkeit, der Befreiung und des Befreitseins, das sich mit der abnehmenden Entfernung zur dünn besiedelten Atlantikküste, dem Westrand Europas, zuverlässig verstärkt. Wir trafen schon viele Entscheidungen in unserem Leben – jener Umzug zählt zu den besten.
Ich wollte nie ein Auswanderer sein, ich hatte keinen Grund, Zelte abzubrechen, Brücken nieder zu brennen oder mich von Deutschland zu distanzieren. Ich wollte in der Wahlheimat Irland nie irischer als die Iren werden. Ich wollte aber dringend der fortschreitenden menschengemachten Zerstörung der Ballungszentren entkommen, die wir leichtfertig als Zivilisation und Fortschritt etikettieren. Wir wollten in intakter Natur leben, wie wir das damals nannten, und wir genießen das offene unbebaute Land, das Meer, die Berge, und den vergleichsweise geringen Grad an menschlicher Intervention. Ich lebe auf einem Stück Land, das ich mit Tieren und Pflanzen teile, einer ARCHE. Für dieses Privileg bin ich jeden Tag dankbar.
Der aktuelle Road Trip bestätigte nur, was ich lange weiß: Es gibt kein Halten. Die von Menschen wenig beeinträchtigte leere Welt im Gleichgewicht verschwindet, die Schönheit stirbt. Wir können der zum Bersten mit Materie, Lärm, Beton, Asphalt und Müll vollen Welt kaum noch entkommen. Und dies: Touristisches Reisen, das Unterwegssein ohne einen ernsthaften Grund in dieser vollen, lärmenden Welt, um möglichweise einfach nur Sehenswürdigkeiten zu besuchen, ist für mich ein stupider bis sinnloser Akt geworden, eine Obszönität ohne Wert, die gegen das Bleiben nicht bestehen kann. Hier ein paar Eindrücke von unterwegs.
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Die alte Heimat Deutschland besuche und erlebe ich seit fast einem Jahrzehnt pflichtweise zweimal im Jahr. Die Verhältnisse haben sich seitdem verändert, die Menschen mit ihnen. Die zuletzt in Corona-Zeiten um sich greifende Aggressivität und die Intoleranz im Umgang miteinander scheinen angesichts der Multikrise offener Angst und Verzweiflung gewichen zu sein. Ob in den Medien oder in Gesprächen: Bevorzugt werden nun Klagelieder vom Abstieg, vom Scheitern und vom Untergang angestimmt. Deutschland fremdelt mit sich selbst. Die Landsleute erweisen sich als meisterlich in der Praxis der Selbstkasteiung und der Selbstbemitleidung. Wirtschaft am Ende, Staat am Ende, Regierung fast schon wieder . . . Trost spendet der ehemalige Verfassungsrichter und Spiegel-Kolumnist Thomas Fischer, der in einem aktuellen Beitrag zu bedenken gab:
„Deutschland ist, entgegen der medialen Dauerberegnung, ein äußerst reiches, komfortables und krisenarmes, ziemlich kleines Land der Welt, das aus dieser und auf ihre Kosten 80 Jahre lang maximale Vorteile gezogen hat. Die seriöse mediale Beurteilung, das Volk und die Bevölkerung sollten das mindestens ansatzweise reflektieren.“

Auch wenn der Imaginationshorizont sich verdunkelt hat: Von materieller Not ist in den tonangebenden bürgerlichen Milieus rein gar nichts erkennen. Die Autos werden – im Gegensatz zu den Parkplätzen – immer noch größer. Vor vielen Eigenheimen parkt jetzt an mindestens 330 Tagen im Jahr neben dem Pkw ein weiterer Sichtschutzwall aus Blech: das eigenes Wohnmobil. In die einstigen Pflanzengärten sind, umrahmt von Steinwüsten, voluminöse – oft überdachte – Sitzgruppen zum Zweitwohnen und beeindruckende Outdoorküchen eingezogen. Gar nicht zu reden von all den neuen Schuppen und Gartenhäuschen. Die Gartenmärkte verkaufen nun mit Vorliebe vorgefertige Schwimmbecken in vielen Größen. In Zeiten von Wassernot und heißen Sommern ist der eigene Swimming Pool zum Must-have und zum raumgreifenden Konkurrenten von Bäumen, Sträuchern und Blumen geworden. Aufschlussreich auch der Besuch eines deutschen Altkleidercontainers oder des städtischen Recyclinghofes an einem beliebigen Wochentag: Andernorts würden Menschen mit dem ausrangierten Wohlstandsmüll komplett neue Hausstände begründen.
