Irischer Sonntag: "Interessiert keine Sau"

like-meIrischer Sonntag. Das Full Irish schmeckt heute nicht richtig. Vor drei, vier Jahren wurde auf den Irland-und-andern-Blogs dieser Welt tatsächlich noch lebhaft diskutiert, disputiert, auch mal gestänkert, beleidigt und unter die Gürtellinie geschossen. Ich habe mich in der Zeit hin und wieder aufgeregt über Grenzüberschreitungen und schlechten Stil. Immerhin, so erkenne ich heute, waren derlei Äußerungen Zeichen von Rest-Engagement und von einer gewissen Lebendigkeit.

Irlandnews.comDerzeit wird gerade nicht gerne diskutiert. Schon gar nicht kontrovers. Facebook und andere Kommunikations-Quickies haben sich wie Mehltau über die Internet-Landschaften gelegt — und die meisten Menschen wirken auch online zu erschöpft, um sich einer anstrengenden Debatte auszusetzen. Sie geben sich mit tausend “Likes” pro Woche, netten Bildchen von irgendwas, mit nach Anerkennung schreienden “Ich-hab-wieder-selber-was-hergestellt-oh-mein-Gott”-Posts oder der Perfektionierung ihres öffentlichen Erscheinungsbildes in der Onlinewelt zufrieden.

Nenad Ptic, einer der Provokateure in der “alten” Online-Zeit, stellte vor kurzem auf Facebook ernüchtert fest:

“Solange man irgendwelche unverfänglichen Bildchen oder Storys postet, ist alles Kerry gold. Aber wehe man postet was Ernstes. Interessiert keine Sau! Sagt mal Leute, ist euch alles scheissegal oder was?!”

Nenad hatte auf FB gerade die Gefahren eines aufziehenden großen Krieges geschildert — und dafür nicht einmal eine Handvoll Interessierte gefunden.  Ja, was ist los mit uns? Wir jungen und alten Europäer, sind wir alle so erschöpft, ernüchtert, desillusioniert, deprimiert oder gar so satt und selbstzufrieden, dass uns der Gang der Dinge gar nichts mehr angeht? Die “Dinge” gehen im Großen und Ganzen seit geraumer Zeit grob in die falsche Richtung. Wir alle spüren und wissen das. Überall  Kriege, Krisen, vor allem aber die sich anbahnende ökologische Katastrophe und der ungebremst wütende, die Krisen verursachende Kapitalismus: Wir hätten genügend Gründe, um auf die Straße zu gehen. Statt dessen gilt der alte Sponti-Spruch mehr denn je: “Es gibt viel zu tun. Lassen wir´s sein”. Und wenn dann doch einmal etwas passiert, nässen sich Leute massenhaft bei einem zweifelhaften “Ice-Bucket-Challenge” für einen noch zweifelhafteren Zweck ein, der weitgehend unerkannt bleibt. Aber das nur nebenbei.

Es liegt an uns, endlich wieder nach den Zügeln zu greifen — und den Gang der Dinge nicht den Wenigen zu überlassen, die davon auf Kosten der Vielen profitieren. Die Zeit dafür könnte nicht besser sein: Was sich uns als Krise, Bedrohung und Zerfall zeigt, ist genauso sehr Chance, Neuanfang und Chance. Warum also tun wir nichts, noch nicht einmal diskutieren? Kann es sein, dass derzeit viele Menschen bei sich selber anfangen, weil alle Veränderung nur bei und in uns selber beginnt, und dass das ein eher “stilles Geschäft” ist?

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Irischer EselKelten-Tiger 2.0: Ich hatte es gestern im Bericht über Christy Moore kurz angedeutet: Über Irlands Weg in die Zukunft darf gerätselt werden. Da und dort gibt es Anzeichen, die Menschen hier hätten aus den Fehlern der Kelten-Tiger-Jahre Konsequenzen gezogen. Es gibt Hinweise, dass sich die Leute auf der Suche nach der richtigen Zukunft wieder stärker mit ihren alten kulturellen Wurzeln verbinden, dass sie sich wieder in ihre ganz eigene Tradition stellen, dass sie ihre eigene Vergangenheit  nicht abermals so missachten wie zu Zeiten des Celtic Tiger, als eine ganze Gesellschaft gierig Jagd machte auf Geld, Land und Status.

Dann allerdings lese ich zunehmend Headlines wie diese im heutigen Sunday Independent, und es wird klar: Der Zug ist längst wieder in die andere Richtung unterwegs und wird medial kräftig befeuert: “The shopping trip to New York, perhaps the ultimate expression of boom time hedonism, is back.”  Sagt allen weiter, titelt der Sundy Independent: Man fliegt in der Vorweihnachtszeit mal schnell wieder zur Einkaufs-Therapie nach New York und lässt die Kreditkarten glühen. Die irischen Hotelbuchungen in New York im November und Dezember deuten stark an: Es geht weiter mit “Shop til you Drop.” Zumindest für eine zunehmende Zahl konsumwütiger Gaelen.

Damit nicht genug. Derselbe Artikel listet fein säuberlich auf, wie es um die Werte im Land wirklich steht: Schon kauft man wieder massenweise hunds-teure Pferde (die dann bei der nächsten Rezession klapperdürr und hungernd am Straßenrand stehen und von deutschen Edelhelfern gerettet werden müssen); die Zahl der monatlichen Kfz-Neuzulassungen hat im Juli 2014 ein Juli-Allzeithoch erreicht, die Hauspreise in Dublin schießen in die Höhe; Elektronik und Möbel gehen wieder ziemlich gut,  und und und. Der Film heißt Zurück in die Zukunft 2.0 . 

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Und wie wird das Wetter? Oha, die Stormy Season ereilt uns in diesem Jahr früh: Schon für heute, Sonntagnachmittag, ist Sturm angesagt. 40 Milimeter Regen und Windstärken bis 120 km/h. Da klappen wir die Gartenmöbel zusammen, verstauen die Sonnenschirme. legen die Ohren an und legen uns lesend aufs Sofa: James Salter: Alles , was ist. Spannend wie das Wetter draußen . . .

 

Weter_Sturm

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Einen schönen Rest-Sonntag wünscht der Wanderer

PS: Wer schon Reisepläne für 2015 macht, mit uns könnt ihr in Irland wandern gehen: www.wanderlust.de. Die Termine und Preise 2015 sind online.

Fotos: Facebook-Me by Nisha Patel; Markus Baeuchle (Esel); Irish Independent.

 

Von |5. Oktober 2014|94 Kommentare

Über den Autor:

Markus Baeuchle
Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus und seiner irischen Outdoor-Firma Wanderlust können Sie Irlands faszinierende Natur von den schönsten Seiten zu Fuß erleben.

94 Kommentare

  1. […] trotz oder wegen der vielen Kriege und Krisen in der Welt.  Das Lamento mit der Headline „Interessiert keine Sau“  provozierte bislang immerhin 46 Kommentare — und entgegen aller Erwartungen wird munter […]

  2. Nenad Ptic 12. Dezember 2014 um 7:15 Uhr - Antworten

    Waterford …

  3. Nenad Ptic 11. Dezember 2014 um 8:32 Uhr - Antworten
  4. Stephan 10. Dezember 2014 um 15:45 Uhr - Antworten

    in der Tat war dieses PEGIDA eine ekelhafte Sache. Der Gründer Lutz Bachmann fordert eine Nulltoleranz Politik gegenüber straffälig gewordenen Zuwanderern in Deutschland. Sein eigenes Strafregister ist jedoch länger als das Telefonbuch von Dresden. Und als Krönung des Ganzen suchte er illegal Unterschlupf in Südafrika vor deutschen Behörden……und so einer Arschgeige laufen Tausende hinterher. Was ist nur los in diesem Land ?

    • Nenad Ptic 11. Dezember 2014 um 8:13 Uhr - Antworten

      Ich weiss nur eines: die Leute kuemmet es nicht. Bin oefters mal in Aschaffenburg. Dort findet an jedem ersten Montag im Monat eine Montagsdemo statt. Als Demo kann man das jedoch nicht bezeichnen, wenn nur ein paar einsame Gestalten einen Stand errichten, wo sie ihren Frust mehr oder weniger ungehoert in die Welt hinausschreien! Es interessiert wirklich kein Schwein …

  5. Nenad Ptic 9. Dezember 2014 um 7:48 Uhr - Antworten

    Morgen gehts rund in Dublin! Habe 7.12. darueber geschrieben Markus. Du musst den Kommentar nur noch frei schalten … 🙂

  6. Irland News | seekerwolve 8. Dezember 2014 um 2:42 Uhr - Antworten

    […] Eine wirklich tolle Seite die man sich anschauen sollte nicht nur für Irland Fans.Irland News […]

  7. Nenad Ptic 7. Dezember 2014 um 9:59 Uhr - Antworten

    Es tut sich was in Irrland. Am 10.12. gehen die Leute vor das Regierungshaus in Dublin auf die Strasse, um gegen die Regierung zu demonstrieren. Neuwahlen stehen an. Die Enda Kenny-Regierung wird nervoes. Das alles passiert wegen den neuen Wassergebuehren. Oder besser gesagt: die Wassergebuehren “irish water” hat die Leute vereint.

