Auswandern, Ortswechsel, Neubeginn: Warum zieht es Deutsche (Schweizer und Österreicher) ausgerechnet nach Irland? Wie leben sie dort? Wurden ihre Erwartungen erfüllt, was gefällt ihnen, womit haben sie Probleme? Wir stellen Menschen vor, die den Sprung gewagt haben und auf der Insel leben. Heute: Petra Shannon Behr.

Shannon Behr in Irland

Shannon Behr lebt in Irland

Shannon Behr, 46 Jahre, lebt seit fast vier Jahren Jahren in Portmagee, im County Kerry. Shannon ist gelernte Krankenschwester, Heilerin, Seminarleiterin  und Tierheilpraktikerin und arbeitet als Therapeutin und Ausbilderin auf der Insel.

Shannon, warum lebst Du in Irland? Was hat Dich hierher geführt?

Ich hatte einen fünftägigen Kurzurlaub nach Kerry gemacht und mich Hals über Kopf in die Insel verliebt. Das Gefühl hierher zu gehören war so stark, dass ich, nachdem ich wieder in Deutschland gelandet war, sofort mit der Vorbereitung der Auswanderung begonnen habe.

Ist Dein Aufenthalt zeitlich begrenzt?

Nein.

Was machst Du beruflich und wie läuft es?

Ich arbeite seit über 20 Jahren als selbständige Krankenschwester, Heilerin, Tierheilpraktikerin und biete Seminare und Kurse an. Hier in Irland habe ich das “Kerry’s House of Health“ in Portmagee eröffnet und biete hier professionelle Therapien, alternative Heilmethoden für Menschen und Tiere (inklusive Dog Whisperer) und Seminare an. Viele Iren sind offen für alternative Heilmethoden, wenn auch die meisten die Massagen bevorzugen. Kunden aus Deutschland, der Schweiz und Österreich kommen zu Seminaren und genießen die mystische Insel (ich werde diese Angebote in Kürze ausbauen). Es läuft natürlich ruhiger, da die Einwohnerzahl viel geringer ist als in Ballungsgebieten, die Rezession ist auch spürbar, aber ich sehe der Zukunft weiterhin positiv entgegen.

Shannon bei der Arbeit mit Klangschalen

Hattest Du Probleme, Dich beruflich zu etablieren? 

Nein. Die Iren haben mich sehr offen und freundlich empfangen. Offener sogar als das kleine Dorf in Deutschland, wo ich zuvor wohnte.

Haben sich die Erwartungen an das neue Leben erfüllt? Wie gefällt es Dir heute?

Ich bin total glücklich hier. Ich habe erwartet, dass ich mich hier wohler fühlen würde, da Irland in mir, immer wenn ich her flog in der Vorbereitungsphase (1 bis 2 mal monatlich) ein ganz besonderes Gefühl geweckt hat. Und das erlebe ich jeden Tag aufs Neue.

Du engagierst Dich im Tierschutz? Was machst Du genau?

Shannon Behr in Irland

Shannon mit ihren Tieren

Ich hatte schon immer eine starke Verbindung zu Tieren und kümmere mich seit meiner Kindheit um sie. Vor einigen Monaten habe ich auf Facebook „Animal Rescue South Kerry“ ins Leben gerufen und helfe heimatlosen Tieren, ein neues Zuhause zu finden und zu vermitteln wenn Tiere aus welchen Gründen auch immer abgegeben werden müssen. Ich nehme verletzte , kranke und hungernde Tiere mit nach Hause und päppel sie wieder auf (so kam ich zu meinen ersten irischen Tieren). Ich füttere sie, lasse sie kastrieren, spende Hilfsmittel, Futter, gebe Tieren ein Zuhause, bis sie vermittelt sind, und ich therapiere bei Erkrankungen und Verhaltensstörungen. Natürlich fehlt es total an Spenden.

Wie beurteilst Du die Lage der Tiere in Irland im Vergleich zu Deutschland? Liegt der Tierschutz hier tatsächlich im argen, wie man es immer mal wieder hört?

