008 :: Zürichsee, Obersee Bollingen SG; der Turm von C.G. Jung
Ich fuhr in die Schweiz. Man nennt ihn den verwundeten Heiler der Seelen. Der Schweizer Psychiater C. G. Jung reiste in die Tiefen und Abgründe seiner eigenen Seele und hinterließ uns einen eindrucksvollen Reisebericht: Das Rote Buch. Der Begründer der analytischen Psychologie dachte wenig in Kategorien von krank versus gesund. Er betrachtete die psychische Arbeit der Individuation als Entwicklung und Vollendung der ganzheitlichen, lebendigen Persönlichkeit.
Um sich im seelischen Gleichgewicht zu halten, suchte Jung (1875 – 1961) nach einem Ort des Rückzugs und nach Zeiten der Erdung. Im Jahr 1922 kaufte er ein Grundstück am menschenleeren Nordostufer des Zürichsees und baute darauf im Jahr 1923 einen zweistöckigen Rundturm, den Turm von Bollingen. Er wurde seine zweite Wohnstatt und sein Tor zur inneren Heimat.
Dorthin zog sich Jung in den folgenden Jahrzehnten jeweils mehrere Monate im Jahr zurück, lebte, dachte, imaginierte und träumte im Turm am Wasser. Der Pionier der Erkundung der menschlichen Psyche erweiterte das bis heute stromlose Gebäude in den Jahren 1927, 1931, 1935 und schließlich 1955 nach dem Tod seiner Frau Emma zu einer zweistöckigen Burg mit vier Türmen.
Dort hielt Jung Zwiesprache mit seinen Ahnen, reiste hinab in die abenteuerlichen Regionen des kollektiven Unbewussten, begegnete seinen Archetypen und sprach zu seiner Anima.
Ortskoordinaten:47°13’16.7″N 8°54’18.4″E (Der Turm ist im Besitz der Familie und nicht öffentlich zugänglich).
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Alle Fotos: Markus Bäuchle


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