094 :: Dunboy Castle; Beara Peninsula
Ich will nicht von Palästina oder Birma reden, nicht von Korea oder Kaschmir. Ich will auf die Unglücks-Orte in meiner eigenen kleinen Welt schauen, auf Orte hier im Südwesten Irlands, die ich oft besucht habe; Orte der Verweiflung, an denen über Menschen-Generationen hinweg nichts gelingt, Orte, an denen das meiste scheitert, was Menschen dort versuchen. Eglinton’s Lunatic Asylum, Ardnagashel Estate oder Dunboy Castle – wir nennen diese Orte gerne verflucht, verwunschen, gespenstisch oder von Geistern heimgesucht.
Haben manche Orte – so wie Menschen – eine Persönlichkeit, einen eigenen Charakter, eine eigene Energie? Haben sie gar ein Gedächtnis, das die Gegenwart prägt? Sind sie Erfahrungsräume mit eigenem Erinnerungsvermögen, das das Schicksal der Gegenwärtigen beeinflusst oder sie gar lenkt?
Ich habe den Genius Loci, den Geist des Ortes, oft danach befragt, welche negativen Kräfte an Unglücksorten walten, welche Energien für das Scheitern verantwortlich sind, für das Unglück, die Heimsuchung, das Leid und den Schmerz, den Menschen über Generationen hinweg dort erleiden. Er hat mir nicht geantwortet. Er spricht weder englisch noch deutsch. Mein linkshirniger Denk-Rittmeister rät zu nüchtern-rationaler Betrachtung: Unglück hat demnach stets historische, kulturelle oder wirtschaftliche Ursachen und muss nicht in einen „übernatürlichen“ Zusammenhang gestellt werden.
In einer entzauberten Welt helfen und bereichern Geschichten. Auch wahre Geschichten. Dies ist die wahre Geschichte von Dunboy Castle und Puxley Mansion.
An einer Seitenbucht der Bantry Bay auf der Halbinsel Beara liegt das geschichtsträchtige Dunboy Castle – ein alter, mehr schlecht als recht konservierter Steinhaufen. Nur 300 Meter daneben strahlt Puxley Mansion wie ein Disneyland-Schloss in fast neuem und doch schon wieder verblassendem Glanz. Der Ort ist ein Lieblingsziel von Irland-Touristen. Puxley Mansion war erst gruselig schöne Schlossruine, dann Multimillionen-Hotelprojekt; seit bald zwei Jahrzehnten ist es eine Edel-Ruine im Wachkoma. Puxley Mansion erzählt die Geschichte von seriellem Größenwahn, von Scheitern und Tod.
Im Jahr 1812 hatte John Puxley, ein walisischer Landlord, damit begonnen in den Minen von Allihies an der Spitze der Beara-Halbinsel Kupfer abzubauen. Einige Jahrzehnte später verwirklichte der dank des Kupfers zu immensem Reichtum gekommene Copper John seinen größenwahnsinnigen Lebenstraum. Er baute den besten, größten und schönsten Landsitz weit und breit – manche sagen, in ganz Irland. Sein Herrenhaus mit dem Namen Puxley Mansion geriet zum grotesken Triumph – nur einen Steinwurf vom echten alten Dunboy Castle entfernt, dort, wo das Schicksal des letzten irischen Chieftains Donal Cam O’Sullivan Beare von den Engländern im Juni 1602 besiegelt worden war.
Dort auf der Landspitze, wo heute nur noch Grundmauern stehen, stand das Stammschloss des gälischen Fürsten Donal Cam O’Sullivan Beare. Er war der letzte unabhängige Clanführer und herrschte zu Beginn des 17. Jahrhunderts über die Beara-Halbinsel und weite Teile der Bantry Bay. Während des Neunjährigen Krieges widersetzte sich Donal der englischen Krone. 1601 in der Schlacht von Kinsale führte er die Truppen von Munster gegen die Engländer. Iren und Spanier verloren und Donal musste mit Vergeltung rechnen. Er ließ Dunboy Castle, das als uneinnehmbar galt, von einer kleinen Garnison von 143 Mann verteidigen. Im Juni 1602 belagerte ein englisches Heer von 3.000 Soldaten unter Sir George Carew die Burg, zerstörte sie nach heftigem Artilleriebeschuss und tötete alle 143 Männer im Kampf und auf der Flucht oder exekutierte sie nach der Gefangennahme. Mit dem Fall von Dunboy Castle zerbrach die Macht der O’Sullivan Beare. Donal Cam machte sich mit den letzten Gefolgsleuten auf einen entbehrungsreichen, 450 Kilometer langen Marsch zu den letzten Verbündeten in Irlands Norden. Von dort floh er ins Exil nach Spanien, wo er 1618 ermordet wurde.
