069 :: Black Ball Head Signalturm, Beara, County Cork
Türme begeistern mich. Türme auf Bergen, Türme auf Klippen. In der alten Heimat im Schwarzwald bauten Menschen in der Zeit von Kaiser Wilhelm Türme zum Spaß – aus lauter Lebensfreude offensichtlich, um eine noch bessere Aussicht zu genießen. Die Türme entlang der irischen Süd- und Westküste haben einen kriegerischen Hintergrund. Anfang des 19. Jahrhunderts fürchteten sich Irlands englische Besatzer vor einem Angriff der Erzfeinde vom Kontinent, der Franzosen. Um 1805 nahmen sie über 80 Signaltürme zwischen dem Malin Head, dem Mizen Head und Dublin im Osten in Betrieb – die meisten davon viereckig, einige auch rund, die Martellotürme. Sie sollten nach mehreren französischen Angriffen in den 1790-er Jahren eine Landung von Napoleons Flotte in Irland sicher verhindern. In Ihnen wurden das Verteidigungs-Material gelagert, zudem boten sie den Mannschaften Platz zum Schlafen.
Die Kriegs-Architekten setzten auf eine einfache und anfällige Kommunikationstechnik: Die Türme wurden in einer Kette gebaut, jeder Turm ermöglichte Sichtkontakt zu zwei Nachbarn. Neben jedem Turm stand ein 15 Meter hoher Signalmast, an den die Mannschaften Fahnen mit codierten Symbolen und schwarze und weiße Bälle hängten. Das wichtigste Instrument jeder Turmbesatzung war das Codebuch: Es beschrieb Gestalt und Aussehen jeder Nachricht. Hingen die visuellen Botschaften erst einmal am Signalmast, dann wurden sie im günstigen Fall von der Mannschaft des nächsten Turmes mit Hilfe von Fernrohren abgelesen und dann am eigenen Signalmast zur Weitergabe nachgebildet. So konnte eine wichtige Nachricht bisweilen innerhalb weniger Stunden von Irlands Nordspitze in den Süden und weiter um die Küste von Wexford nach Dublin gesendet werden. Im ungünstigen Fall – und der war an Irlands Atlantikküste nicht selten – verhinderten Regen, Nebel und Nacht den schnellen Nachrichtentransport.
Ich wanderte an meinem Lieblings-Turm am Black Ball Head, im Townland Ceann Locha auf der Beara Peninsula. Der Black Ball Head-Signalturm steht zwischen dem zerstörten Turm von Bere Island und dem intakten auf Dursey Island. Er thront auf einer 55 Meter hohen Klippe über der ausgehenden Bantry Bay; einen erhabeneren Standort gibt es kaum. Der Weg zum Turm führt vom kleinen Black Ball-Hafen eine halbe Stunde lang durch überwucherte Allmendfelder. Der Pfad verliert sich an mehreren Stellen. Nasse Füße gehören zum Aufstieg fast dazu. Rund um den Turm und auf dem Höhenrücken des Kaps haben die Schafe die Grasnabe unter Golfplatzniveau abgefressen, die Erosion schreitet voran.
Forscher haben die Ansicht verbreitet, der Name Black Ball Head gehe auf den schwarzen Schieferhügel zurück, auf dem der Turm steht. Könnte er nicht nach den schwarzen Bällen benannt sein, die zu Napoleons Zeiten für die Visual-Telegraphie benutzt wurde? Vor Jahrhunderten nannten die Einheimischen das Kap auf den Klippen Dun Rúa, das rote Fort. Das westliche Nachbar-Kap heißt White Ball Head.
Die wetteranfällige Technik der Signaltürme wurde nur ein Jahrzehnt lang eingesetzt. Dann landete Napoleon im Exil und der technische Fortschritt machte die Küstengemäuer überflüssig. Manche wurden noch eine Weile als Ausschautürme oder für die aufkommende Radiowellen-Kommunikation genutzt. Der Black Ball Head zieht heute ganz andere Besucher an, friedliche. Touristen und Menschen mit Seilen. Diese reden von Black Sabbath, von Ecstasy Wall und Blackball Headwall. Die steile Klippe ist zum Ziel für Kletterer aus dem ganzen Land geworden. Sie lassen sich auf einen Felsen auf Meereshöhe hinab, um dann zurück zum Turm zu klettern – mal über die Ecstasy-Wand, mal über die Black Sabbath-Route.
Ortskoordinaten: 51°35’29.6″N 10°02’27.0″W
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Alle Fotos: Markus Bäuchle


Am Black Ball Head…
Der Ort ist wunderschön, der Blick vom Black Ball Head Signal Tower auf die auslaufende Bantry Bay zur einen Seite und auf Crow Head / Dursey Island (mit Signal Tower) zur anderen. Einmalig – bei guter Sicht.