
Bei den Kelten galt die Haselnuss als Vermittlerin zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. In der Anderswelt lebten Götter, Feen, Geister und die Ahnen und diese Welt lag unmittelbar neben der Welt der Menschen. Der ständige Informationsaustausch zwischen diesen Welten war wichtiger Bestandteil des alltäglichen Lebens. Auf der einen Seite musste die Angst, unbeherrschbaren Kräften ausgeliefert zu sein bezähmt werden, auf der anderen Seite arbeitete man mit dem Bedürfnis, sich diese Kräfte zunutze zu machen.

Kein anderer der heiligen Bäume der Kelten wurde für so vielerlei Zwecke zu Hilfe genommen wie die Haselnuss. Vom Wetterzauber bis zu Ritualen für Fruchtbarkeit, in jedem Lebensbereich konnte man mit ihrer Hilfe den Rat aus der Anderswelt einholen. Sie hatte einen festen Platz in der keltischen Kunst und Wissenschaft, die Nuss galt als Symbol für konzentrierte Weisheit. Mit ihrer Hilfe gelang es leichter, bei schwierigen Fragen die richtigen Entscheidungen zu treffen, eben „harte Nüsse zu knacken“. Die Hasel begleitete die Menschen von ihrer Geburt bis zum Tod und darüber hinaus.
Mit Haselruten spürten die Druiden die Drachenlinien der Erde auf, also Bereiche, die bestimmte Energien leiteten, die man sich zu nutze machen wusste. Manche Radiästheten bevorzugen auch heute noch Wünschelruten aus gegabelten Zweigen der Haselnuss vor den Ruten aus Stahl, um Wasser im Untergrund aufzuspüren.
Die Hasel zeigt sich in der Regel als Strauch, viele Stockausschläge sorgen für einen dichten bis zu 5 Meter hohen Wuchs. Als Teil der Hecken kam ihr große Bedeutung zu, da ihre kräftigen, geraden Triebe für Stecken und Pfähle Verwendung fanden. Mit Haselnusszweigen wurden Zähne geputzt, die Haselnussschale wurde als „Messbecher“ für Kräuterpulver verwendet. Den Kelten bot die Haselhecke Schutz vor Blitzschlag, Feuer, wilden Tieren und Krankheiten. Blütenkätzchen und Blätter wurden gegen Fieber und Entzündungen der Haut eingesetzt.

Besonders schön finde ich die Auffassung, dass die Hasel den Menschen beim Finden des richtigen Lebenspartners helfen könnte. Wenn ein Liebespärchen in der Halloweenn-Nacht zwei Haselnüsse ins Feuer wirft und diese still nebeneinander verbrennen, sollte das auf eine gute Ehe hindeuten. Fallen die Nüsse jedoch krachend auseinander, haben unsichtbaren Hände der verstorbenen Vorfahren bekanntgegeben, dass sie dieser Verbindung keine Chance geben.
Für alle, die sich nicht für eine/n Geliebte/n entscheiden konnten, hat der englische Dichter Thomas Grey folgendes Orakelgedicht formuliert:
„Zwei Haseln warf ich in die Flammen,
und jeder gab ich eines Liebchens Namen.
Mit lautem Knall zersprang die erste schnell,
im Feuer leuchtete die zweite still und hell.
Ach, wenn doch deine Liebe so erblühte,
wie deine Nuss im Feuer glühte.“
Hinterlasse einen Kommentar