047 :: Kildare Village
Unterwegs an Irlands Ostküste. Wir fahren 60 Kilometer südöstlich von Dublin von der Autobahn M7 ab und landen im größten Kaufrausch-„Dorf“ der Insel.
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Uuugh. Hilfe. Das ist der Totentanz des Konsum-Kapitalismus. Ein ganzes „Dorf“ – völlig leblos, voller Fetisch-Waren. Leben, Arbeiten, Gemeinschaft? Mode, Fashion, Design, Kaufen, Kaufen, Fressen, Saufen. Klamotten, Brillen, Uhren, Schmuck, Accessoires und Statussymbole. Ein Konsum-Dorf in Disneyland-Ästhetik aus 100 Häuschen, in denen sogenannte Marken-Boutiquen wohnen. Hier verfällt der Designermarken-Gläubige also in Schnappatmung. Wer verstehen will, was Nekrophilie ist, oder den fortgeschrittenen Zerfall unserer Kultur studieren möchte, ist hier richtig. Die Eigentümer des Kildare Village betreiben ähnliche monströse Nicht-Orte in der Nähe von zehn anderen Städten – unter anderem bei Frankfurt (Wertheim), München (Ingolstadt) oder Paris (Serris). Wer nur soll all diesen vermeintlichen Luxus kaufen, der niemandem wirklich nützt und wahrscheinlich auch niemanden glücklich macht.
Ortskoordinaten: 53°09’15.0″N 6°55’00.1″W
Das Inhaltsverzeichnis in Bildern für ein wachsendes Buch der Tage und der Orte. KLICK.
Alle Fotos: Markus Bäuchle


Lieber Markus, same here – obwohl ich diese riesigen Outlet-Center (Wertheim Village und so …) nur vom Hörensagen kenne. Mein letzter Ausflug in eine ganz „normale“ Shopping-Mall hier in unserer Nähe, die ich bisher hin und wieder ganz gerne besucht habe, hat vor Kurzem ähnliche Fragen in mir aufgeworfen.
Es war wenig los an jenem Nachmittag, und dennoch war ich überfordert mit der schieren Masse an Konsumgütern. Ich habe sehr schnell resigniert vor dem Unterfangen, unter der Vielzahl an Artikeln denjenigen herauszusuchen, der mir passt und gefällt. „Früher“ haben mir solche Ausflüge in die Konsumwelt hin und wieder Spaß gemacht. Ich habe mich gerne durch das Sortiment gewühlt, mich inspirieren lassen, probiert und mir das eine oder andere Teil gekauft.
Vor unüberlegten Großeinkäufen haben mich meine schwäbische Erziehung sowie meine meist begrenzten finanziellen Mittel bewahrt, aber an den Dingen, die ich mir bei solchen Gelegenheiten gekauft habe, hatte ich große Freude. Ich gehöre zu denen, die ein neues Kleidungsstück erst mal eine Zeit lang außen an den Schrank hängen, um es immer vor Augen zu haben und mich daran zu freuen.
Dieses Mal war das ganz anders, und ich bin mit leeren Taschen, gemischten Gefühlen und ähnlichen Gedanken wie denen, die Du schilderst, nach Hause gefahren. Die einzige Ausbeute des Nachmittags war Buch über die Wechseljahre :-) und ein leckeres Essen auf der Dachterrasse des Einkaufszentrums. Und die Erkenntnis, dass ich meinen freien Nachmittag besser wandernd draußen in der Natur verbracht hätte.
Was ist das – werde ich jetzt alt? Oder einfach vernünftig? Oder habe ich mich konsummäßig nun so ausgetobt, dass ich genug Klamotten und Schuhe im Schrank habe und weiß, dass mein Lebensglück nicht zunimmt, wenn es noch mehr werden? Merkt man, wie beim Essen, vielleicht doch, wenn man satt ist? Fragen über Fragen, über die es sich durchaus lohnt nachzudenken!
Ich war im August 2023 zum ersten Mal in Irland – eine Wanderreise auf der Beara Peninsula, Kleingruppe, viel Natur, liebevolle Betreuung, viele Informationen über Land, Leute und Natur. Also ganz ähnlich dem, was Du bis vor einiger Zeit angeboten hast. Mein erster Besuch auf der Insel war ein lang gehegter Traum und hätte gar nicht schöner sein können. Ich fand es einfach nur … wow!