Die Not ist demnach innerer Natur. Das Vollstopfen der eigenen Welt mit immer noch mehr Materie stößt an Grenzen – an die des Raumes und des Nutzens.
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Nach einem Vierteljahrhundert an einem anderen Ort habe ich wohl begonnen, mit dem Land, aus dem ich komme, ein wenig zu fremdeln. Wenn ich die jungen Verkäuferinnen und Kassiererinnen – sie allesamt sicher kurz vor dem Absprung in eine Influencer- oder Top-Model-Karriere – ihr hochfrequentiges Haaaaalo und Tschüüüüüs flöten höre, dann vermisse ich die alten allemannischen Grußformeln: Solli und Adje, angelehnt an das franzözische Salut und Adieu, haben die Menschen hier zur Begrüßung und Verabschiedung einmal gesagt, oder Guede Dag.
Keine Rede mehr davon. Die Ver-Klumisierung der Verhältnisse macht auch vor dem alemannischen Dialekt nicht halt. Eine kluge Bekannte hielt mir vor Augen, dass ich in der fernen Diaspora nicht mitbekäme, wie sich Alltagssprache verändert – ein leichter Euphemismus dafür, dass Dialekte und Regionalsprachen verschwinden – und dass meine Art des Sprechens in Mundart mittlerweile kernig ältlich daher käme. Ich fühlte mich an frühe Diskussionen mit russland-deutschen Studienkollegen erinnert, die sich enttäuscht und betroffen über die Abwesenheit eines Deutschlands äußerten, wie sie es sich in ihrer Vorstellung in der neuen Heimat im Osten wie in einem Einmachglas erhalten hatten. Da ich nun offensichtlich nicht mehr ganz dieselbe Sprache spreche, ein weitgehend verhochdeutschtes Rest-Alemannisch, gehöre ich dann noch dazu?

Viel wichtiger: Gehört das gesellschaftliche Drittel dazu, das nun offensichtlich bereit ist, der extrem rechten AfD ihre Stimme zu geben? Der öffentliche Diskurs vermittelt mir den merkwürdigen Eindruck, dass diese Menschen Aliens seien, dass sie irgendwo vom Himmel fallen – und dass sie mit der „eigentlichen“ Gesellschaft nichts zu tun haben und nicht dazu gehören. Dabei scheinen sich die Sympathisanten und Wähler dieser unappetitlichen, rassistischen und freiheitbedrohenden Partei nicht auf das schwarze Schaf der Familie, den schrägen Onkel mit den Fascho-Ansichten, zu beschränken. Sie kommen aus der Mitte dieser Gesellschaft. Eigentlich muss man in einer Menschenmenge, in einer Versammlung, im Stadion oder auf einem Fest immer nur bis drei zählen – und hat statistisch einen AfD-Sympathisanten identifiziert. Dass viele AfDler bereit sind, eine Partei zu wählen, die ihre Interessen so gar nicht vertritt, hat Berthold Brecht einst im Kälbermarsch treffend beschrieben:
„Hinter der Trommel her
Trotten die Kälber
Das Fell für die Trommel
Liefern sie selber.“
Die sogenannten „guten“ demokratischen Parteien haben sich den Jargon der Rechten längst angeeignet, fahren andererseits aber rigide Ausgrenzungsstrategien und verteidigen Brandmauern – ein typisch deutsches Konstrukt. Das wird wohl nicht gut gehen. Es läge an den Konservativen im Land, ihre Absorptionskräfte im Geiste der alten Strauss-CSU zu stärken. Und es läge an den Sozialdemokraten, sich zu besinnen, welche Menschen sie einmal vertreten haben und wen sie heute überhaupt noch vertreten.
