Der schlitzohrige Langzeit-Ministerpräsident Bertie Ahern hat sich rechtzeitig vom Acker gemacht, bevor die Wirtschaft des Landes kollabierte. Das ist Volkes Meinung in Irland. Fakt bleibt, dass sein Nachfolger, der ehemalige Finanzminister Brian Cowen, die üble Suppe der schier unlösbaren Probleme nun auslöffeln muss. Cowen gilt inzwischen als das Gesicht der irischen Krise („Der irische Patient“) schlechthin. 


Nun wurde der in Irland „Taoiseach“ genannte Minsterpräsident Cowen zu allem politischen Druck hin auch noch Opfer eines Guerilla-Künstlers. Die Porträts eines nackten Brian Cowen, der mal mit Unterhose in der Hand, mal mit einer Rolle Klopapier gezeigt wird, hingen plötzlich in den beiden bedeutendsten Kunstausstellungen des Landes, in der Royal Hibernian Gallery und in der National Gallery in Dublin. 

Während das Publikum über den Landeslenker ohne Kleider herzlich lacht und die Kunstszene so tut, als wolle sie den versierten Übeltäter demnächst outen,  tobt das politische Establishment in Dublin – was dazu führte, dass sich der öffentlich-rechtliche Fernssehsender RTE schon alleine für seine Berichterstattung über die Kunst-Polit-Aktion untertänigst beim Regierungschef entschuldigte. 

Nun muss Brian Cowen zeigen, dass er wirklich Jacke und Hose anhat und dass er das Land wieder in ruhige Fahrwasser zurückführen kann. Mit dem Abhängen von zwei unliebsamen Bildern ist es sicher nicht getan. Wundersam übrigens, warum die Polizei in dem Fall ermittelt. Wegen Majestätsbeleidigung? Wegen unerlaubten Eindringens in eine Galerie? Oder wegen des zu hohen Wahrheitsgehalts der Werke? Schöne Grüße von Gottfried Keller jedenfalls!
Fotos courtesy The Times