    Hier in Deutschland weiss sogut wie niemand was davon. Die meisten Deutschen haben ueberhaupt keine Ahnung, was momentan in Irrland passiert. Es interessiert sie auch nicht.

    Dabei gibt es parallelen. Wir werden hier genauso verarscht wie die Iren. Bei uns geht es nicht um Wassergebuehren, sondern um Stimmungsmache gegen Russland. Es geht darum, dass man dem gemeinen Volk sugeriert, ein eventueller (kalter) Krieg gegen Russland waere voellig legitim, weil die Russen die Boesen sind. Putin, der neue Hitler usw. Die Medien spielen mit. Und waerend Europa Russland boykotiert, machen die Amis weiterhin gute Geschaefte. Habe gestern gehoert, der US-Dollar sei wieder im Aufwind und der Euro kackt ab.

    Jede gegenteilige Meinung wird als Russenpropaganda abgetan. Der russische Geheimdienst hat ueberall seine Finger im Spiel. Und das obwohl mittlerweile jeder Saeugling uber die globale Ueberwachungs- und Bespitzelungstaktik der USA bescheid weiss!

    Als ich noch in Irrland gelebt habe, dachte ich, die Iren haetten von nichts einen Plan. Jetzt muss ich sagen, dass das eher auf die Mehrheit der Deutschen zutrifft.

    Wen eine Gruenenpolitikerin die Friedensbewegung hierzulande als Nazi rechts bezeichnet und die CSU verlangt, dass auslaendische Mitbuerger zuhause nur deutsch reden duerfen, dann kann ich nur eines sagen: armes Deutschland!

    Ich haette nie gedacht, dass so etwas hierzulande ueberhaupt noch moeglich ist.

    Der Kommentar des irischen Politikers Luke ‘Ming’ Flanagan ist brilliant und trifft den Nagel auf den Kopf, weil er im Grunde genommen auch fuer uns Deutsche gilt. Man muss nur die Parteien- und Politikernamen austauschen “and there you go”:

    https://www.facebook.com/Lukemingflanagan/posts/730584223685563?fref=nf

    • Stephan 10. Dezember 2014 um 10:16 Uhr - Antworten

      @Nenad

      Auch hier in Deutschland scheint so ganz langsam ein zartes Pflänzchen einer neuen Friedensbewegung zu entstehen. Am 13.12 ist ein Marsch zum Sitz unseres kriegstreibenden Präsidenten in Berlin geplant. Friedenswinnter nennt sich die Initiative die natürlich direkt von ZEIT und FAZ, die bis zum Anschlag im Hintern der Amis steckt, so unterirdisch mit Dreck beworfen wird. Es gab auch endlich einen Aufruf von 60 Personen aus Politik, Wirtschaft und Medien gegen einseitige Kriegstreiberei des Westens…..alles bislang ein eher laues Lüftchen aber ein Anfang !

      Über die Olivgrünen und die CSU sage ich lieber nichts……da fehlen mir ohnehin mittlerweile die Worte. Wie sagte gestern Max Uthoff so schön in Richtung Göring Eckert ” Und wenn jede dahergelaufene Ost Protestantin auf das Grab von Petra Kelly spucken darf”

      • Nenad Ptic 10. Dezember 2014 um 14:53 Uhr

        Was sich bewegt ist PEGIDA: Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes. Ich mein, man koennte sich totlachen darueber, wenn es nicht so gefaehrlich waere! Ploetzlich gehen da tausende auf die Strasse, um gegen Moslems, Asylbewerber und Fluechtlinge zu demonstrieren. Das muss man sich mal vorstellen! Montagsdemos nennen die das. Wie bei der Friedensbewegung. Der Unterschied ist u.a., dass bei den Friedensdemos immer nur ein paar hundert Leute dabei sind. Bei PEGIDA sind es tausende! Und das auch noch im Osten, wo der Auslaenderanteil geringer ist als im Westen und der Moslemanteil sowieso. Man hat wieder mal gezielt die Falschen ausgesucht. Statt sich gegen die herrschende Kaste aufzulehnen, nimmt man die Ausenseiter der Gesellschaft als Suendenboecke. Ich koennte kotzen!

  8. Stephan 17. November 2014 um 9:48 Uhr - Antworten

    Gestern Abend hatte ich Gelegenheit ein 2,5 Stunden Interview von Ken Jebsen mit dem Nachdenken Seiten Gründer Albrecht Müller auf You Tube anzuschauen. Müller ist als absoluter Politik Insider ( war u.a. Wahlkampfleiter unter Brandt ). Für mich haben sich dort über einige Zusammenhänge die mir nicht so geläufig waren wieder einige Dinge zusammengefügt die mir so ganz langsam neben der Zornesröte die blanke Panik auslösen. Sind wir wirklich schon so weit gekommen ? Da Markus unser Link Ping Pong nicht so prickelnd findet schaut einfach mal selbst unter den Stichworten Albrecht Müller KenFM bei You Tube. Ich denke es lohnt sich……

    • Nenad Ptic 18. November 2014 um 11:48 Uhr - Antworten

      Danke fuer den Tipp, Stephan. Bin gerade dabei.

      @Markus
      Ein Beitrag von mir vom 9.November wartet immer noch auf Freischaltung …

      • Nenad Ptic 18. November 2014 um 13:27 Uhr

        Hey Stephan! Bin eben gerade mit dem ersten Teil von Albrecht Muellers Interview fertig geworden und kann jetzt schon sagen, dass ich wieder mal viel gelernt habe. Allein schon die Sache mit Peer Steinbrück ist der absolute Hammer! Muellers Zitat: “Peer Steinbrück ist die Perversion der SPD personifiziert.” trifft ja nicht nur auf Steinbrueck und die SPD zu, sondern auf alle Parteien und deren “Spezialisten”! Wir werden von Verbrechern regiert!

        Mag sein, das du Markus jetzt wieder schmunzelnd loslegst ueber mein Politiker-Bashing aber eines ist doch sonnenklar: Wir koennen NICHT einfach so eine Veraenderung herbeifuehren, solange diese Monster an der Macht sind! Dabei sind das ja noch nicht mal die wahren Monster, sondern nur Marionetten der Wirtschaft.

        Es gibt da einen Film (ich weiss den Titel nicht mehr), wo es um das alte Thema geht “Mafia gegen den Staat”. Als am Ende ein vom Staat beauftragter Undercover-Agent geopfert wird, sagt der Hautdarsteller folgenden Satz, der sich mir ins Gedaechtnis gebrannt hat:

        “Die Mafia und der Staat sind ein und dasselbe. Nur hat die Mafia einen Ehrenkodex. Den hat der Staat nicht!”

        Fuer mich trifft das den Nagel auf den Kopf und zeigt, wohin wir alle zusteuern: in die Katastrophe!

      • Stephan 18. November 2014 um 18:23 Uhr

        sehr gerne Nendad ! der zweite Teil ist nicht minder spannend.

  9. Stephan 7. November 2014 um 10:21 Uhr - Antworten

    und hier in Deutschland erlebt die GDL für ihren Streik gerade einen Spiesrutenlauf und Herr Weselsky muss mit einer Diffamierungskampagne der deutschen Qualitätspresse fertig werden. Wo bleibt da die hohe Sensibilität des Herrn Bundespräsidenten oder der SPD…..verlogenes Pack !

    • Nenad Ptic 8. November 2014 um 8:17 Uhr - Antworten

      Urspruenglich war der Streik fuer 100 Stunden angesetzt und die Leute regen sich darueber auf, dass sie nicht puenktlich zur Arbeit kommen. Soweit ist es mit uns gekommen! Es geht nicht darum, dass man garnicht zur Arbeit kommt, sondern nicht puenktlich! Ja, wo leben wir hier eigentlich? Was ist los mit den Leuten? Statt sich zu solidarisieren und einfach mal 100 Stunden garnicht zur Arbeit fahren, geht es hier um Puenktlichkeit. A fucked up nation, that’s what we are.