Dunboy ist der Ort, an dem die Iren ihre Freiheit für über drei Jahrhunderte vollends verloren, für 300 Jahre des Leids und der Unterdrückung. An diesem historisch bedeutsamen Ort baute der neureiche Waliser Copper John Puxley Anfang des 19. Jahrhunderts seinen gothisch-viktorianisch Wohntempel – eine Provokation. Er integrierte sogar einen alten Wehrturm aus dem 17. Jahrhundert in sein Traumhaus.
Ein Jahrhundert später beendete die IRA die Ära Puxley im irischen Unabhängigkeitskampf auf ihre Weise, mit der Fackel. Die nach Freiheit strebenden Iren steckten das Herrenhaus im Jahr 1921 in Brand – so wie 275 andere Big Houses der englischen Besatzer und Unterdrücker. Puxley Mansion präsentierte sich nach dem Brand und nach dem Verkauf an die Familie Power im Jahr 1927 als prächtige Grusel-Ruine ohne Dach – bis zur Milleniumswende, als vier wohlhabende lokale Geschäftleute einen Plan ausheckten: Der Fischhändler Dónal Murphy, der Bauunternehmer Michael Harrington, sowie die Finanzleute Ned Murphy und Carl Dillon kauften Colm Power das 40 Acre große Grundstück mit der Puxley-Ruine für eine Million irische Pfund ab. Ein 60-Millionen-Euro-Super-Luxus-Hotel und Resort der neu zu erfindenden Sechs-Sterne-Klasse samt Hubschrauberlandeplatz für die schwer-reiche Golfklientel aus den USA sollte mit neuem irischen Geld aus anglo-irischen Ruinen auferstehen. Dunboy Castle Hotel war der perfekte Fiebertraum der rauschhaften Celtic-Tiger-Jahre.
Der einsame Ort auf der einsamen Beara Peninsula liegt fernab von touristischer Infrastruktur. Also setzte man darauf, die Gäste für die 100 Edel-Betten im Hubschrauber ein- und auszufliegen: zum Golfen zum K-Club, zu Trump nach West Clare oder an den Old Head of Kinsale, zum Shoppen nach Dublin und London, zum Jagen nach Schottland und zum Friseur nach Cork. Die Hotelkette Capella sollte das Management übernehmen, die Menschen auf der abgelegenen Halbinsel freuten sich: endlich Arbeitsplätze. Es war ein deutscher Spitzenhotelier im Pensionsalter, der den Iren die Fantasie vom Sechs-Sterne-Hotel in der Einsamkeit Bearas einflüsterte: Horst Schulze, Ex-Chairman der Ritz-Carlton Hotels arbeitete an einem netten Pöstchen für den aktiven Unruhestand.
Es kam alles anders: Tatsächlich investierten die Bauherren 50 Millionen Euro in das alte Gebäude und in Dutzende dahinter versteckte Luxus-Apartments. Bald glänzte die alte sandgestrahlte Fassade des Puxley-Landsitzes als zentrale Front in neuem Glanz. Das größte privat finanzierte Restaurierungsprojekt Irlands sollte im Jahr 2008 mit der Eröffnung des Capella Dunboy Castle Hotel gekrönt werden.
Bereits in der Woche zwischen Weihnachten und Silvester 2007 öffneten die Bars und ein Speisesaal im Rohbau provisorisch – die Bevölkerung wurde zu prächtigen Festen eingeladen, aus einer provisorischen Küche wurden 600 Mahlzeiten pro Tag ausgegeben; sogar zwölf mit gemieteten Möbeln ausgestattete Zimmer wurden belegt. Der Bau war im Verzug. Fristen wollten gewahrt werden, um millionenschwere Steuervergünstigungen nicht zu verlieren. So kamen die Leute von Beara zum Jahreswechsel 2007/08 zu der legendären Sause, die als Mutter aller Silvesterparties in das lokale Gedächtnis einging. Das Soft Opening, wie die improvisierte Eröffnungswoche für das Finanzamt beschönigend genannt wurde, ging zu Ende. Der irische Immobilien-Crash und die Weltfinanzkrise kündigten sich an. Die 72 Hotel-Apartments (Preis pro Stück: 500.000 Euro) fanden keine Käufer, den Investoren ging das Geld aus. Die Pleite, die 50 Millionen Euro vernichtete, stürzte viele beteiligte Firmen in den Ruin, machte Menschen arbeitslos, brachte Not und Unglück über viele Familien. Die Handwerker gingen, die Baustelle am Dunboy Castle fiel im Jahr 2008 in Tiefschlaf, oder besser: ins Wachkoma.
