010 :: Cork English Market; ein stilles Örtchen
Die Mehrheit der Dörfer und Städte in Irland hält an der Errungenschaft einer öffentlichen Toilette bis heute fest. Cork, die zweitgrößte Stadt im Land, gehört nicht dazu. Dort hält die Stadtverwaltung die vorhandenen Klohäuschen geschlossen. Ich spaziere gerne durch den English Market im Herzen der Stadt – auch, weil es dort ein zugängliches stilles Örtchen gibt, ein stets blitzsauberes dazu. Es gehört fast schon zur Tradition, dass mir die 20 Cent, die das Tor zur Erleichterung öffnen, ausgerechnet jetzt im Geldbeutel fehlen – wie letzlich, an einem kalten windigen Wintermittag. Ich überlegte, was ich schnell kaufen könnte, um eine 20-Cent-Münze zu ergattern und entschied mich für ein schönes irisches Brown Bread. Mit dem Brot unter dem Arm reihte ich mich in die Schlange ein: Toilette besetzt, vor mir zwei Frauen mittleren Alters, die gerade vom Einkauf kamen.
Endlich öffnete sich die Tür, ein alter Mann in schwarz schlurfte heraus. Die Frau an der Spitze der Schlange versuchte, ihren Fuß noch in die Tür zu bekommen. Sie war zu langsam – und sparte sich das Eintrittsgeld dennoch: Die Wartende hinter ihr, eine gepflegte, gut gekleidete Dame in den Mittvierzigern, zückte einen Schlüsselbund aus der Tasche und öffnete die Klotür mit einem langhalmigen Dietrich. Sie sah in mein erstauntes Gesicht und zuckte lächelnd mit den Schultern. Gewusst wie! In einer Stadt wie Cork öffnet der gute alte Diebsschlüssel so manche verschlossene Pforte.
„Jetzt komme ich mir richtig blöd vor“, verriet ich der Besitzerin des Nachschlüssels, „ich musste mir den Zugang mit einem Brot erkaufen.“ Die Cork Woman lächelte wieder. „Jetzt hast Du immerhin ein Brot. Was gibt es Besseres an einem Tag wie diesem, als ein schönes Brot mit viel, viel Butter und einer guten Tasse Tee.“ Sprachs und verschwand im stillen Örtchen.
Die 20 Cent sind noch immer im Geldbeutel und bleiben jetzt dort – bis zum nächsten Besuch in der City.
PS: Viele Irinnen und Iren lieben es, auf findige Weise Eintrittsgeld oder Gebühren zu sparen. Gerade dem Staat und seinen Einrichtungen gönnt man keinen Cent zu viel. Ich war im Begriff, am Drehkreuz zum Busbahnhofsklo 20 Cent in den Schlitz zu stecken, als eine Stimme neben mir rief: „Mach das nicht!“ Der uniformierte Busfahrer holte am Drehkreuz neben mir zum eleganten Hüftschwung aus. Er wuchtete die Schranke aus dem Weg und strahlte: „Das kannst Du auch“.
Ortskoordinaten: 51°53’51.7″N 8°28’29.4″W
Das Inhaltsverzeichnis in Bildern für ein wachsendes Buch der Tage und der Orte. KLICK.
Alle Fotos: Markus Bäuchle


Ach wie nett, 20 Cent sind doch geschenkt, und sauber sind sie auch noch, nicht so in der Türkei, dort legt man etwas Geld auf den bereit gelegten Teller,
der sofort geleert wird.! Dazu gibt es grosszügig ein ganzes Blatt WC Papier, die CLOS sind unsauber, stinken fürchterlich.!
Wer nicht dafür zahlen möchte, dass Toiletten bereitgestellt und gereinigt werden, sollte sich mal einen Tag als Kloputzer am Hauptbahnhof der eigenen Stadt verdingen. 20 Cent sind überdies ein löblich niedriger Pinkel-Preis. In der Schweiz ist da oft ein Franken fällig, in Tourismushochburgen gerne auch mehr.
Herrlich! 😄 Für’s „Örtchen“ bezahlen zu müssen – wer will das schon? Auf den Autobahnen in Deutschland ist das längst perfektioniert 😥
Gruß Gabi
😂😂😂👍