  10. Nenad Ptic 6. November 2014 um 7:49 Uhr - Antworten

    Und hier mal ein Link fuer freie, unabhaengige Berichterstattung: http://www.Free21.org

  11. Nenad Ptic 1. November 2014 um 8:52 Uhr - Antworten

    “Wie gehst du mit der Ignoranz in deinem Umfeld um? Was sind die Taten, die deinen Erkenntnissen folgen?”

    Man koennte auch fragen, was mache ich, dass es besser wird? Meine Antwort: Nicht genug!

    Trotz des Lebens, das ich schon immer gelebt habe, hatte ich immer das Gefuehl, es ist nicht genug. Denn auch ich bin nur ein kleines Raedchen im Getriebe. Mittlerweile haben sich jedoch meine Prioritaeten verschoben. Ich bin politisch geworden. Ich habe schon immer das gemacht, was ich machen wollte. Mehr oder weniger. Nicht weil ich ein “rebel” war oder sein wollte, sondern weil mich das normale Leben einfach nur langweilte. Heute sehe ich mich als ein kleiner “rebel”. Als so eine Art Protestsaenger in der Fussgaengerzone. Dabei geht es weniger um die Lieder, die ich spiele, sondern vielmehr darum was dazwischen passiert. Also zwischen den Liedern, wenn ich mich mit den Leuten unterhalte. Nur mal ein Beispiel: Da kam doch diese nette Dame und sagte irgendwann “Wir leben hier in Deutschland wie im Paradies. Man darf seine Meinung sagen ohne dafuer gesteinigt zu werden!” “Richtig” sagte ich “Nur wie lange noch?”

    Was viele Leute hier nicht kapieren ist, dass unsere demokratischen und sozialen Strukturen langsam aber sicher abgebaut werden. Bestes Beispiel dafuer sind die USA, wo in den letzten 20 Jahren genau das Schritt fuer Schritt durchgezogen wurde. Nich auf einmal, sondern ganz langsam. Langsam aber sicher. Ist wie mit dem Frosch, den man in’s kochend heisse Wasser schmeisst und er sofort wieder rausspringt. Tut man in dagegen in kaltes Wasser und laesst es langsam kochen, bleibt er so lange drin sitzen bis er stirbt!

    So aehnlich geht es uns jetzt. Das Wasser wird immer heisser und wir merken es nicht! Das und aehnliches erzaehle ich den Leuten fast jeden Tag. Ist nicht viel aber immerhin etwas. Ein kleiner Beitrag dazu die Leute aufzuruetteln. Ob’s was nuetzt weiss ich nicht. Aber ich mach’s gerne … 🙂

  12. Petra D. 29. Oktober 2014 um 23:39 Uhr - Antworten

    Nenads Beitrag weiter oben zu seinem Erlebnis mit dem Hundeleinenwart gab mir zu denken. Nicht im Sinne von wie kleinkariert die Leute in Deutschland sind – das sind sie in Irland ebenso wie in Schwaben oder im Taunus 😉 –, sondern im Sinne von der eigenen Aktionsunfähigkeit.

    Hilflosigkeit und Angst vor der eigenen Courage (oder vor dem Liebesverlust oder Nachbarn oder was auch immer) ist der größte Feind von Freiheit und Veränderung. Man kann die Welt nicht besser machen, wenn man stets den Mund hält oder Angst hat.

    Ich will euch ein Beispiel geben:
    Vorwort: Ich bin eine Stadtpflanze aus Berlin, eine „Emanze“ wie manch männlicher Angsthase gerne sagt, jedenfalls eine Frau mit einer gewissen Erfahrung, dass Nettsein meist im Sande verläuft, wenn es um wirklich wichtige Dinge geht.

    Also: Als ich in mein kleines irisches Dorf zog, freundete ich mich mit einer jungen Frau an, ein Dorfmädel durch und durch, mit einer unterdrückten Intelligenz, aber so angepasst, dass ich sie am liebsten durchgeschüttelt hätte.
    Mal abgesehen davon, dass sie der Depp der Familie war, also sich um die Alzheimer-Mutter, die Gehirnhautentzündungs-geschädigte Schwester und den Arsch von einem faulen Bruder im runtergekommenen Farmhaus kümmern musste, war sie so lieb, dass sie eine Vergewaltigung nur beiläufig erwähnte.

    Wie? Du hast den nicht angezeigt?

    Nee, sagte sie, der ist ja der Schwiegersohn von XY, das würde nur Ärger mit seiner Frau, einer Freundin von mir, und XY geben und keiner würde mehr mit mir was zu tun haben wollen.

    Soll ich …?

    Nein! Um Gottes Willen! Dann wärst du auch außen vor! Und alle wüssten, dass ich es war! Und wir müssen mit den Leuten im Dorf doch leben! Bloss nichts aufmischen, das Leben geht weiter. No harm done.

    No harm done? Hallo? Taliban anyone?

    Ich habe damals meinen Mund gehalten, aus Rücksicht auf die junge Freundin. Aber Mann habe ich gelernt, an die entsprechenden Adressen böse Bemerkungen aus dem Hinterhalt loszulassen. Ein bisschen die Rache der Geknebelten. Hilflos und völlig an meiner ansonsten offenen Schnauze vorbei.

    Aber ich halte meinen Mund nicht, wenn es um mich oder Sachlichkeiten geht, also keine anderen gegen ihren Willen reingezogen werden. Ich habe im irischen Dorfleben gelernt, wie die Spinnen in meinem Haus zu agieren: Sit quietly, look pretty and then strike.

    Ein konkretes Beispiel? Es gibt so einen sehr unangenehmen County Council Worker, im Prinzip Dorfstraßenkehrer im Dörfle. Jedenfalls sehe ich den nur Straßen kehren, Tee trinken oder eben ganze Vormittage in unserer kleinen privaten Cottage-Siedlung im Auto sitzen und Zeitung lesen – die ich sogar aus meinem Arbeitszimmerfenster als sehr großbuchstabig erkennen kann.
    Im Prinzip: Es ist ein pissing contest, also ein Machtkampf, wer das Sagen im Dorf hat.

    Ich hatte schon auf anderer Ebene Konfrontationen mit ihm, er hasste mich vom ersten Moment an, nicht weil ich Ich bin, sondern weil er einfach Außenseiter hasst, auch meine eher extravagante irische Nachbarin, die auch praktisch aus dem Ausland (Dublin) stammt. Die jedoch mag ihn auch nicht konfrontieren. Sie will eigentlich im Dorf akzeptiert werden und lässt sich daher alles gefallen. Grrrr ….

    Jüngst hockte er wieder bei laufendem Motor in seinem Van auf dem Rasen (nicht auf dem Weg!) meiner abwesenden Nachbarin, nachdem er eine langsame Runde auf der kleinen privaten Auffahrt durch die Cottages gedreht hatte, und las Zeitung.

    Ich ging also runter zu ihm, ganz schüchtern und verletztlich und blond, und sagte ihm, dass ich mich schrecklich bedroht fühlte, wo doch so ein Mann immer vor den Häusern parkt, wo alleinstehende Frauen leben. Ich wäre so verängstigt, dass ich fast die Guards rufen wollte. It’s so creepy! Ob er nicht lieber ….

    Ich bin hier fürs Council, meinte er und blätterte in einem leeren Notizbuch, ohne mich anzuschauen.

    Aber das ist hier Privatgrund, warf ich ein. Nix County Council.

    I do you no harm, meinte er etwas aufgeschreckt.

    Yes you do, and now fuck off or else, meinte ich dann ganz schwarzhaarig.

    Und er ward seither nie mehr gesehen.

    Geht doch.

    Die Moral von der Geschicht?

    Selbstbehauptung, sich nicht der Norm und der Schwarmdummheit unterorden, alte destruktive Strukturen aufmischen und sich niemals davon einschüchtern lassen, dass es „doch schon immer so war“.

    Wie sagten wir damals so schön? Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt.

    Es geht also nicht nur darum, den Müll zu trennen, sondern vor allem eine Spur der Veränderung und des Widerstands gegen Verkrustung und Machtansprüche zu hinterlassen. Das mag nicht viel sein, aber was mehr kann man tun?

    Und erzähle mir keiner, dass es in Deutschland genauso sei. Glaubt mir, es ist schlimmer. Ich habe auch schon in kleinen Dörfern in Deutschland gelebt. Ich ziehe jedes irische Dorf einem deutschen vor.
    Oder kurz: Ich ziehe Irland mit all seiner Kleingeistigkeit vor, weil die überschaubarer und letztlich – doch ja – freundlicher ist. Da ist mehr zu machen als z. B. in einem bayerischen Dorf, wo das Brett vorm Kopf eher einer Betonwand gleicht.