Die Schwäche der deutschen Politik ist für mich – ganz ähnlich wie in den USA – die tiefe Krise der bürgerlichen Mitte, die ihre geliebten, alten Lebenslügen nicht aufgeben will. Man wird auch den Verdacht nicht mehr los, dass die Privilegierten gut und ungestört leben, solange sich die manipulierten Unterprivilegierten gegenseitig bekämpfen. Dass die soziale Ungleichheit das entscheidende Problem unserer Zeit ist, wird versteckt hinter der erfolgreich geschürten Hysterie über die Migration. So hat das Elitenversagen die Politik erreicht. Nicht, dass ich es besser könnte – und doch wirkt die Durchschnittlichkeit des gegenwärtigen politischen Spitzenpersonals besorgniserregend.
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Auch durch die Schweiz (und das angrenzende Aostatal) bin ich mal wieder ein paar Tage lang gefahren, durch das Land, von dem ich lange anerkennend dachte, es könne sich gut in der Balance halten. Nun wird es richtig eng bei den Eidgenossen, herrscht angesichts von weiter wachsenden Siedlungen, Straßen und Industriegebieten Platzknappheit im Unterland. Und das erzeugt Platzangst: Politische Plakate warnen allerorts von einer Schweiz mit zehn Millionen Einwohnern.
Auf den Zinnen der Alpen tanzt derweil der Bär – nackt. Ich bin selber kompetitiv Ski gelaufen und gerne auch gefahren. Ich habe meine Sommerferien trainierend auf Gletschern verbracht. Was ich am Matterhorn sah, erfüllte mich mit ein wenig Stolz, dass ich den Skisport vor langer Zeit schon aufgegeben habe und kein Skifahrer mehr bin. Das Skifahren ist zur prolligen zeigefreudigen Höhen-Party verkommen. Mann und Frau carven fast nackt in knapper Badebekleidung im zusammen gekratzten Schnee und fröhnen zwischen Sonnenbad, Drinks und dröhnender Open Air-Disco dem Körperkult. Auf der Strecke bleiben das Maß, die Redlichkeit, die Schönheit.
Den wärmeren Wintern und dem geschäftsbedrohenenden Schneemangel in tieferen Lagen begegnete man am Matterhorn mit drastischen Ingenieursleistungen: Die Seilbahnen fahren jetzt rund 1000 Meter höher Richtung Himmel und bringen den Besucher fast auf Augenhöhe mit der einst weit über uns thronenden Berg-Ikone. Die höchste Seilbahnstation Europas führt nun auf 3883 Meter Höhe am Klein Matterhorn. Wer will und es sich leisten kann, kann mit sieben verbundenen Seilbahnen durch dünne Luft von Zermatt über den Rest-Gletscher ins italienische Cervinia und zurück fahren. The Sky is the Limit. In Zermatt läuft gerade die Genehmigungsphase für einen 250 Meter hohen Wolkenkratzer.
Beim Anblick der nackten Skifahrerinnen fühlte ich mich an den Tanz auf der Titanic erinnert – und merkwürdigerweise an das entstellte Gesicht und den mit vielen Dollars umgebauten Körper von Lauren Sanchez Bezos. Die Zeiten, da Eliten wenigstens Schönheit schufen, an denen sich die Normalos berauschen konnten, sind zweifellos vorbei. Die Bezos hatten sich in jenen Tagen mit ihrem absurden Wohlstand gerade in die New Yorker Met Gala eingekauft. Auch Popeye trägt jetzt Prada . . .
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Während wir das Rest-Heil der Welt in der Rettung eines einzelnen todkranken Buckelwals finden wollten, nahmen die Verpflasterung der Landschaft, die Ausbeutung der Erde durch Extraktion und die Vermüllung des Planeten mit menschlichen Konstruktionen und Produkten weiter an Fahrt auf. Die Wal-Frau, die sie Timmy nannten, ist tot. Wer rettet die Wale dieses Planeten? Wer sichert dem nicht-menschlichen Leben ein Minimum an Lebensraum? Wer stoppt das verhängnisvolle Comeback der schmutzigen Ölindustrie in der dunklen Gestalt des Trumpschen Fossil Fuel Faschismus, wer den massiven Aufbau der zerstörerischen KI-Infrastruktur, Rechenzentren so groß wie Manhattan, gigantische neue Kraftwerk-Kapazitäten, um diese zu betreiben?
