Ein Runder Tisch, wie wir ihn als Behelfseinrichtung aus den rechtsfreien Räumen der zerbröselten DDR kennen, füllt das Vakuum, das der irische Staat erzeugt: Das „Bantry Bay Users Forum“ hat gestern abend den ersten Code of Practice für die Muschelindustrie in ganz Irland verabschiedet. Mit der Annahme des Dokuments verpflichten sich die fünf Unternehmen, die in der südwestirischen Bantry Bay Miesmuscheln im großen Stil kultivieren, freiwillig zu sauberen Arbeitsprozessen, zum Schutz der Umwelt, zum ordnungsgemäßen Entsorgen der Abfälle, zur Reinigung verschmutzter Strände, und, und, und. 
Der Runde Tisch im Hafenstädtchen Bantry in West Cork ist eigentlich ein rechteckiger und diese freiwillige Vereinbarung zwischen Muschelfischern, engagierten Bürgern und Hafenbehörde dokumentiert vor allem das Versagen des Staates. Umweltschutz ist eine Sache, die auf geduldigem Papier beschrieben, von den Behörden aber kaum gefördert und schon gar nicht kontrolliert wird. Sanktionen gegen Verschmutzer, die ihren Haufen zu Lasten der Allgemeinheit kostenlos abdrücken, gibt es kaum. Nachdem sich die Strände in der Bucht in den vergangenen fünf Jahren zunehmend dramatisch in Müllkippen für Plastikabfall aus Muschelfarmen verwandelten,  gingen besorgte Bürger auf die Barrikaden und bauten massiven öffentlichen Druck gegen die Großverschmutzer auf. 
Nach drei Jahren „Pressing“ haben die Muschel produzierenden Unternehmen nun alle öffentlich ihre Verpflichtung für den Schutz der Bucht anerkannt und dokumentiert. Bereits seit drei Jahren laufen gemeinsame Putzaktionen von Fischern und Anwohnern, um die Strände der herrlichen Bucht langfristig wieder sauber zu bekommen.   
Auch wenn von der Politik nichts zu erwarten ist außer totalem Versagen, die Selbstregulieringskräfte der Wirtschaft funktionieren manchmal ganz gut. Die Muschel-Firmen wissen längst, was Muschelschlürfer in den Märkten weltweit denken:  Saubere gesunde Muscheln kommen aus sauberen Gewässern