    Und die Nazi-Aufmärsche jüngst in Köln machen mir Angst.
    Wenigstens sind die Iren so lahm, dass sie ihre Xenophobie und ihr Mistgabelschwingen nur virtuell auf boards.ie ausleben 😀
    Und so wenig “rebels”, dass sie bei jedem autoritäten Ton zusammenzucken – har har …

    • Nenad Ptic 30. Oktober 2014 um 19:36 Uhr - Antworten

      Petra, meine kleine, suesse Feakle-Emanze! 😀 Irgendjemand sagte mal, alle Paddys haetten Irrland schon laengst verlassen. Uebriggeblieben waeren nur noch Marys. Soviel zum Thema “rebels” … muahahaaa

      • Petra D. 1. November 2014 um 1:42 Uhr

        Nix süße Feakle-Emanze, Nenad ;).
        Wie gehst du mit der Ignoranz in deinem Umfeld um?
        Meckern gilt nicht, auch wenn es gesund ist. Was sind die Taten, die deinen Erkenntnissen folgen? Ernsthaft.
        Ich lausche bzw. lese ….

  13. Stephan 26. Oktober 2014 um 21:54 Uhr - Antworten

    @Markus
    mein konkretes Projekt eignet sich vielleicht nur bedingt für deine Website. Ich werde versuchen meinen beiden Kindern ( 17 Monate und 4 Wochen alt ) in den kommenden Jahren einen Weg aufzuzeigen in dieser kranken Gesellschaft trotzdem ihren Weg zu finden, ohne zum Zyniker zu werden.

    @Susanne
    großartiges Buch……habe ich letzte Woche gelesen. Und sein neues Buch Transformationsdesign – Wege in eine zukunftsfähige Moderne liegt bereits vor mir.

    • Markus Bäuchle
      Markus Bäuchle 28. Oktober 2014 um 17:34 Uhr - Antworten

      Klingt ziemlich ambitioniert und spannend, man müsste es nur thematisch zu fassen bekommen. Wenn Du den Prozess einmal die Woche oder alle 2 Wochen beispielhaft beschreiben könntest, wäre das klasse!

  14. Nenad Ptic 26. Oktober 2014 um 9:04 Uhr - Antworten

    Schoen, dann sollen doch die anderen hier auch mal was sagen … 🙂

    • Markus Bäuchle
      Markus Bäuchle 26. Oktober 2014 um 9:17 Uhr - Antworten

      Ja, wäre schön. Eigentlich haben wir gerade wieder bewiesen, was zu befürchten war: Drei, vier Leute diskutieren und der Rest duckt sich weg. Sei es aus Desinteresse,Angst, Verzweiflung, Abstumpfung, Zufriedenheit, stillem Glück. Wer weiß schon. Ergebnis: Interessiert wirklich fast keine Sau.

      • Susanne Kardel 26. Oktober 2014 um 12:50 Uhr

        Es ist nicht immer Desinteresse, wenn jemand nicht in eine öffentliche Diskussion einsteigt. Ich für meinen Teil kann sagen, dass ich die Beiträge hier fast bis zum Ende sehr interessiert verfolgt habe, nur eben nicht der Typ bin, der gerne öffentlich diskutiert, d.h. aber nicht, dass ich mir nicht auch viele persönliche Gedanken zu diesem Thema gemacht habe, manches im Alltag längst umsetze.

        Mag sein, dass diese Diskussion nicht die breite Masse trifft und doch glaube ich, dass es mehr Menschen interessiert als Du denkst, Markus, und zum Nachdenken anregt. Ich selber bin jedenfalls dankbar für Deinen Anstoß und die vielen guten Beiträge hier auf dem Blog! Vielen Anderen geht es vielleicht ebenso und letztendlich ist doch das das Entscheidende: nicht dass jeder kräftig mitdiskutiert, sondern dass er angestoßen ist zum Handeln und es auch (irgendwann) tut! Veränderung im Kleinen. That’s my way.

        Und einen Satz noch: Wenn ich sehe, dass die junge Generation anfängt Bücher zu lesen wie „Selbstdenken – eine Anleitung zum Widerstand“ (Harald Welzer), dann ist auch das etwas, was für die Zukunft hoffen lässt…

      • Markus Bäuchle
        Markus Bäuchle 28. Oktober 2014 um 17:32 Uhr

        Vielen Dank für den Mutmacher, Susanne! Und für den Buchtipp. Werde es trotz fortgeschrittenen Alters demnächst lesen 😉

  15. Markus Bäuchle
    Markus Bäuchle 26. Oktober 2014 um 8:40 Uhr - Antworten

    Liebe Leute,

    es ist ja ganz nett Link-Ping-Pong zu spielen, aber das führt nicht wirklich weiter. Fangt doch mal bei Euch selber an. Stephan, Du schreibst Du seist dabei, wenn wir einen neuen Blog ausprobieren. Welches ist Dein Projekt, Deine Welt und vielleicht die Welt ein wenig zu verändern? Nenad, Du bist auch eingeladen, Dein revolutionäres Potential positiv umzusetzen 😉

    PS: Nenad, ich kann nicht ganze Texte ´, die auf anderen Webseiten veröffentlicht sind, einfach hier auch laufen lassen. Erstens scheint das Copyright ungeklärt, zum anderen straft Google Double Content erbarmungslos ab und unsere Seite wird nicht mehr gelistet, wenn wir Content einfach kopieren. Wenn Du Dir die Mühe machst, Wimmers Position mit eigenen Worten zu beschreiben und mit kurzen Zitaten (1-2 Sätze) zu belegen, ist das was anderes.

  16. Nenad Ptic 24. Oktober 2014 um 17:24 Uhr - Antworten
  17. Stephan 21. Oktober 2014 um 16:45 Uhr - Antworten

    @Nenad

    auch da bin ich voll bei Dir…..

    Hier lasse ich auch wieder einen ran der es einfach besser in Worte fassen kann 🙂
    http://www.youtube.com/watch?v=ryUo4B5rj9o

    • Nenad Ptic 22. Oktober 2014 um 20:07 Uhr - Antworten

      Absolut Klasse! 😉

  18. Nenad Ptic 21. Oktober 2014 um 7:17 Uhr - Antworten

    Ich hatte gestern ein Erlebnis, das so richtig typisch fuer Deutschland ist: Ich mache ja Strassenmusik und habe immer meine drei Hunde mit dabei. Die sind die meiste Zeit angeleint. Nur wenn ich nach vier, fuenf Stunden Feierabend mache, lasse ich sie kurz laufen. In diesen paar Minuten packe ich mein Zeug zusammen, lege die Hunde wieder an die Leine und gehe zum Auto. Und genau da kommt gestern so ein Typ mit seinem Hund (angeleint) und haelt mir einen Vortrag ueber Leinenpflicht! Ich hatte eh einen schlechten Tag und da kommt also dieses Arschloch und haelt mir Vortraege. Als er auch noch meint, dass er dafuer sorgen koennte, dass ich meine Tageseinnahmen verliere, weil ich eine Strafe bezahlen muesste (€40), sage ich ihm, er solle sich verpissen. Da greift er zu seinem Handy und spricht ohne vorher gewaehlt zu haben folgenden Satz in das Teil: “Schick doch mal die Bereitschaft hierher!” Ich fange an zu lachen, leine aber meine Hunde an, weil ich das sowieso machen wollte. Er denkt, er haette gewonnen und stapft davon.

    Nun, mal ganz abgesehen davon, dass ich mich frage woher er wissen will, wie hoch meinen Tageseinnahmen sind, muss ich mich immerwieder darueber wundern, was fuer Arschgeigen hier rumlaufen!

    Die Deutschen: nach aussen hin tolerant und weltgewandt aber tief drin immer noch Spiesser und Denunzianten. Leben wie die Maden im Speck und sind trotzdem unzufrieden. Statt ihren Frust bei den Politikern abzuladen, machen sie lieber anderen Leuten das Leben schwer, wie z.B. ihren Nachbarn. Mischen sich in anderer Leute Angelegenheiten, statt mal vor der eigenen Haustuer zu kehren. “Leben und leben lassen” ist ein absolutes “no go”.

    Das, meine liebe Petra, sind die Efahrungen, die ich jetzt wieder nach einem Jahr in Deutschland gemacht habe. Manchmal sehne ich mich doch echt nach Irrland zurueck, trotz des Wahnsinns, der dort abgeht.