Welche große Bewegung (Partei?) traut sich endlich, die strikt parallel verlaufenden Debatten über das ewige Wachstum und über den Schutz des Planeten ehrlich zusammen zu führen, die Widersprüchlichkeit der Ziele anzuerkennen und dabei nicht die Lebenslüge unserer Generation, die vom nachhaltigen grünen Wachstum, zu bemühen? Wann beginnen wir ernsthaft darüber zu sprechen, dass die Grenzen des Planeten uns dazu zwingen werden, eigene Grenzen zu respektieren? Wann beginnen wir, uns kollektiv zu beschränken, wieder Maß zu halten und das Recht allen anderen Lebens auf der Erde anzuerkennen? Wann wiederlegen wir alte hinderliche Glaubenssätze: Dass wir einfach so weiter leben können, wenn wir nur ein E-Auto und eine Wärmepumpe kaufen? Dass Demokratie nur gut ist, solange alles besser wird? Dass fehlendes Wachstum und schrumpfender Wohlstand schnurstracks in den Faschismus führen?
Wahrscheinlich bin ich ein Anachronist. Aus der Zeit gefallen, oder besser: In diese Zeit hineingefallen, mit der ich nicht so recht zurecht komme. Eine Freundin schickte mir kürzlich einen Spruch des fast in Vergessenenheit geratenen deutschen Humoristen Heinz Erhardt:
„Früher war alles gut. Heute ist alles besser. Es wäre besser, wenn wieder alles gut wäre.“
Der nationale Erdüberlastungstag für Deutschland fiel 2026 auf den 10. Mai (global wird es der 24. Juli sein). Würde die gesamte Weltbevölkerung so leben und konsumieren wie die Menschen in Deutschland, bräuchte die Menschheit rechnerisch nun fast drei Planeten (global fast zwei). Uns erwarten Ketten von Kollapsen – mit Ansage. Der Statistiker und Wachstumsforscher Vaclav Smil rechnete aus, dass wir auf dem deutschen Wohlstandsniveau der frühen 70-er Jahre mit einer Erde auskommen und nicht über unsere Verhältnisse leben würden. Ich erinnere mich, dass wir damals ein gutes, würdiges Leben frei von Armut führten.
Derlei Gedanken werden heute natürlich als rückwärtsgewandt, reaktionär, maschinenstürmerisch, sogar lebensfeindlich attackiert. Wenn wir allerdings weiterhin jedes Jahr die Resourcen von drei statt nur von diesem einen Planeten konsumieren, dann werden unsere Jahre kollektiv bald gezählt sein. Lebensbejahung bedeutet deshalb für mich, den Swimmingpool im Garten, das eigene Wohnmobil, das technisch Mögliche und generell die Fetische Fortschritt und Wachstum radikal in Frage zu stellen.
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Zurück im Südwesten Irlands schaue ich auf den weiten ewigen Atlantik. Um mich herum Vögel von drei Dutzend verschiedenen Arten, Füchse, Hirsche, Eichhörnchen, Wiesel, Marder. Vielleicht wird doch alles gut. Vielleicht entsteht aus den Multikrisen unserer Zeit eine neue bessere Welt. Vielleicht reichen wir dem Falken die Hand und sprechen bald die komplexe Sprache der Wale. Vielleicht lernen wir von den Pinguinen, dass wir die Härten der Existenz teilen und niemanden ungeschützt zurück lassen dürfen. Vielleicht lernen wir von den Raben, dass wir Lügner und Betrüger nicht sozial belohnen – und schon gar nicht zum Präsidenten wählen. Von den Elefanten, wie Empathie unsere Gemeinschaften harmonisch stabilisiert. Von den Honigbienen, wie wichtig freier Informationsaustausch für ein demokratisches Zusammenleben ist. Und von den Bäumen, wie wir das Kapern politischer und wirtschaftlicher Macht durch Oligarchen verhindern.
Hörenswert dazu Natalie Kyriacous kurzer kraftvoller Vortrag: How Will History Judge Us?
