071 :: The City of Shrone, Cathair Crobh Dearg, County Kerry
Die Paps, heilige Erhebungen Irlands, waren Jahrtausende lang das Ziel von Pilgern und Suchenden. Die beiden busenförmigen Berge können aus allen Himmelsrichtungen begangen werden. Irgendwo auf dem Weg zu den Gipfeln überschreiten wir die Grenzen zwischen Erfahrung, Imagination und Traum. Der älteste Pfad führt von Norden hinauf. Er beginnt an einem geheimnisumwitterten Ort in Sliabh Luachra, unweit von Rathmore, oberhalb des Weilers Shrone: Cathair Crobh Dearg, die Einhegung der roten Klaue. Das kreisrunde Gebilde mit bis zu vier Metern dicken Steinmauern ist auch als City oder als City of Shrone bekannt und gilt als einer der ältesten Plätze vorchristlicher Pilgerschaft, von Bußgängen und spiritueller Verehrung in Europa. Manche Quellen behaupten, die City, die mit den nahen Gipfeln der Paps direkt kommuniziert, sei das älteste spirituelle Zentrum Europas. Noch heute treiben Bauern des Dorfes ihre Rinder am 1. Mai, dem Fest von Beltaine, um den alten Kraftort und segnen die Tiere mit dem Wasser der Heiligen Quelle, das von den Paps herunter zum Atlantik fließt.
Als ich dort war, früher im Jahr, lag Cathair Crobh Dearg überwachsen, verlassen, menschenleer. Eineinhalb Gehstunden über mir die ewigen Berge der Anu. Die Statue der Maria mit dem Kind hat ein unbekannter Anstreicher mit den Farben der Unbeflecktheit vor kurzem aufgefrischt. Er hat der Verehrten und dem Kind einen blauen Lidschatten und blaue Augen verpasst. Am Zentralstein der kreisrunden, möglicherweise untertunnelten Anlage, der Brandfleck einer Feuerstelle aus frühen Maitagen. Entlang der Außenmauern die Klauenspuren einer Rinderherde. Die beiden alten Gebäude an der Mauer verlassen und verfallen. Zur City of Shrone führen keine Schilder. Wem gehört die City? Den neuen oder den alten Pilgern? Die Einheimischen wollen keine auswärtigen Energien anziehen, heißt es, sie lehnten die uralten Rituale der neuen Gottsucher ab. Lieber vergessen sie den Ort und lassen Gras drüber wachsen.
Sie könnten sich dabei selbst vergessen. Die Heilige Quelle sprudelt. Seitdem. Wie immer. Sie blubbert. Sie flüstert. Sie kennt die Geheimnisse. Ich verstehe sie nicht. Ich will hören lernen und wieder kommen.
Ortskoordinaten: 52.04048° N, 9.25616° W
Das Inhaltsverzeichnis in Bildern für ein wachsendes Buch der Tage und der Orte. KLICK.
Alle Fotos: Markus Bäuchle




Den Worten unter „Manche Orte bewahren ihr Geheimnis“ stimme ich uneingeschränkt zu. Ein Geheimnis ist keines mehr sobald es jeder kennt … und deshalb habe ich mich bis heute zurückgehalten – bei allem was ich fotografiert, gezeichnet und geschrieben habe – irgendetwas davon mehr als nur einer Handvoll Menschen preiszugeben, von denen ich weiß, dass sie Geheimnisse bewahren werden… Ohne Geheimnisse und Zauber verkümmert unsere Seele. Ich fühle mich glücklich heute diese Seiten hier entdeckt zu haben.Vielen herzlichen Dank Markus
ps. das Foto + mein Gedicht dazu zeigt einen Ort der Geheimnisse in Irland, in einem stets – von Touristen – stark frequentierten Park aber doch so wenige Schritte von den ausgetretenen Pfaden entfernt, ist es ein Ort der tiefen Stille und des Friedens in den Armen des uralten Baumes… niemand verirrt sich dorthin und das ist gut so… meine Fotos oder Worte in Fotos bitte ich als meinen Beitrag wahrer Wertschätzung einzuordnen…
Sylvia