  19. Stephan 17. Oktober 2014 um 8:04 Uhr - Antworten

    @Nenad

    da ist ganz sicher einiges dran…..problematisch finde ich nur das er es nicht im deutschen Fernsehen erzählt ( oder erzählen darf ) sondern im russischen Staatsfernsehen. Darüberhinaus ist mir Ulfkotte in letzter Zeit durch einige abstruse Statements bitter aufgestoßen. Aber da sollte man differenzieren……

    die Nachdenkseiten widmen sich im übrigen heute und schon einige Zeit länger diesem Thema !

  20. Nenad Ptic 17. Oktober 2014 um 6:45 Uhr - Antworten

    The Budget 2015. Ein Versuch der irischen Regierung, die Leute zu beruhigen. Doch es kann gut sein, dass es nicht klappen wird. Hoffe ich zumindest. Clare Daly bringt es mal wieder auf den Punkt: https://www.youtube.com/watch?v=N43EUb7388k

  21. Nenad Ptic 15. Oktober 2014 um 19:59 Uhr - Antworten

    Here’s another one for you: https://www.youtube.com/watch?v=b40ya3kgcdY

  22. Stephan 14. Oktober 2014 um 16:49 Uhr - Antworten

    @Nenad

    auch großartig….Uthoffs legendärer Nachruf auf die FDP
    http://www.youtube.com/watch?v=x0qcytXTHbU

  23. Stephan 13. Oktober 2014 um 15:47 Uhr - Antworten

    @Petra

    Besser kann man den Zustand in Deutschland und der Welt kaum beschreiben. Vielleicht müssen wir wirklich unsere kleinen Veränderungen, in unserem Mikrokosmos angehen und erkämpfen, um nicht zu verzweifeln. Ich hatte gerade am Wochenende wieder einen lange Debatte mit meiner Mutter ( alte SPDlerin ) über Zustand dieser Partei und der Politik in Deutschland. Sie glaubt wirklich das läuft schon alles gut……da möchte man resignieren.

  24. Stephan 12. Oktober 2014 um 12:25 Uhr - Antworten

    immerhin gab es europaweit nun doch einige Proteste gegen die Willkür bei den Freihandelsabkommen. Auch wenn bislang 489.000 Unterschriften in ganz Europa eher beschämend sind darf man sich gerne noch anschließen

    https://www.campact.de/ttip-ebi/ebi-appell/teilnehmen/

  25. […] trotz oder wegen der vielen Kriege und Krisen in der Welt.  Das Lamento mit der Headline “Interessiert keine Sau”  provozierte bislang immerhin 46 Kommentare — und entgegen aller Erwartungen wird munter […]

    • Nenad Ptic 9. November 2014 um 8:32 Uhr - Antworten

      Ist zwar OT aber trotzdem erwaehnenswert:

      In Fort Lauderdale, Florida haben der regierende Buergermeister und seine Politiker per Gesetz entschieden, dass Obdachlose nicht mehr “gefuettert” werden duerfen. Also keine Essensausgabe ala “Tafel” mehr, weder von der Kirche, noch von sonst jemandem. Wer dagegen verstoesst, muss mit 60 Tagen Knast und 500 Dollar Strafe rechnen.

      Begruendung: Man will den Zuwachs von Obdachlosigkeit verhindern. So ganz nach dem Motto, wenn man diese Leute fuettert, gibt es immer mehr Obdachlose, weil keiner mehr arbeiten gehen will und sich auf die faule Haut legt.

      Das muss man sich mal vorstellen: Dass es so etwas ueberhaupt gibt und auch noch geduldet wird ist ja schon der Hammer! Als ob sich irgendjemand freiwillig dafuer entscheidet obdachlos zu sein …

      Erinnert mich irgendwie an das Verbot zur Fuetterung von Tauben.

      Erinnert mich auch an den zweiten Teil des Films “Das Omen”. Da gibt es einen Grosskonzern, der sich fuer den Hunger in der Welt einsetzt. Dieser Konzern ist das absolut Boese. Wegen der begrenzten Resourcen, muessen arme Menschen hungern. In Wirklichkeit will man jedoch die ganze Menschheit vernichten.

      Fuer mich ist das schon lange keine Fiktion mehr, sondern Realitaet! Gerade was Amerika angeht, wo die Kluft zwischen arm und reich immer groesser wird, wundert mich nix mehr.

      Das, meine lieben Leute, ist die neue Weltordnung.

      http://www.theguardian.com/us-news/2014/nov/05/fort-lauderdale-pastors-arnold-abbott-arrested-feeding-homeless

      • Stephan 18. November 2014 um 18:27 Uhr

        Das Land dem Deutschland blind gehorcht und folgt….siehe Obamas kranke Rede vor der NATO ! Und nichts wird hinterfragt weil alle Medien schon eingenordet und gleichgeschaltet sind !

      • Nenad Ptic 18. November 2014 um 21:14 Uhr

        Die neue Weltordnung …

  26. Nenad Ptic 12. Oktober 2014 um 8:29 Uhr - Antworten

    Max Uthoff ist Klasse! Uebrigens: Habt ihr schon die neusten Proteste in Dublin mitbekommen? Es scheint, als ob die Iren endlich ihren Arsch hochkriegen. Wurde auch mal Zeit! Ich kann nur sagen: weiter so! In Deutschland dagegen: Dornroeschenschlaf … zzzzz

    • Petra D. 12. Oktober 2014 um 20:28 Uhr - Antworten

      Ja Nenad, eine Riesendemo in Dublin gegen die Einführung der neuen Wassergebühr. Aber was wird folgen? Die irischen Politiker sind bekannt dafür, die Dinge Kohl-mäßig auszusitzen (Merkel scheint die gleiche Tendenz zu haben).

      Es gab ja hier in Irland schon öfter große Demos und sogar ein paar wilde Aktionen. Aber irgendwann verläppert sich das – und es geschieht nichts. Zumal die Eintreibung der Wassergebühr an eine semi-private Organisation (quango) vergeben wurde und die Politiker sagen können “sorry guys, it’s out of our hands”.
      Ich bin da nach fast 20 Jahren in Irland vielleicht arg desillusioniert.

      Für die, die die (drei dies, schlechtes Deutsch, but feck it) Situation in Irland nicht kennen:
      Der Staat kassiert immer mehr ab. Nach der “household charge” (Gemeindegebühr pro Haus) und der “property tax” (Grundsteuer), beides unbekannt in Irland bislang, weil Hausbesitz als unantastbares Recht galt, kommt nun die “water charge”, also eine eigentlich (!) sinnvolle Wassergebühr.

      Wasser war in Irland bislang umsonst, jibbet ja jenuch davon. Nur sind die veralteten Leitungen marode, viel Wasser durch Lecks versickert, und oft ist es schlichtweg nicht trinkbar, weil verunreinigt. In diesem Sinne würde ich eine vernünftige Wassergebühr durchaus zahlen, wenn mit dem Geld das marode System saniert werden würde. Das schließt auch Abwasser ein.

      Tatsache ist aber, dass solche Gebühren mutmaßlich nicht nur für hohe Gehälter der Wassereintreiber verwendet werden, sondern zur Abzahlung der Staatschulden. Die vernünftige Ver- und Entsorgung von Wasser jedenfalls sehe ich damit nicht abgedeckt.
      Vielleicht liege ich schief, aber meistens habe ich recht 🙂

      Schön ist, dass die Leute auf die Straße gehen, aber sie tun es m. E. aus den global und ökologisch falschen Gründen, nämlich weil es um noch mehr Kohle geht, die abzudrücken ist. Kann ich nachvollziehen, ich weiß bald auch nicht mehr, wie ich all die Extras noch bezahlen soll (which I don’t 😉 ).

      Aber: Die Leute sollten dafür auf die Straße gehen, dass die Regierung in die Verantwortung genommen wird und auch Verantwortung übernimmt, also auch für die Sanierung der Wasserver- und -entsorgung.
      Stattdessen wird wieder ein Quango gegründet, damit die Politiker sich mit solchen Nichtigkeiten nicht abgeben müssen. Und (halb-)private Unternehmen kümmern sich bekanntermaßen einen Scheiß um Demos.

      Also alles Quark.
      Nach Ablage der Mistgabeln zahlen dann alle brav. Wetten?

      • Nenad Ptic 12. Oktober 2014 um 22:05 Uhr

        Ich hoffe, dass noch mehr Demos folgen! Vielleicht wird das eine Revolution und die Regierung wird endlich zum Teufel gejagt! Die Frage ist nur, was kommt dann? Wer regiert danach und wird es dadurch besser?

      • Petra D. 12. Oktober 2014 um 23:25 Uhr

        Revolution in Irland? Dream on.

