114 :: Der Landschaftspark von Ulrike Crespo bei Ballydehob.
Manche Geschichten habe ich trotz umfangreicher Vorbereitung und viel Recherche nie geschrieben. Eine davon ist die Story über einen der interessantesten Gärten, genauer gesagt, der schönsten Landschaftsparks in Irland. Glenkeen Garden, ein Stück südöstlich von Ballydehob in Foilnamuck, auf der Gemarkung von Schull gelegen. Im Juni 2016 lud uns die Gründerin und Eigentümern Ulrike Crespo zur Besichtigung des zehn Hektar großen Geländes in der Roaringwater Bay ein. Sie hatte das Projekt um die Jahrtausendwende mit ihrem Lebenspartner Michael Satke, einem Wiener Tausendsassa, begonnen. Eineinhalb Jahrzehnte später hatte der nur sanft strukturierte und mit viel Kunst gespickte Garten am Meer bereits reifere Formen angenommen.
Ulrike Crespo, Enkelin des Gründers von Wella Darmstadt, war damals eine der reichsten Frauen Deutschlands. Der Verkauf ihrer Anteile an Wella vor der Übernahme durch Procter & Gamble bescherte ihr im Jahr 2000 eine Viertelmilliarde Euro. Sie arbeitete als Fotografin, Psychologin, Gartengestalterin und Mäzenin. Ulli, wie ihre Freunde sie nannten, half gerne und viel, sie sponserte mit Vorliebe Künstler und Kunst — unter anderem die West Cork Music Festivals in Bantry.
Ich weiß nicht mehr genau, was mir die Lust nahm, diese Story zu schreiben: die Tatsache, dass ich von dem Garten wie im Blackout die schlechtesten Fotos aller Zeiten machte, oder die Gartenshow des Wiener Gastgebers: In einer vom Sitzrasenmäher verschonten, mit Schilfgras bewachsenen Ecke des Parks, bedeutete er uns mit großer Geste: „Das ist unsere Wildnis“. Ich platzte innerlich fast vor Lachen und verwackelte fortan alle Fotos, als würde eine Geisterhand die Kamera führen.
Kürzlich habe ich die Bilder vom Glenkeen Garten bei einer Archiv-Recherche zufällig wieder gefunden. Angesichts der unerträglichen Bilder- und Videoflut dieser Tage setzen sie immerhin ein Stoppzeichen, verweigern sich der Gefälligkeit und der Konformität. Ulrike Crespo, eine freundliche und umgängliche Frau, schickte uns später das dreibändige, sieben Kilo schwere Buchkompendium über Glenkeen Garden, das Michael Satke mit gestochen scharfem Bildmaterial produziert hatte (Schirmer 2015, 360 Euro).
Ich habe ein wenig bereut, diese Story nie geschrieben zu haben. Ulrike Crespo starb im Oktober 2019 im Alter von 69 Jahren.
Ortskoordinaten: 51°32’16.2″N 9°26’56.3″W (Foilnamuck)
Das Inhaltsverzeichnis in Bildern für ein wachsendes Buch der Tage und der Orte. KLICK.
Alle Fotos: Markus Bäuchle







sorry, hatte eben diesen link vergessen :
https://www.falter.at/seuchenkolumne/20240422/elegie-auf-michael-satke
Vielen herzlichen Dank lieber Markus.
Durch Dich lerne ich interessante neue Ziele und auch die Vita interessanter Menschen kennen. Leider komme ich vor schwerer Gartenarbeit im Augenblick selten dazu etwas hier zu lesen und noch seltener dazu zeitnah darauf zu antworten…
Michael Satke muß dieses Gartenwerk wie seine Ulli sehr geliebt haben… dass er selbst als wirklich schon sehr kranker Mann das Werk dazu noch vollendet hat. Es gibt ein wirklich sehr schönes Foto von seiner Ulli und ihm, ein Jahr vor Ulrikes Tod, an seinem 75.Geburtstag, da ist er schon mit dem Sauerstoff- Schlauch drauf und strahlt neben ihr trotz allem…
Habe nun auch seine Vita mal nachgelesen … sein fröhlich und friedlich im Kreise von Familie und Freuden zelebrierter Freier Tod an seinem 80. Geburtstag in 2024 scheint bei seinem unbändigen Lebenswillen zunächst fast unwirklich ist aber bei all seinem körperlichen (und nach Ulrikes Tod auch seelischem) Leid gut verständlich.
Von Ulrike Crespo würde ich zu gern mal ihr Fotobuch über Nordkorea ansehen. Schon, dass sie überhaupt dorthin reiste ist nur ihrem freien Geist zu danken.
Schade das die Crespo Stiftung eine Verbrauchsstiftung ist, denn es bedeutet das der Glenkeen Landschaftspark irgendwann in naher Zukunft von der Stiftung nicht mehr finanziert werden kann, weil das kapital dann schlicht aufgebraucht und die Stiftung wohl beendet sein wird…