Per Zufall – und weil ich gerade über eine weitere Irlandreise nachdenke – bin ich heute über Deine Seite im Netz gestolpert und ich finde, Du gibst gute Denkanstöße. Manchmal kann ich Dir direkt und unumwunden zustimmen. Zum Teil legst Du aber auch den Finger in die Wunde, und ich spüre, dass ich innerlich rebelliere, weil die Wahrheit manchmal unbequem ist. Für den obenstehenden Artikel hast Du meine volle Zustimmung. Über die Sache mit dem Tourismus und seinen Folgen (Dein Artikel, weshalb Ihr aufgehört habt, Wanderreisen anzubieten) denke ich immer noch nach ….
Danke für Deine Inspiration und herzliche Grüße
Daniela
Liebe Daniela, vielen Dank für Deine freundliche Rückmeldung.
Du hast natürlich recht, dass derlei Gedanken nur jemand kultivieren kann, der die Grenzen des Konsums selber ausgelotet hat. Ich habe in meinem Leben viel konsumiert, ich bin als Reisejournalist durch die Welt geflogen ohne Ende – und kann somit meinen mit Umweltsünden vollbeladenen Rucksack nicht ungeschehen machen. Und weil ich, wie die meisten von uns, durch mein früheres Leben kompromittiert bin, steht es mir nicht zu, anderen Menschen Vorschriften zu machen. Was ich getan habe: Ich habe vor einigen Jahren beschlossen, mein Leben stärker nach meinen Werten und Erkenntnissen auszurichten.
Ich habe verstanden, wie zerbrechlich das Leben auf der Erde durch die destruktive Dominanz der Spezies Mensch geworden ist. Ich will seitdem meinen eigenen Fußabdruck auf unserem schönen Planeten so klein wie möglich halten. Ich fliege nicht mehr, lebe gut angezogen in kühlen Räumen, ich esse kein Fleisch, kaufe nicht bei Amazon und Co – und scheitere auch immer wieder an anderer Stelle. Ich schreibe darüber, aber es würde mir nicht einfallen, das von anderen einzufordern. Auch würde ich meinen Kindern niemals raten, nicht zu reisen und nicht die Welt kennen zu lernen.
Es kommt darauf an, sich selber ernst zu nehmen. Jeder Schritt in die richtige Richtung zählt. Wir können uns selber ändern und können mehr mit unseren Werten und Überzeugungen in Einklang kommen – anstatt einfach bewusstlos im Strom der Zeit, manipuliert von gigantischen wirtschaftlichen Interessen – mit zu treiben. Das ist das Privileg unserer Nachdenklichkeit und unserer Erfahrung.
Alles Gute, Markus
Ich möchte hierzu dieses Zitat beisteuern.
„Ich sage nicht, dass in dieser Konzeption des Verhaltens Erwachsener eine bestimmte Seinsstufe, eine bestimmte Form der menschlichen Existenz zwingend ist und unter allen Umständen höherrangig oder besser ist als eine andere Form der menschlichen Existenz oder eine andere Seinsstufe. Was ich sage ist, dass wenn eine Seinsform besser mit den bestehenden Lebensbedingungen übereinstimmt, dann ist sie die bessere Seinsform für solche Realitäten. Und was ich sage, ist, dass wenn eine Seinsform aufhört für die Lebensrealitäten zu funktionieren, dann ist eine andere Seinsform – entweder höher oder tiefer in der Hierarchie – die bessere Seinsform. Ich schlage vor – und ich glaube fest daran, dass es sich so verhält – dass für das Wohlergehen der gesamten Weltbevölkerung höhere Ebenen besser sind als niedrigere Ebenen und dass die Hauptaufgabe jeder Regierung einer Gesellschaft sein sollte, die Weiterentwicklung der Menschen hinauf zu neuen Ebenen der menschlichen Existenz zu fördern.“
– Clare W. Graves
Kaum vorstellbar, dass Einkaufen in solch einer kuenstlichen, sterilen Umgebung ueberhaupt Freude macht, mal ganz abgesehen davon, dass dieses ueberteuerten Designerteile meist auch in asiatischen Laendern unter aeusserst fragwuerdigen Bedingungen hergestellt werden.
Habe ich das richtig verstanden, dass dieses Dorf extra dafür gebaut wurde? „Hübsche Häuschen“ für den Kommerzeinkauf?
Dann lebe ich wahrscheinlich noch hinter dem Mond, denn ich fasse es nicht.
Vielleicht lebe aber gar nicht ich auf der dunklen Seite des Mondes?
Ja genau, liebe Kathrin. Es gibt elf dieser Nicht-Orte in Europa und China:
https://www.thebicestercollection.com