        Schaut man sich die Geschichte Irlands an, war das, was nach jedem Aufstand kam, auch nicht besser. Oftmals auf sozialer Ebene sogar schlimmer. Jegliche Revolution, die nur das Alte umstürzen will, muss scheitern, wenn sie keine Vision und keine konkreten Pläne für das Neue hat – oder Leute an die Macht kommen, die eine schlimmere Vision als die alten Machthaber umsetzen (De Valera und sein Kirchenstaat anyone?)

        Ich weiß, wovon ich rede. Wie oft saßen wir in den Sponti-Kneipen und redeten von “Deutschland nach der Revolution”? Idealistisches Gewäsch, das den materiellen Charakter des Menschen schlichtweg unterschätzt und daher nur von Träumen schwafeln kann.

        Es gibt in Irland keine politische Alternative. Es gibt keine Geschichte der Parteien wie z. B. einst in Deutschland, nur Widerstand gegen “die Engländer”, was ja schon lange obsolet ist. Selbst Sinn Fein wird zur Partei der Realpolitik, wie schon lange die Grünen in Deutschland.

        Auch weltweit gibt es keine Parteipolitik mehr. Alle Parteien sind kapitalismus- und selbstorientiert. Vielleicht gibt es in Deutschland noch wirkliche Strömungen in der Linken, aber Lafontaine z.B. ist auch ein alter, oppurtunistischer Mauschelpolitiker. Es gibt keine Visionäre mehr, sondern nur noch Status-Quo-Profipolitiker.

        Ich wüsste nicht, welche Partei ich unterstützen könnte. Keine hat eine Vision, sie sind entweder dagegen (in der Opposition) oder dafür (in der Koalition), aber immer in der kapitalistischen Marktwirtschaft gefangen. Am Ende haben sie alle das gleiche Ziel: Macht und Wohlstand – für die Elite.

        Siehe IS (Islamischer Staat): Das begann als Widerstand in Syrien gegen einen Diktator, im Irak gegen was weiß ich (lange Analyse, aber hier kurz: wie vor allem die Amerikaner aus kapitalistischen Gründen eine Infrastruktur zerstörten, um an Öl und Bodenschätze zu kommen und damit eine Balance zerbrachen, die aus westlicher Sicht wohl nicht akzeptabel, aber dafür um einiges besser war, als was danach kam) – und setzt sich nun fort als ein blutrünstiges Umsichschlagen von allen Seiten.

        Und kein einziger Politiker hat eine konstruktive Idee, was mit der Weltsituation zu tun ist. Alle sind eingezuckert von westlichem Wohlstand und vom Arschsitzen. Da nützen weder Appelle noch Demos, wenn alles auf zugestöpselte Ohren trifft.

        Zurück zur irischen Politik: Die Insel ist klein, jeder kennt jeden, zumindest in bestimmten Zirkeln. Das läuft wie in einer Großfamilie: Man streitet sich, man hasst sich, es gibt die Rebellen, die Friedensmacher, die Machthaber und die Intriganten. Aber am Ende läuft alles auf den Konsens zu, den Status Quo beizubehalten, damit jeder ja nicht neu denken muss. Das “Volk” wird abgewunken, wie der Hund, der immer Aufmerksamkeit will und dann einen Tritt kriegt.

        Ich hoffe aber, dass du diesmal recht hast und vielleicht die Iren wirklich die Schnauze voll haben. Aber, wie du sagtest, was dann?

  27. Stephan 11. Oktober 2014 um 12:43 Uhr - Antworten

    in der Tat…..oder mein derzeitiger Favorit !
    http://www.youtube.com/watch?v=mXzA6JBV1hM

  28. Nenad Ptic 10. Oktober 2014 um 19:01 Uhr - Antworten

    Auch sehens- und hoerenswert: https://www.youtube.com/watch?v=SpzGQg5KbCI

  29. Stephan 9. Oktober 2014 um 8:18 Uhr - Antworten

    im übrigen wissen wir seit Erwin Pelzig wer die Welt wirklich lenkt und regiert

    http://www.youtube.com/watch?v=1h1GaoAd8Hs

  30. Stephan 9. Oktober 2014 um 8:11 Uhr - Antworten

    @Markus
    http://bauch-laden.net/……coole Idee ! Ich bin dabei !
    @Petra
    sehr witziger Einblick in deinen irischen Alltag. Aber wenn du glaubst hier in Deutschland würden noch
    Massendemos stattfinden……die Zeiten sind Geschichte. Stuttgart 21 war da eine Ausnahme und vielleicht ein
    letztes kleines Aufbäumen.
    @Nenad
    denke schon das die Zustimmung für Merkel real ist. Wenn man wie 99 % aller deutschen nur einen flüchtigen Blick auf dieses Land und seine Kanzlerin wirft auch kein Wunder. Und die Vernetzung schön und gut aber auch dort wird die wenigste Energie in vernünftige Projekte und Diskussionen gesteckt. Narzismuss 2.0 ist bei den meisen angesagt und nicht unangenehme Wahrheiten herausfinden 🙁

  31. Nenad Ptic 9. Oktober 2014 um 7:23 Uhr - Antworten

    Petra, alles richtig was du sagst. Schade, dass wir die Chance verpasst haben uns mal persoenlich kennenzulernen. Ich haette mich gerne mit dir in der Lane unterhalten, gegenueber in der Mocha Coffee Bar, bei einer schoenen Tasse Kaffee. Gerade nach diesen heissen Diskussionen habe ich manchmal nach dir Ausschau gehalten und gehofft, dass du dich mal blicken laesst 🙂 Naja, wer weiss …

    Ein Freund von mir, frueher ein absoluter Revolutzer, heute Lehrer an einer Berufsschule, sagte vor nicht all zu langer Zeit sowas wie: Wir haben frueher ueberall demonstriert, gegen dies und jenes, waren ueberall dabei. Was hat es geholfen? Nix!

    Nun, ich werde bald 52, habe frueher nie demonstriert, mache es aber jetzt 😀

    Der Unterschied zu frueher ist die Vernetzung durch das Internet. Das sollte man nicht unterschaetzen. Ich glaube, dass sich uns hier die Moeglichkeit bietet etwas zum positiven zu veraendern. Schliesslich geht es ja nicht nur um Muelltrennung, sondern um Krieg oder Frieden. Ich sprach ja schon von Aufklaerung. Meinungen entstehen nicht einfach, sondern werden von den Mainstream-Medien gemacht. Die Leute glauben das. Doch jetzt kann jeder mit ein paar Mausklicks die Wahrheit selbst herausfinden, sofern er sich darum bemueht. Ich weiss, das ist ein bisschen vereinfacht formulliert aber die Moeglichkeit besteht.

    • Petra D. 12. Oktober 2014 um 21:36 Uhr - Antworten

      Nenad schrieb: “Petra, alles richtig was du sagst.”

      Weiß ich doch. Ich habe immer recht. Schön, dass du das endlich einsiehst 😀
      Ich weiß, out of context und so …

      “Schade, dass wir die Chance verpasst haben uns mal persoenlich kennenzulernen. Ich haette mich gerne mit dir in der Lane unterhalten, gegenueber in der Mocha Coffee Bar, bei einer schoenen Tasse Kaffee. Gerade nach diesen heissen Diskussionen habe ich manchmal nach dir Ausschau gehalten und gehofft, dass du dich mal blicken laesst 🙂 Naja, wer weiss …”

      Yeah, many a man regrets not having met me … and so they should 😀

      Ich habe mich blicken lassen, dir auch mal im Vorbeigehen zugezwinkert – und mich über deine runtergefallene Kinnlade amüsiert. Aber schön, dass du auch mit runtergefallener Kinnlade ohne aus dem Ton zu kommen weitersingen kannst. Chapeau!
      Meist guckte ich aber auf deinen Hund. Ich mag Hunde lieber als Menschen, glaube ich.
      Und die Mocha Bar ist mir eh zu schattig.
      Aber wer weiß – wie du schon sagtest.

      Für andere Leser: Nenad und ich haben Internetkriegsgeschichte, deswegen sei mir dieser kleine Exkurs verziehen.