Fotos: Markus Bäuchle, außer: Google Screenshot (Pools); Sticker: Muettersproch Gsellschaft; Natalie Kyriacou: Youtube




Ich erinnere mich an ein Thema eines Aufsatzen im Deutschuntericht vor ca. 50 Jahren. Sinngemäß „Der Mensch beutet die Natur wider alle Vernunft aus“. Alle Mitschüler, die sich dieses Themas angenommen hatten, waren natürlich, dem Zeitgeist entsprechend, der Meinung, das dem so ist. Die Arbeiten wurden nach der Rückgabe und deren enttäuschender Bewertung durch den Lehrer heftig diskutiert. Der Mensch beutet zwar die Natur aus, was zu einer gravierenden Veränderung in seinem Umfeld und auf dem gesamten Globus führe, dies sei aber nicht unvernünftig, war der wesentliche Kritikpunkt der Lehrers an den Ausarbeitungen.
Was dem einen unvernünftig erscheint, muss nicht jedem ebenso erscheinen. Es gibt halt unterschiedliche Ziele die die Menschen zu unterschiedlichen Zeiten verfolgen und zu deren Erreichen sie bewußt, also vernünftig handeln.
Aus heutiger Sicht war es unvernünftig in Irland die Kartoffel als fast einziges Lebensmittel zu nutzen und ein übermäßiges Bevölkerungswachstum zuzulassen. Die Folge ist hinlänglich bekannt. Damals war es vernünftig ein anscheinend sicheres Lebensnmittel für die Grundversorgung zu haben mit der möglichst viele Kinder ausreichend ernärt werden konnten. Wer wäre auf die Idee gekommen, eine Geburtenkontrolle einzuführen.
Ein Beispiel von vielen. Aus meiner Heimat Norddeutschland kenne ich auch den Raubbau an der Nordseeküste, die letztendlich zu den großen Mandrenken beigetragen hat. Bis dahin hatte man gut vom Salzhandel gelebt und dabei den eigenen Boden unter den Füssen abgegraben.
Gesamtgesellschaftlich habe ich den Eindruck, dass die Mehrheit danach vernünftig handelt:
Da wir den „Untergang“ der Menschheit oder auch vielleicht nur der Gesellschaft, wie wir sie kennen, nicht verhindern können, wollen wir die Party feiern solange es noch geht.
Danke für diesen news Beitrag! Vorallem die INspiration vom letzten ANsatz! Mögen wir ein Teil von und jeder von uns ein BEItrag für eine Rückkehr der INtakten Natur und Schönheit sein!
Lieber Markus
Wir sind schon verdammt privilegiert, hier leben zu dürfen
Oh ja, lieber Siegfried – und jetzt auch noch dieses Wetterchen als Zugabe.
Vieles an Deinem Beitrag empfinde ich als zutreffend, lieber Markus: die Maßlosigkeit des Konsums, die Zerstörung von Landschaften, die Illusion des grenzenlosen Wachstums.
Die Trauer darüber teile ich.
Der Satz „Die Schönheit stirbt“ hat mich tief berührt. Vielleicht verschwindet eine bestimmte Form von Schönheit tatsächlich. Wie viele Menschen können überhaupt die Zeichen der Natur deuten – und Schönheit finden? Schönheit kann nur dort entstehen, wo Menschen anfangen, wieder sorgfältiger mit der Natur umzugehen.
Und wie gelingt es denn nun, die Gesellschaft und Gegenwart zusammenzubringen, ohne dass alles nur noch als Verfall erscheint, und am Ende nur Resignation bleibt?
Wie geht man, wie gehen wir damit um?
Vielleicht braucht unsere Zeit weniger Fortschrittsglauben, aber auch weniger Untergangsgewissheit. Mehr Maß, mehr Schutz der natürlichen Welt, ja. Aber auch Vertrauen darauf, dass Menschen lernfähig sind.
Vielleicht liegt die Alternative nicht im Rückzug vor der Gesellschaft, sondern darin, neue Formen von Verantwortung und Begrenzung gemeinschaftlich zu entwickeln — ohne dabei den Glauben an den Menschen ganz auszuschließen.
Vielen Dank für den Hinweis zum Vortrag von Natalie Kyriacou bei der Auftaktveranstaltung von „Reclaiming Democracy Together“.
