LügenmauerDas Buch: Lügenmauer von Barbara Bierach, erschienen im List-Verlag im Juli 2016, in der Taschenbuch-Ausgabe 288 Seiten, 9,99 €

Klappentext: Irland, die grüne Insel. Voller Mythen, Dichter und Musik. Doch Emma Vaughan, Inspector bei der Mordkommission in Sligo an der verregneten irischen Nordwestküste, kriegt von diesem Irland der Touristenbüros nicht viel mit. Als Protestantin und geschiedene, alleinerziehende Mutter weckt sie in einem zutiefst katholischen, männlichen Polizeicorps meist nur Misstrauen. Ausgerechnet den Mord an einem hochrangigen Mitglied der Kirche soll Emma ermitteln. Die Spur führt in ein Kloster, in dem in den Sechzigerjahren junge Mütter ihre unehelichen Kinder zur Welt brachten. Ein dunkles Kapitel der irischen Geschichte. Was aber passierte mit den Kindern? Emmas Fragen treffen nur auf eisiges Schweigen. Um der unglaublichen Wahrheit auf die Spur zu kommen, muss Emma sich auch den Geistern ihrer eigenen Vergangenheit stellen.

Nach dem Lesen: Ein Irland-Krimi, der Start einer Reihe um Ermittlerin Emma Vaughn. Die Info über den Inhalt macht neugierig. Das Buch liest sich gut und flüssig. Einzig Probleme bereitete mit, dass die Autorin die Ermittlerin als Emma bezeichnet und dann zwischendurch immer wieder nur als „Em“. Vor allem zum Ende des Buches tauchen diese beiden Bezeichnungen manchmal sehr schnell aufeinander folgend auf, was kurzfristig für etwas Verwirrung sorgen kann.

In diesem Krimi stehen das Land und die Leute im Vordergrund, nicht unbedingt der Fall an sich. Es ist also nicht (nur) ein klassischer Krimi, in dem man den Ermittlungen und Spuren folgt. In drei unterschiedlichen Zeiten (1964/1965, 2004 und 2005) wird diese Geschichte erzählt, in der sich nach und nach die Informationen aus allen drei Zeitsträngen zu einem Gesamtbild verbinden. Das Buch beginnt 1964, ohne Einführung landet man direkt in der Erzählung und wird Zeuge eines Verbrechens, welches ein Grund für das Verbrechen in der Gegenwart ist.

Barbara Bierach verbindet in ihrem Krimi „Lügenmauer“  die Ermittlungen mit der irischen Geschichte, vor allem den sogenannten Magdalenen-Häusern, in denen „gefallene Mädchen“ ihre Kinder zur Welt brachten und zur Abgeltung ihrer „Sünden“ schwer arbeiten mussten. Viele dieser Kinder wurden (zwangs)adoptiert, die Mädchen teilweise nicht einmal mehr in ihren eigenen Familien akzeptiert. Zwischendurch werden immer wieder kurze Informationen eingestreut, die manchmal etwas konstruiert wirken, da sie für den Verlauf der Erzählung nicht wirklich nötig sind und zumindest mir das Lesen ab und zu etwas erschwert haben. Zum Beispiel: „Dabei kam sie am Gericht vorbei, das von demselben Architekten entworfen worden war, der auch Cassiebawn Castle in Mullaghmore in die Landschaft gesetzt hatte. Auch das Courthouse war ähnlich überzogen gestaltet, säulenverziert und türmchenbewehrt, wie das Schloss in der Nähe des Pubs, wo Charles angeblich seine Stelldicheins pflegte, und beide Gebäude passten in ihre Umgebung wie Rhesusäffchen in einen Eichenwald.“

Fazit: Alles in allem ist dies ein gut zu lesender Krimi, bei dem es mehr um eine Familiengeschichte und den langen Arm der Kirche geht. Dieses Buch kommt ohne viel Blutvergießen aus und vermag es geschickt, die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen. Mir war relativ schnell klar, wer der Täter ist, allerdings hat Barbara Bierach es verstanden, immer wieder Zweifel einzustreuen und das Ende zumindest für mich doch noch überraschend zu gestalten.

Lügenmauer von Barbara Bierach, gelesen und vorgestellt von Antje Wendel. Das Buch gibt es hier bei Buch7.

 

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