      Außerdem habe ich hiermit den 50. Beitrag zu diesem Blogartikel von Markus geschrieben.
      Kriege ich jetzt dafür ein Eis? (Vanille, bitte)

      • Nenad Ptic 12. Oktober 2014 um 21:57 Uhr

        Ach du warst das! 😀

  32. Markus Bäuchle
    Markus Bäuchle 9. Oktober 2014 um 6:53 Uhr - Antworten

    Wir können nun ewig über die Lage der Welt weiter klagen und schimpfen bis zum übernächsten Morgengrauen. Wir können aber auch das eigene Leben nehmen und in unserem Rahmen gezielt versuchen, das zu ändern, von dem wir glauben, dass es geändert werden muss: den Konsumwahn eindämmen, bescheidener leben, der Fleisch-, der Plastik- , der Auto- oder der Verschwendungs-Industrie die kalte Schulter zeigen, Konventionen und Bequemlichkeit enttarnen, neue Wege gehen, anders sein, etwas riskieren, Vorbild sein.

    Ich habe über die letzten Monate hinweg Ideen zum Thema gesammelt und sie einfach ziemlich wahjllos in ein Blogformat gefüllt. Wir könnten uns individuell für Projekte entschließen und die Umsetzung regelmäßig auf einem Blog dokumentieren. “Einfach anders leben” . Hat jemand Lust dazu? Schau hier:

    http://bauch-laden.net/

  33. Petra D. 8. Oktober 2014 um 23:03 Uhr - Antworten

    Wow, was für eine Diskussion! Fast wie in alten Zeiten, nur zivilisierter.

    Markus, als du oben einen Lesezirkel erwähntest, dachte ich im ersten Moment, du schlägst einen Kapitalkurs vor. Brauchen wir nicht mehr, gell? Obwohl Marxens Kapital immer noch Wahrheiten spricht, die aber an der menschlichen Natur völlig vorbeigehen, wie oben schon mal jemand erwähnte.

    Diskussion ist ja schön und gut, und ich freue mich, dass so etwas noch möglich ist. Hier in der irischen Pampa fehlt mir das geradezu schmerzlich und zwar im Alltag, nicht im Net.

    Aber in meiner langen Erfahrung weiß ich auch, dass weder Diskussionen noch gute Vorsätze etwas ändern. Auch keine Ideale von einer heilen Welt. In Irland (in Deutschland auch) kannst du dir die Zunge wund diskutieren, und je mehr Bier oder Wein, desto revolutionärer. Aber am nächsten Morgen geht’s wieder um die Hypothek, die unbezahlten Rechnungen und den Job. Wollten wir nicht was unternehmen? Ah feck it.

    In Sachen Ökologie: Es gibt kleine und individuelle Ansätze im eigenen Umfeld, und damit meine ich nicht die Mülltrennung oder das eigene Verhalten. Das versteht sich ja wohl von selbst.

    Zum Beispiel wurde in meiner kleinen Cottage-Siedlung stets von den anderen Häuslebesitzern mit Leidenschaft Unkrautvernichter gespritzt, weil Unkrautjäten ja so anstrengend ist. Es war ein langer Kampf und kostete viel Überredung, dass das nicht so geht. Mit schönen Beispielen, was das Gift dem Grundwasser antut, der eigenen Gesundheit und, viel wichtiger, dem wertvollen Vieh. Es wird nicht mehr gespritzt in meiner Umgebung. Wohl weniger, weil ich so überzeugend mit Argumenten war, sondern weil ich (als Skorpion) einen ganz starren, bösen Blick habe, wenn ich jemanden erwische. Das scheint ans katholische Schuldgefühl zu rühren … play with what you’ve got. Kleine Siege.
    Dafür ist mein “Garten” eher eine, nun ja, interessante Wildnis.

    Kurzum, bei der Erziehung der Menschen im Umfeld muss man anfangen, nicht bei der großen Selbstverleugnung, wie nur noch kaufen, was man braucht. Na gut, das ist auch wichtig. Aber wer definiert, was man braucht in dieser neuen Welt? (Ich brauche z. B. Parfum, ein absoluter bürgerlicher Luxus, aber für mich notwendig fürs Wohlbefinden, selbst beim Steinewerfen auf Demos … und, ähm, Lippenstift…).

    In Sachen Politik sieht es in Irland ziemlich mau aus. Nenad sprach das ja auf die eine oder andere, auf jeden Fall für ihn typisch emotionale Art an. Aber er hat in vielerlei Hinsicht recht.
    Irische Analytiker der irischen politischen Befindlichkeit gibt es einige, die aber meistens auf typisch irische Art ins Abseits geschossen bzw. zu Tode geschwiegen werden, sei es tatsächlich auf der politischen Bühne, sei es in Blogs oder sonstwie im Internet.

    Ich war früher hier in Irland auf einigen (Öko-)Demos und kam mir als alte linke Berlinerin ziemlich doof vor. Es waren nie Massendemos, immer nur ein Häuflein “crusties”, wie sie hier genannt und nicht ernstgenommen werden.
    Aber davon abgesehen war auch damals in meiner Jugend die Arbeiterklasse in Deutschland mehr mit ihrem Status Quo und dem Aufstieg in die Mittelklasse beschäftigt als mit unseren Flugblättern und Aktionen zur Arbeiterrevolution (lacht nicht, damals glaubte ich daran). Es hat sich also nichts verändert. Der Mensch ist nicht geschaffen als wahrhaft soziales Wesen, entgegen all den psychologischen Behauptungen. Es ist stets eine Clan-Wirtschaft.

    Wie ich persönlich konkret mit der irischen Politik umgehe? Bei Kommunal- und Europawahlen gehen die Kandidaten auch bei mir Klinkenputzen, weil ich wählen darf. Ich nehme ihr Anliegen tierisch (;-) ) ernst und befrage sie dazu (dem Internet und dem Selbstdarstellungsbedürfnis auf Websites sei dank für die Vorabrecherche). Beim letzten Mal fragte ich so sehr, dass der Blueshirt-Kandidat erst verbal aggressiv wurde und dann empört davonstapfte. Ich habe damit nichts gewonnen, vielleicht nur, dass er vielleicht lernte, dass es nicht nur Stimmvieh gibt. Kleine Schritte und so.

    Erwähnte ich, dass ich bei einigen Leuten im Umfeld nicht sehr beliebt bin? Kann ich mit leben. Aber sie respektieren mich, grudgingly. Und einige wenige Leute im Dorf sagten mir sogar unter der Hand, dass sie das toll finden und vielleicht eventuell auch möglicherweise … Erziehung ist ein langer Weg und Vorbild sein (zu möchten) braucht viel Kraft. Lohnt sich aber, wenn man winzige Verbesserungen sieht.

    Veränderung kommt nur von unten. Nicht nur bei sich selbst, sondern indem man wie die Atlantikwellen den Fels langsam unterhöhlt. Habe ich hübsch gesagt, gell? So irisch.

    Aber es wirkt längerfristig, mehr als der eigene Verzicht, wie oben vorgeschlagen. Der bewirkt nur, dass man sich miserabel fühlt. Und miserable Weltverbesserer sind nicht gerade überzeugend.

    Na gut, bestimmter Konsum muss nicht sein, also kein neuestes Auto, kein Superflachbildschirmfernseher (ich habe gar kein TV, ich habe ein Hirn – und Bücher), nicht die allerneueste Mode (Gucken ist aber schön) und schon gar nicht Fast Food und Fertiggerichte. Selber und gesund kochen ist aber auch ein Luxus, den man sich erst mal leisten können muss.

    Sagte Brecht nicht mal sowas wie “Hummer für alle”? Nessa, the clever Beagle Queen of Feakle Cottage sagt: “Sausages for all, for me two, or make it three, while you’re at it!”
    Hunde, gell?

    • Markus Bäuchle
      Markus Bäuchle 9. Oktober 2014 um 7:05 Uhr - Antworten

      Liebe Petra, Du wirst konkret, schreibst über Deine Möglichkeiten. Das ist ein Weg. Vielleicht kann man noch ein paar Verstärker einbauen: Tu Richtiges (und rede drüber, gerne via Internet, siehe unten). Machst Du mit? Ein kleines Projekt, das sich ideal zum Prokrastinieren eignet 😉

  34. Stephan 8. Oktober 2014 um 18:43 Uhr - Antworten

    Nenad, die Beliebheitswerte für Angie gehen fast durch die Decke. Ihre Politik der marktkonformen Demokratie ist an Zynismus gar nicht mehr zu toppen. Kann mich nicht erinnern von mir mal ein klares Statement zu irgendeinem heiklen Thema gehört zu haben. Sie sitz wie Helmut Kohl alles einfach aus und die Leute folgen ihr. Der ganze Bundestag ist ein Schweinestall voller Lobbyisten. Wenn ich auch nur etwas im Bekanntenkreis mit Politik anspreche schauen mich die Leute fassungslos an als würde ich das Vaterland verraten. Und die wenigen die meine Meinungen teilen sind resigniert oder länsgt zu satt und bequem für sich oder andere etwas zu ändern. Und ich kann es ihnen nicht mal sonderlich verübeln 🙁

    • Nenad Ptic 8. Oktober 2014 um 19:50 Uhr - Antworten

      Ich bezweifle, dass diese Beliebheitswerte echt sind. Du weisst ja, Meinungen werden gemacht und wenn man den Leuten lange genug erzaehlt wie beliebt Angie ist, dann glauben die das auch.