Was für eine eindringliche, provokante und wertvolle Rede!
“Was künftige Generationen wohl über eine Zivilisation denken werden, die über beispielloses Wissen, Technologie und Wohlstand verfügte — und dennoch Schwierigkeiten hatte, gemeinsam auf die Krisen zu reagieren, die ihre eigene Zukunft bedrohten.“
Die Themen im Vortrag sollten generationsübergreifend höchste Priorität haben, und auch dementsprechend vermittelt werden:
Klimawandel und ökologischer Kollaps, Demokratie und zivilgesellschaftliche Desinteresse, Soziale Medien und Aufmerksamkeitsökonomie, Vermögensungleichheit und politische Macht, Menschliches Verhalten, Technologie und moderne Kultur, Hoffnung, Verantwortung und kollektives Handeln.
Wohin führt uns unser (hoffentlich gemeinsamer und gemeinschaftlicher) Weg wohl?
Foto: Dursey Island, Irland, April 2026: „Am Rand der Stille“ oder „der Weg ins Ungewisse“.
Bleiben wir zuversichtlich, viele Grüße aus Norddeutschland,
Sandra
Ja hallo Markus!!
so schön, endlich mal wieder von dir zu lesen, ich habs so vermisst!
Und ja, auch ich hadere mit einer Welt, die zunehmend verkommt in Egoismus und Influenzertum.
Ich kommen nicht mehr klar mit dieser Ignoranz und diesen Selbstdarstellern und frage mich jeden Tag: will ich wirklich noch älter werden?
Für was? Um diesem schamlosen ignoranten Treiben noch weiter zuzusehen? Man wird schon als fremdes Wesen angesehen und müde belächelt, wenn man noch Werte lebt!
Und um auf deinen Eingangs-Absatz zurückzukommen:
Niemals werde ich das Gefühl vergessen, das mich erfasste, als ich erstmals die irische Landschaft sah, die Luft einatmete… es war, wie nach Hause kommen!
Ich hoffe sehr, wir lesen doch mal wieder öfter von dir!
Aus der Seele gesprochen!
Hallo Markus,
ohne zu wissen, was deine Worte sein werden und nur mit einer leisen Ahnung konnte ich nicht aufhören zu lesen. Ich sah die Bilder vor Augen, spürte dein Entsetzen, auch eine tiefe Traurigkeit. Deine Worte zogen mich hinein in das was ich sehe, wahrnehme, sprachlos und hilflos macht. Würde, Mitgefühl, Dankbarkeit… wo sind unsere Werte hin, unser Mensch sein.
Die Natur, die Tiere sind ein wahrer Schatz und ich vertraue darauf, das mehr und mehr wieder zu sich finden, zurückfinden zu ihrem Kern, ihr Herz.
Liebe Grüße
Mechtild
Hey Markus! So schön, wieder mal einen Irland news Beitrag zu lesen.
Ich hab das so vermisst.
Total geschockt hast du mich mit den beinahe Nacktbildern und Texten von „Noch-Menschen“ auf dem Matterhorn. Du meine Güte!
Oder sind sie vielleicht schon Bio-Roboter?
Ich lebe ja in der Schweiz und hatte keine Ahnung von diesem Berg-Ballermann. Die majestätische Stille der Berge….
Da fällt mir nicht mehr viel ein… Ausser: Letzten Endes zerstört sich das Ego selbst. Muss es.
Die Natur, das Licht und die Liebe werden immer siegen. Und wir werden es erleben!
Herzliche Grüsse, Kathrin
“Mich durchströmt Wärme, wenn ich mich an die Tage erinnere, die noch kommen werden.” Ein Satz, der mich hoffen lässt. 😃
Hallo Markus, dem ist nichts hinzuzufügen! Aber es klingt irgendwie so desillusioniert, so ein bisschen depressiv, als wäre die Welt verloren und wir können nicht viel dagegen tun. Dabei ist die Welt nicht verloren, es wird sie auch ohne uns weiter geben!
Viele Grüße von Sven
Du hast Recht, lieber Sven. Ich hadere wider besseres Wissen mit unserer kollektiven menschlichen Unvernunft. Lies aber gerne mal den letzten Absatz.