Ja. Es gibt schon auch verwöhnte Tiere hier, aber ich habe das nur sehr selten erlebt. Die Tiere werden großteils ziemlich schlecht behandelt, Kettenhaltung (viele Hunde leben ein ganzes leben lang angebunden ohne Zuwendung, nur um anzuschlagen), Unterernährung, fehlende medizinische Versorgung sind an der Tagesordnung. Kastrieren ist teurer als den Nachwuchs zu ertränken (was mich sehr traurig macht). Es gibt in ländlichen Gebieten keine Tierheime. Hunde werden nach fünf Tagen im Pound getötet. Die erste Rettungsstation, die ich besuchte brachte mich zum Weinen, es fehlt an allem.

Ich beurteile die Lage als sehr schlecht — und wenn ich sehe, wie viel Geld hier in Hunderennen und wie wenig in den Tierschutz fließt, ist das wie ein Faustschlag in den Magen.

Shannon lebt in Portmagee

Shannon lebt mit Familie in diesem Haus in Portmagee

Wie lebt es sich als Deutsche auf der Insel? Wie kommt Du mit der irischen Mentalität und mit den Menschen zurecht?

Ich sehe mich gar nicht als die „Deutsche“ — und keiner gibt mir ein negatives Gefühl, deutsch zu sein. Ich finde, es lebt sich sehr schön hier. Umgeben von solch einer fantastischen Natur, gibt es andauernd Anlass, sich hier wohl zu fühlen.

Die Mentalität der Menschen hat zwei Seiten. Man kann sich auf Aussagen etwa von Handwerkern nicht verlassen, denn ein :“ Ich komme morgen vorbei und kümmere mich darum“, verstehen wir anders. Der Handwerker kann durchaus Monate auf sich warten lassen. Dass kann extrem nerven wenn etwas Wichtiges zu erledigen ist. Andererseits kann man einen Gang runterschalten. Hier läuft die Uhr eben etwas anders und man kann sich daran gewöhnen. Es ist immer Zeit für einen Plausch, was auch sehr angenehm ist.

Welchen Hintergrund hat es, dass Du Dir einen neuen Vornamen gegeben hast?

Ich mochte meinen Namen nie besonders, und als die Iren ihn in verschiedenen Varianten aussprachen, war es für mich klar, dass ich ihn ändern muss. Somit wurde mein altes Passwort zu meinem Name. Aus Petra wurde Shannon.

Hast Du irische Freunde, einen Freundeskreis, gute Bekannte?

Ich mag den Small Talk beim Einkaufen, im Café. Ansonsten lebe ich doch recht zurueckggezogen. Ich habe Freunde und gute Bekannte.

Was magst Du besonders an Irland?

Die Landschaft, das Meer, die Energie.

Was magst Du nicht an Irland?

Die Dinge die mich hier stören, würden mich in anderen Ländern genauso stören.

Shannon Behr in Irland

Shannon liebt die Natur Süd-Kerrys

Dein Lieblingslied, Deine Irische Lieblingsband?

Ich vergesse immer gerne Titel. Ich mag die Live-Musik vor allen in den Pubs in Dingle. Bag Pipes , Geige usw. Momentan höre ich oft die CD Lumiere, das sind Éilís Kennedy und Pauline Scanlon. Ich liebe Pauline Scanlon’s  Stimme. Liam Ó Maonlai mag ich auch sehr, sein Koncert war „anders“, so viele Stimmen, von sanft bis verrückt.

Und Dein bevorzugter irischer Spruch / Sprichwort?

“Very easy“. Den hörte ich in den ersten Wochen in den Midlands immer, wenn ich nach dem Weg fragte, es klappte so gut wie nie mit der Beschreibung.

Was aus der „alten“ Heimat vermisst Du hier?

Da muss ich nachdenken. Manche Lebensmittel wie Brot, Quark und Erdnuss-Flips. Aber das wird immer seltener. Brot backe ich dann eben selber. Ein paar mehr Sonnentage.

Hat sich Dein Blick auf Irland in der Zeit, in der Du hier lebst, stark verändert?

Nein, ich bin noch genauso beeindruckt wie am ersten Tag. Ich bin ja die Monate bis zur Auswanderung immer wieder nach Irland geflogen. Ich habe das Wetter und die Menschen in allen Varianten erlebt. Auch we