Im Koma liegt sie heute, 17 Jahre später. Längst hat die fein gesäuberte Fassade wieder Patina angesetzt, auf den Dächern wächst das Moos. Das Regenwasser malte in langen Wintertiefs hässliche Wassernasen auf die Außenwände. Der Gebäudekomplex verschwand langsam hinter dem rostigen Bauzaun, den wachsenden Bäumen und undurchdringlichem Gestrüpp. Im Jahr 2022 rollten wie aus dem Nichts Baumaschinen an. Arbeiter flickten die alten Bauzäune zusammen und sägten den frisch gewachsenen Grüngürtel ab. Im nahen Castletownbere keimte neue Hoffnung: Der berühmt-berüchtigte Hotellerie-Investor Paddy McKillen jr. hatte den Gebäudekomplex zum Schnäppchenpreis von 2,5 Millionen Euro gekauft und blies dem Traum vom Luxushotel auf Beara ein wenig neue Fantasie ein. Als Miteigentümer von Press Up, Irlands größter Hotellerie-Gruppe, die bekannte Bars, Restaurants und Hotels vor allem im Großraum Dublin betreibt, würde McKillen wissen, wie der Hotel-Hase auch auf Beara läuft.
Seit dem Jahr 2022 hörte man auf Beara nichts von McKillen und nichts mehr über Dunboy Castle. Der Local Hotel-Hero hatte sich mit arabischen Finanziers überworfen und sich in vielerlei Konflikte verwickelt: Im vergangenen Jahr stieg eine englische Investorengruppe bei Press Up ein, mehrere Unternehmensteile übernahm direkt der Konkursverwalter. Gerüchte haben deshalb Konjunktur: Dunboy werde erneut verkauft, oder sei schon verkauft worden . . .
Tag für Tag spazieren Menschen am rostigen Bauzaun entlang zum alten Steinhaufen von Donal Cams Dunboy Castle – vorbei an der Edel-Ruine von Puxley Mansion, vorbei an Gebüsch und Gestrüpp, das sich das Brachland vor dem verblassenden Disneyland-Schlösschen erneut zurück erobert. Das alte Schiffswrack im Meeresarm vor dem Hotel ist fast verfault und fast verschwunden. An der kleinen Gedenkstätte am Wasser vor der Bauruine liegen frische Blumen. Shane Kelly (20), Colum Harrington (21), und Fintan O’Driscoll (17): Die drei jungen irischen Männer, die hier in den frühen Morgenstunden des 1. März 2008 mit ihrem Auto ins Wasser fielen und ertranken, sind nicht vergessen.
Ortskoordinaten:51°38’00.0″N 9°55’50.3″W
Das Inhaltsverzeichnis in Bildern für ein wachsendes Buch der Tage und der Orte. KLICK.
Titelfoto: Antje Wendel, alle anderen Fotos: Markus Bäuchle [240625]





[…] Geschichte von Dunboy Castle, die Geschichte von Größenwahn und Scheitern – Mit Interesse, persönlicher Betroffenheit und mit Dank lese ich den ausgezeichneten Artikel von Markus Bäuchle. […]
Lieber Markus,danke für die schöne Beschreibung und den historischen Abriss. Ich habe dort als Kind viel Zeit verbracht und später als Teenager oft alleine gesessen und geträumt.Es war ein verzauberter Ort mit soviel Präsenz. Später habe ich Daphne du Maurier mit Hungry Hill,die Geschichte um die Minen in Allihies verschlungen.
Colm Power war unser Postbote und ein paar der mutigen und abenteuerlustigen Geschäftsmänner Freunde meines Vaters.
Wie gerne wäre ich beim softopening gewesen..das war bestimmt ne Sause. Du hast mich mit Deinem Beitrag zurück versetzt in das Castletownbere der 80 und 90er…Danke dafür!
