Eliane Zimmermann über Carolin Römers Buch-Erstling „Die irische Meerjungfrau. Ein Fin O’Malley Krimi“  (Conte, 2011).

„Ich bin Leseratte und damit nachtaktiv. Manche Bücher verschlinge ich allerdings bei Tageslicht, kaum dass sie ihren dunklen Karton verlassen haben. Andere Lektüre wird sorgsam auf meinem Nachttisch gestapelt, um mich durch schlaflose Nächte zu bringen. So gesellte sich eines Tages der Krimi „Die irische Meerjungfrau“ von Carolin Römer an meine Bettseite. Die Zuordnung des Buches fiel leicht, denn Schafe wie auf dem eher klischeehaft-phantasielosen Cover sehe ich jeden Tag kurz nach Verlassen unseres irischen Heimes, zudem hatte ich noch den berühmten, erst kürzlich durchgewälzten Schafskrimi im Magen liegen. Mit Meerjungfrauen im Titel verbinde ich zudem irgendwie schwer zu verdauende Fantasyschmöker. So schlummerte ich mich mehrere Nächte lang durch die ersten 77 Seiten, fand stets wunderbar in den fehlenden Schlaf zurück und genoss geradezu diese gesunde Art der Schlafmedizin.

Völlig entspannt und unaufgeregt konnte ich zur Kenntnis nehmen, wie Detective Sergeant Fin O’Malley von der Hauptstadt in ein nebelverhangenes Piratennest irgendwo an der nordwestlichen Küste Irlands versetzt worden ist. Er soll dort einen alten Kriminalfall aufklären und ich nehme Anteil an seinem verkorksten Leben, denn er hat gerade mit ertragen müssen, dass Frau und Tochter ihn verlassen haben. Nächtelang begleite ich ihn durch die Provinz und beiße mir zusammen mit ihm an den schrulligen Bewohnern von Foley die Zähne aus. Sie erzählen viel und sagen doch gar nichts. Ich erkunde auch die angeblich so typisch irisch-schroffe Landschaft und leide mit O’Malley ganz schrecklich am unausweichlich schlechten Wetter.

Und nachdem ich das alles ausgehalten habe, bekomme ich auf Seite 78 einen entscheidenden Hinweis. Welchen der dem Whiskey sehr zugetane Detektive freilich nicht erkennt. Er verliebt sich derweil in die geheimnisvolle rothaarige Schönheit, die mal auf einem Pferd und mal auf einem Motorrad an ihm vorbei braust. Klar, dass sie ihn nach einem Rausch sogar retten muss und er in ihrem originellen Domizil, einem verlassenen Leuchtturm, aufwachen wird. Aber irgendwie wird es nun tatsächlich spannend, und wenn es nur darum geht, die früh erkannte Spur durch den klischeebewachsenen irischen Nebeldschungel weiter zu verfolgen. Um herauszufinden, ob die Geschichte wirklich so ausgeht, wie vermutet.

Wer daheim in der Hitze Balkoniens vom feucht-kühlen Irland träumen möchte, findet sicherlich amüsante Entspannung auf diesen 267 Seiten. Auch dem passionierten Irlandkenner wird viel Vertrautes serviert, ob das nun untergetauchte IRA-Leute sind oder eine trinkfeste und schwallende Granny, auch ein skurriler Priester und undurchschaubare Familienbande bilden ein durchaus unterhaltendes Geflecht von Aha-Erlebnissen. Doch ein Kaliber eines (frühen) Commissario Brunetti-Buches oder gar eines Wallander-Krimis darf man bei diesem Erstlingswerk nicht erwarten.“

Hier gibt es den Irland-Krimi: