Freund

079 :: Dank an meinen Freund. Am 23. August.

Bevor ich Facebook vor vier Jahren abschaltete, hatte ich tausenddreihundert Freunde. Wir hatten uns nie viel zu sagen. Wir schwankten zwischen der Banalität des routinierten und der Inszenierung des pseudo-perfekten Lebens. Ich vermisse sie so wenig wie sie mich. Wenn ich Facebook noch einen Vorwurf hinterher schicken wollte, dann den der Pervertierung des Freundschafts-Begriffs.

Die Zahl der Freunde und Freundinnen in meinem Leben ist überschaubar, es reichen fast die Finger einer Hand, um sie zu aufzuzählen. Mein Freund wird heute 65 – und obwohl ich mir aus den üblichen Jubiläen nichts mache und am Besitzpronomen spare, möchte ich meinem Freund heute danken. Für 44 Jahre Freundschaft.

Wir lernten uns im Spätsommer 1980 in Heidelberg kennen. Wir wohnten und wir spielten, wir tanzten und wir tranken zusammen, wir schauten uns nach denselben Frauen um. Wir balancierten nachts um drei auf Brückengeländern und rutschten auf Plastiktküten die vereiste Nordwand herunter. Wir kletterten auf Berge, auf Fernsehtürme und über Burgmauern. Wir schwitzten und wir froren miteinander, wir stritten, harmonierten und sinnierten. Wir überschritten Grenzen zusammen. Er brachte mich sogar zum Singen.

Er zeigt mir Sanftheit, wenn ich verhärte. Er lässt mich sein, was ich bin. Er akzeptiert mich mit allen Widersprüchen und verurteilt mich nicht. Für all das danke ich Dir. Ich wünsche Dir gute Jahre, würdevolles Altern, inneren Frieden und etwas selbstsüchtig: frische Beine. Für einen weiteren Grenzgang.

 

Ortskoordinaten: Heute hier, morgen dort.

 


Orts-Zeit

 

Das Inhaltsverzeichnis in Bildern für ein wachsendes Buch der Tage und der Orte. KLICK.

Fotos: Markus Bäuchle; Foto unten: Eliane Zimmermann


 

Mein Freund