Irischer Sonntag: Digital Detox in der Natur

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Digital Detox. Ich habe mich gedanklich zurück versetzt in eine Zeit vor 20 und 25 Jahren, um besser zu verstehen, was mit uns geschehen ist. Erinnern Sie sich, wie das war, als es keine Smartphones gab und kein buntes Internet, als wir mit 54k-Modems die ersten zarten digitalen Vernetzungen häkelten, als CompuServe und AOL die größten Eingangstore zum digitalen Raum waren und Google und Facebook und Whatsapp noch nicht einmal Ideen in den Köpfen der kühnsten Vordenker?

Die digitale Technik hat uns, unser Leben und unser Zusammenleben massiv, ja, dramatisch verändert. Sind wir durch unser real-virtuelles Doppel-Leben nun andere geworden, oder erkennen wir uns nur nicht wieder, weil wir ständig abgelenkt sind? Egal. An dieser Stelle gibt es keine Kultur- und keine Techno-Kritik. Mir ist allerdings in den zurück liegenden stillen Tagen noch klarer geworden, dass es uns gut tut, uns dann und wann in die Original-Befindlichkeit zurück zu versetzen.

Familie anno 2016 °

Wir haben die Wahl und die Freiheit, einmal am Tag, einmal die Woche, einmal im Monat die Ausschaltknöpfe an Macbook, Galaxy und iPhone zu drücken, unsere ur-eigene Existenz zu feiern, den Ort wahrzunehmen, an dem wir sind, und ungestört und unbeeinflusst unsere wirklich wichtigen Prioritäten zu sortieren. Welcome home, willkommen daheim! Ein schönes Gefühl ( . . .und klar, auch zurück ins Internet zu tauchen, macht dann umso mehr Spaß).

In Kalifornien, bei San Francisco, am Rand des Silicon Valley, dem Techno-Tal, in dem über unseren Alltag und unsere Zukunft entschieden wird, treffen sich seit ein, zwei Jahren eben jene Gestalter der neuen virtuellen Welten in Erholungs-Camps zum Digital Detox. Sie entgiften ihre Psyche und ihre Seelen drei, vier Tage lang in der Natur, nehmen eine Auszeit ohne Computer, ohne Smartphone, ohne Uhr, ohne Alkohol und ohne Gespräche über die Arbeit. Wie wohltuend solche Auszeiten vom modernen Alltag sind, weiß ich, weil wir diese selber seit vier Jahren in den Bergen Südwestirlands nutzen und für Gäste anbieten. Wir nennen diese wertvollen Wochen in der Stille der unberührten Berge Natur Retreat. In Neu-Englisch könnten wir von Digital Detox Camps reden, wir sehen uns jedoch mehr in der nachhaltigen Tradition der Natur-Therapie: Wir vertrauen uns ohne digitale Ablenkung der Natur an, nehmen eine Auszeit vom Alltag und gehen in unsere Mitte.

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Wir Menschen sind natürlich, und durch die Erfahrung der äußeren Natur erfahren wir unsere innere Natur. Auf diesen Zusammenhang hat der Schweizer Psychologe C.G. Jung schon vor fast 100 Jahren aufmerksam gemacht. Er hielt es für gesund und gesundheitserhaltend, dass wir uns regelmäßig vom Alltagsschlamm der Zivilisation reinigen, dass wir uns in der Natur den Schmutz der Zivilisation abwaschen: „Wann immer wir mit der Natur in Berührung kommen, werden wir sauber“ (C.G: Jung, 1875 – 1961, zitiert nach natur & heilen 7/2015).

An dieser Stelle etwas Eigenwerbung für unser Abschalt-Projekt in den irischen Bergen: Wir* gehen in diesem Jahr dreimal zur Reinigung, zum Batterien Aufladen und zum Energie Tanken auf Natur Retreat in die irischen Berge: Im Mai, im August und im September schalten wir ab und ziehen uns in einer kleinen Gruppe für eine Woche in die Natur zurück. Wer mitkommen will, findet alle wichtigen Informationen hier: www.irland-natur.de

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 Noch ein Blick aus dem Fenster: Erst gemütlich, dann Cabin Fever . . .


Noch ein Blick aus dem Fenster: Erst gemütlich, dann Cabin Fever . . .

Es passiert selten, aber in den vergangenen Tagen ist es passiert: Ich hatte angesichts des ewigen Winterregens einmal keine Lust, hinaus in die Berge oder ans Meer zu gehen. Der Blick aus dem Fenster genügte. Doch auch an solchen befremdlichen Befindlichkeiten konnte ich merken, dass jeder Anfang schon das Ende birgt, dass der Wandel uns befeuert und uns Lebensenergie gibt. Irgendwann, sehr bald Irlandnews.comschlug die häusliche Gemütlichkeit in Unbehagen um. Es stellte sich ein mulmiges Gefühl ein, das die Iren Cabin Fever nennen. Wörtlich übersetzt heißt das Hüttenfieber,  die deutsche Sprache hält jedoch zwei prägnantere Ausdrücke für das Phänomen bereit. Man empfindet umgangssprachlich Lagerkoller – die stille, oder sich Bahn brechende Wut dürften derzeit vor allem  Flüchtlinge in den Lagern weltweit verspüren – oder besser: Die Decke fällt einem auf den Kopf. 

Bevor sich die Decke wirklich senkt, folge ich dem frischen Impuls: Es geht wieder hinaus in die Weite der irischen Landschaft. Egal, wie feucht die Luft ist. Ich nehme Sie und Euch ein Stück weit mit, die Kamera ist natürlich immer dabei. In diesem Sinne: Gute Wege, may the trails be dry and the bogs shallow, bis bald . . .  

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* Wenn ich hier von wir schreibe, meine ich unsere Natur-Projekt Wanderlust: www-wanderlust.de

° Ein Dank an Otto für das immer noch aktuelle Foto

Von |2018-10-03T11:50:56+00:0010. Januar 2016|0 Kommentare

Über den Autor:

Markus Baeuchle
Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus und seiner irischen Outdoor-Firma Wanderlust können Sie Irlands faszinierende Natur von den schönsten Seiten zu Fuß erleben.

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