Lieber Markus
Augenblicklich habe ich wenig Zeit für viel Nachdenken und Träumen, weil ich einfach extrem viel zu tun habe und froh bin, dass ich bei den Gängen hinaus mit Liam und Loumi einfach für wunderbare Augenblicke nur mit den beiden Natur pur genießen kann…
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Haben manche Orte – so wie Menschen – eine Persönlichkeit, einen eigenen Charakter, eine eigene Energie? Haben sie gar ein Gedächtnis, das die Gegenwart prägt? Sind sie Erfahrungsräume mit eigenem Erinnerungsvermögen, das das Schicksal der Gegenwärtigen beeinflusst oder sie gar lenkt?
Ich habe den Genius Loci, den Geist des Ortes, oft danach befragt, welche negativen Kräfte an Unglücksorten walten, welche Energien für das Scheitern verantwortlich sind, für das Unglück, die Heimsuchung, das Leid und den Schmerz, den Menschen über Generationen hinweg dort erleiden. Er hat mir nicht geantwortet. Er spricht weder englisch noch deutsch. Mein linkshirniger Denk-Rittmeister rät zu nüchtern-rationaler Betrachtung: Unglück hat demnach stets historische, kulturelle oder wirtschaftliche Ursachen und muss nicht in einen „übernatürlichen“ Zusammenhang gestellt werden.
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Du weißt es Markus, da bin ich mir sehr sicher: so lange Du Deinen linkshirnigen Denkrittmeister nicht zum Schweigen bringst, können weder ein Genius loci noch andere Geister zu Deiner Seele sprechen… so ein linkshirniger Denkrittmeister (punktgenaue Beschreibung!) sorgt im übrigen auch ständig dafür, Deine Welt zu entzaubern…
Mich haben Deine Worte in diesem Zusammenhang sehr an dieses Buch erinnert aus dem ich mir einst als ganz junge Medizinstudentin das Folgende in der Bibliothek handschriftlich niederschrieb (und erst vor wenigen Jahren in den PC tippte) : ……………..
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Zitate aus dem Buch „Die Welt der Heilpflanzen“ von HANS FUNKE:
Was wissen wir um dieses geheimnisvolle Wesen Pflanze? Nichts! Die Alten ahnten viel, erfühlten Zusammenhänge, deren Sinn uns verloren ging.
Jedes Element erfüllt im Haushalt der Natur und im organischen Leben seine Aufgaben. Alle zusammen aber vollbringen in einem steten Wechselspiel ihre Wirkungen und dieses Zusammenspiel ist Leben, wenn auch nur der uns sichtbare Teil des Lebendigen. Waren die Alten weit von der Wahrheit entfernt, wenn sie den Elementen Kräfte zusprachen? Wohl sprachen sie von Gut und Böse. Wir sprechen von aufbauenden, abbauenden, belebenden oder zerstörenden Wirkungen.
Zwischen Schauen und Erschauen liegt ein tiefer Graben, den nur der überbrücken kann, der es vermag, den Ballast seines Wissens im gegebenen Moment hinter sich zu werfen. Zwischen geistigem Werden und körperlichem Sein bestehen Gegensätze, die nur im Erschauen ineinander übergehen.
Nie sollen wir vergessen, dass unsere Sinne nicht die Welt sehen, sondern nur den Ausschnitt von ihr, der uns Menschen zu sehen gegeben ist. Hier endet unser Wissen und hier beginnt etwas Neues, das den Alten bewusster war als uns- eben jener Glaube an die göttliche Macht und Ordnung.
Es ist ein Fehler der Wissenschaft… scheidet sie die Einheit körperlichen Geschehens vom geistigen Erleben, die Welt der sichtbaren Erscheinungen vom unsichtbaren Wirken weitaus bedeutenderer Kräfte… Wirklichkeit kommt vom Wirken und das steht hinter den Dingen. Die Essentia des Paracelsus, die Wesenheit der Dinge, umfasste das Da-Sein und das Hinter den Dingen Stehende, das Physische verbunden mit dem Metaphysischen.
Uralte Glaubens- und Denkungsart bildete das unerschütterliche Fundament eines Wissens, das wir heute nicht mehr begreifen, weil uns der Sinn für dessen Einheit fehlt!
