Drombeg Stone Circle

077 :: Drombeg Stone Circle, Glandore, County Cork

Woher wissen wir, was wir zu wissen glauben? Oft stand ich an der Hag of Beara, einem markanten Stein auf der Kilcatherine Peninsula, und fragte mich, wer den Namen für diesen fest in der Erde geborgenen Felsbrocken zum ersten Mal ausgesprochen hat – und vor allem wann. Wann wurde die alte Hexe der Christen und weise Frau der Kelten von einem christlichen Alphatier in die Schranken gewiesen und metaphorisch in Stein verwandelt? Wann erzählte wer erstmals die Legende von der zur Steinsäule erstarrten Gottähnlichen, der Erschafferin der Landschaft, der Frau von sieben Männern, der Mutter eines ganzen Kindergartens?

Ähnliche Gedanken beschäftigten mich beim ersten Besuch eines Steinkreises, der vor über 3000 Jahren zwischen den heutigen Ortschaften Glandore und Rosscarbery errichtet wurde. Ich hatte den Drombeg Stone Circle Jahrzehnte lang gemieden. Jetzt fragte ich mich, wieso – und warum die Leute in West Cork den Ort The Druid´s Altar, den Altar des Druiden nennen? Wer hat den Namen wohl erstmals ausgesprochen?  Wer, wann?

Der Steinkreis von Drombeg wurde in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts archäologisch ausführlich untersucht und restauriert. Die Forscher fanden in der Mitte des 9,30 Meter durchmessenden Kreises aus 17  Steinen zahlreiche Scherben und die Reste eines Tongefäßes mit der Asche eines jungen Erwachsenen. Sie datierten die Funde auf die Zeit zwischen 1100 und 800 vor Christus. Der Steinkreis ist – zieht man eine Linie zwischen den beiden Portalsteinen und dem liegenden Axialstein – nach Südwesten ausgerichtet. Am Tag der Wintersonnenwende senkt sich die Sonne auf dieser Linie hinter den Horizont. Ganz in der Nähe des Kreises wurden zwei Steinhütten und eine prähistorische Kochstelle identifíziert.  Phantasiebegabte wollen in den Einritzungen an einem der Kreissteine einen vorgeschichtlichen Penis und eine korrespondierende Vulva erkennen.

Aufgrund der Grabfunde und der altarähnlichen Form des Liegesteins wird des Monument von Drombeg mit spirituellen Praktiken und religiösen Ritualen in Verbindung gebracht. Die keltischen Druiden sollten allerdings erst Jahrhunderte nach dem Urnen-Begräbnis in der Gegend erscheinen. Die mystifizierten Führerfiguren – Priester, Ärzte, Erzähler, Richter und politische Berater und Influenzer in Personalunion – waren mutmaßlich nicht anwesend, als eine gut organisierte Gruppe Menschen das Steinmonument unweit der Küste unter großen Mühen tief in die Erde eingrub.

Wie und wann entstand die Geschichte vom Altar des Druiden? Was dachten und sagten die Erbauer des Steinkreises, was erzählten die Druiden später ihren Stammes-Genossen? Welche Informationen wurden über viele Generationen weiter gegeben? Welche blieben in der Stillen Post der Jahrhunderte auf der Strecke, welche wurden hinzu gefügt? In welchen Sprachen gaben die Menschen ihr Wissen weiter, in welchen erzählten sie ihre Geschichten?  Es kann gut sein, dass der Name Druid´s Altar aus dem 17. Jahrhundert stammt, als populäre Theorien über die alten Monumente und deren Nutzung durch idealisierte Druiden schriftlich in Umlauf gebracht wurden. Auch die Hag of Beara könnte erst damals ihren Namen bekommen haben.

Wir wissen, dass der irische Staat den Steinkreis von Drombeg im Jahr 1938 erwarb und zum nationalen Monument erklärte. Davor war er in Privatbesitz. Von der alten Eigentümerfamilie wissen wir, dass sie den flachen Steinklotz, der heute als Altar verehrt wird und als Münzengrab herhalten muss, ganz praktisch als Picknick-Tisch benutzt hat.

 

Ortskoordinaten: 51°33’53.0″N 9°05’14.4″W


Orts-Zeit

 

Das Inhaltsverzeichnis in Bildern für ein wachsendes Buch der Tage und der Orte. KLICK.

Alle Fotos: Markus Bäuchle


 

Druid´s Altar