Dr. Ludwig Schmitt, der Atem- Doktor, sagte einmal „Wir mit unserer stofflich induktiven Denkart verstehen seit Jahrhunderten die durchgeistigte Art der Alten nicht mehr. Wir meinen über ihre Nixen und Kobolde, ihre guten und bösen Geister lächeln zu müssen, derweilen diese ihnen Symbol und allegorische Formen dafür waren, was als unsichtbar und geistig in Worten nicht ausgedrückt werden konnte“.
Das All wird lebendig mit seinen Kräften, die uns hier in ihrer Stofflichkeit entgegentreten – als Silizium, als Eisen, als Magnesium, als Kupfer, Kobalt und Mangan- oder auch als ätherischer Stoff und als sein Antipode: als Alkaloid. Hier ist mit einem Male nichts mehr tot, alles ist lebendig- aber alles ist ständiger Wandlung unterworfen, und dies lehrt uns die Pflanze, wenn wir es verstehen, ihr zuzuhören!
Sie war zuerst da- als göttliche Wesenheit – und aus ihr ward das Tier und dann erst der Mensch. So ist die Pflanze unser ständiger Begleiter und man könnte meinen, dass jeder Pflanze auf unserem Lebensweg eine besondere Aufgabe zugeschrieben ist.
Der Fehler, der immer wieder von der exakten Wissenschaft gemacht wird, ist der, den Wirkstoff zu suchen, ohne dabei zu berücksichtigen, dass es unsinnig ist, die Struktur zu zerreißen, wenn man sie in ihrer Gesamtheit nicht erfasst hat!
Denn nur in seltenen Augenblicken verstehen wir die Sprache der Pflanzen, tun wir einen Blick hinter den Vorhang der Dinge, die wesentlich sind. „Alles Äußere in der Natur zeigt ein Inneres an. Denn die Natur ist ebenso inwendig wie auswendig“ Paracelsus, der diese Worte sprach, verstand es noch, der Natur ihr Inneres und ihr Äußeres abzulauschen. Er erschaute jene Zusammenhänge, die nicht so sehr im Aussehen, sondern in ihren Äußerungen zu suchen waren.
Hinzu kommt aber noch etwas Anderes, für uns viel Wesentlicheres, denn wer die Pflanze nur mit einer chemischen Fabrik vergleicht, der hat das Wunder des Lebens nie begriffen. In ihr vollzieht sich die Vereinigung des Kosmischen mit dem Irdischen und die Pflanze allein ist Mittlerin zwischen den Kräften in uns und denen, die außerhalb alles Irdischen unser Sein beeinflußen.
Wir sprechen und verständigen uns durch die uns Menschen gegebene Sprache. Die Natur spricht schweigend und wir vernehmen nur noch in begnadeten Augenblicken den „Donner der Stille“ wie es Laotse nannte, das immerwährende Wesen, die unendlich beglückende Ruhe, der uns umgebenden Natur, die ihre eigene Sprache spricht.
Alle Dinge beginnen zu reden, wenn man sein eigenes Ich zum Schweigen bringt. Nicht nur alle Dinge um uns sondern auch unser eigenes Wesen tönt plötzlich mit nie gehörter Kraft. In dieser Melodie des Natürlichen in uns, begreifen wir erst, was wir gewinnen, wenn wir zurückfinden zum Ursprung, zu dem wir gehören und aus dem wir wurden.
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Vielleicht, ja vielleicht sorgt Donal Cam O’Sullivans Geist bis heute dafür, dass Eroberer- egal welcher Zeit und Coleur – die Welt seiner Heimat sich nicht protzig und gewinnbringend untertan machen können… auf jeden Fall hat er Dir eine Geschichte erzählt in einer entzauberten Welt… Lass Dich tragen von den Flügeln der Möwen, die diese Welt wieder ganz anders erleben, höre das Meer, das diese Welt so anders fühlt … und singe mit dem Wind ein Lied an diesem Ort und für diesen Ort…
Lieber Markus, was für eine Geschichte, was für ein Ort. Ich erinnere mich noch gut, wie beeindruckt ich war, als ich diesen Komplex (in deiner Begleitung) zum ersten Mal sah: Die Stimmung, die Gegensätze, die Schwere in der Luft. Deine Worte geben dieser Schwere Sprache, voller Respekt, Tiefe und einer Traurigkeit, die man nicht wegschreiben kann. Manche Orte erzählen mehr als nur Geschichte. Sie tragen sie. Und vielleicht auch uns, wenn wir still genug sind, um hinzuhören. Herzlichst Lorenzo