  35. Markus Bäuchle
    Markus Bäuchle 8. Oktober 2014 um 15:45 Uhr - Antworten

    Die Wirtschaft raubt uns selbst den Schlaf:

    Gerade im Spiegel gelesen: “In der Analyse des marxistisch geschulten Kunsttheoretikers Jonathan Crary wirken vor allem zwei Organisationen auf das Ende des Schlafes hin, zumindest so wie wir ihn bis jetzt kennen: das Militär und die Wirtschaft. Das Militär will leistungsstärkere Kämpfer entwickeln, die Wirtschaft kauffreudigere Konsumenten. Entsprechend formuliert Crary in Bezug aufs Kaufgebot der westlichen Warenwelt: “Schlaf ist die kompromisslose Unterbrechung der uns vom Kapitalismus geraubten Zeit.

    Immer wach, immer überwacht

    Diese Augapfelkontrolle sei inzwischen total. Die von Google-Chef Eric Schmidt Ende der Neunzigerjahre geprägte Idee der Aufmerksamkeitsökonomie werde laut Crary dazu genutzt, die Herrschaft über die “Reste des Alltags” zu gewinnen. Die These ist nicht neu, aber wie sie der Autor einsetzt, um die Dystopie einer immer wachen, also auch immer überwachbaren Gesellschaft zu zeichnen, das hat es schon in sich.

    So wie Schlafentzug ja ganz konkret als Verhör- und Foltermethode eingesetzt wird – die Erkenntnisse über Guantanamo und Abu Ghuraib belegen das -, kann der von Crary beschworene Angriff auf die letzten Ruhezonen des Menschen zu einer Art institutionalisiertem Terror gedeutet werden. Google als Guantanamo des sich selbst optimierenden Internetnutzers,. . . ”

    Das Buch heißt 24/7 – Schlaflos im Spätkapitalismus.
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/schlaflosigkeit-jonathan-crary-ueber-schlaflose-gesellschaft-a-995525.html

    • Nenad Ptic 8. Oktober 2014 um 19:47 Uhr - Antworten

      “Das Militär will leistungsstärkere Kämpfer entwickeln, die Wirtschaft kauffreudigere Konsumenten …

      … und nimmermuede Arbeitssklaven” haette ich noch zu ergaenzen. Ein sehr interessaneter Artikel. Das Buch sollte man kaufen und lesen.

  36. Stephan 8. Oktober 2014 um 15:40 Uhr - Antworten

    Hi Nenad

    Ich kann Irland nur aus der Sicht des Urlaubers betrachten. Aber immerhin reise ich schon fast 25 Jahre mindestens einmal im Jahr dorthin und wir haben einige irische und deutsche Freunde auf der Insel. Dennoch kann ich das “wirkliche” Leben dort nur unzureichend beurteilen.Ich liebe das Land nach wie vor auch wenn sich auch aus meiner fernen Sicht viele zum negativen verändert hat. Aber das nur am Rande…..

    Kommen wir zu dem Land das wir beide gut beurteilen können 🙂 Es wird uns doch nur suggeriert das uns gut geht. Deutschland ist ein Moloch aus Zeitarbeit, Generatioungerechtigkeit und Export. Die dringenden Probleme der Gesundheit, Bildung und Rente werden uns irgendwann unweigerlich um die Ohren fliegen. Stattdessen spielen wir jetzt wieder Weltpolizei. Die Rüstungsexporte schnellen unaufhaltsam in die Höhe wir werden von einer Horde kalter und berechnender Berufspolitiker regiert deren Horzont nur von einer Legislaturperiode zur nächsten reicht.Gauck dieser selbstverliebte Gokel treibt gemeinsam mit Steinmeier und der kühlen Ursula endlich wieder endlich wieder dahin, wo uns Willy Brand nie wieder sehen wollte. Kein Wort in keinem Parteiprogramm über Szenarien wie wir Gesellschaft in 20 oder 30 Jahren gestalten wollen oder wenigstens die dringendsten Umweltzerstörungen in den Griff bekommen könnten.Hier und jetzt mitnehmen was geht ist die Devise fast aller Deutschen. Wir sind ein Volk von selbstgerechten Arschgeigen geworden. Wenn es darum geht die Kachelmanns,Ackermanns,Guttenbergs oder Wulffs der Welt mit Dreck zu bewerfen, kommen Hunderttausende online hinterm Ofen vor. Aber bei besagten Friedensdemos verlieren sich eine Handvoll Leute und ringen nach ein wenig Aufmerksamkeit

    • Nenad Ptic 8. Oktober 2014 um 17:33 Uhr - Antworten

      Stephan, du sprichst mir aus dem Herzen! Der Sozialstaat wird immer schneller abgebaut. Doch warum sehen die Leute das nicht? Weil sie durch Halbwahrheiten und Luegen seitens der Politiker und Medien beinflusst werden. Wir werden jeden Tag nach Strich und Faden belogen. Uns wird eingeredet es waere kein Geld mehr da fuer Sozialschmarotzer. Dabei sitzen die wahren Sozialschmarotzer, die Asozialen im Bundestag und den Cheffetagen der Banken und Industrie! Karrieregeile Kreaturen, die schon lange ihr Gewissen verloren haben und ueber Leichen gehen. Die Gruenen sind fuer das allerbeste Beispiel dafuer. Wenn so jemand wie Jutta Ditfurth Friedensaktivisten als Nazis bezeichnet und der Rest dieser Bande zu allen Kriegsplaenen der Amerikaner und der NATO ja und amen sagt, dann sind DAS fuer mich die wahren Nazis! Arrogante, scheinheilige Verbrecher in Gruen! Gottseidank haben wir noch so jemand wie Oscar, Gysi und Wagenknecht im Bundestag, die diesen Heuchlern Paroli bieten. Problem ist nur, dass die Leute das nicht sehen oder sehen wollen!

  37. Nenad Ptic 8. Oktober 2014 um 15:13 Uhr - Antworten
  38. Stephan 8. Oktober 2014 um 11:36 Uhr - Antworten

    Hallo in die Runde,

    eine großartige Diskussion hier. Das sind ziemlich genau die Themen die mich zur Zeit “umtreiben”.Ich hatte vor 10 Jahren als ich selbstständig machte angefangen alles was nur ansatzweise mit Politik zu tun einfach zu ignorieren. Mit der Geburt unserer ersten Tochter 2013 hat sich das wieder schlagartig geändert. Ich habe begonnen Deutschland wie es sich im Augenblick für mich darstellt kritisch zu hinterfragen und je tiefer ich “bohrte” desto ernüchternder meine Gefühlslage. Ich habe anfangs noch Schröder gewählt und bin dann von den Grünen schwer enttäuscht mittlerweile auch ein Anhänger von Gysi und Wagenknecht geworden. Ohne die Partei in ihrer Struktur trotzdem zu hinterfragen. Was mich besonders schockiert ist die Gleichschaltung der Mainstream Medien. Ich bin geneigt meine Antworten bei den “Kollegen” Pispers, Rether, Priol, von Wagner oder Uthoff zu finden und lese gerne in den Nachdenkseiten und Spiegelfechter um überhaupt das Gefühl zu bekommen über Mißstände vernünftig aufgeklärt zu werden. Mittlerweile scheut sich weder Spiegel, Stern oder Tagesthemen in die völlig einseitige Berichterstattung ( Beispiel Putin ) einzustimmen.Eine Entwicklung die ich höchst bedauerlich und für sehr gefährlich halte

    • Nenad Ptic 8. Oktober 2014 um 12:41 Uhr - Antworten

      Hi Stephan!

      Ich kann das sehr gut nachvollziehen, weil uns ging es aehnlich. Frueher habe ich mich relativ wenig fuer Politik interessiert. Ich bin noch nicht mal waehlen gegangen. Doch die letzten zwei Jahre in Irrland haben mir die Augen geoffnet. Das liegt zum einen daran, dass es uns immer schlechter ging und wir anfingen Dinge zu hinterfragen. Je mehr wir erfuhren, desto mehr kam der Stein ins rollen. Danach gab es kein zurueck mehr. Du musst dir vorstellen, das TV Programm in Irrland ist richtig bescheiden. Gottseidank gibt es Internet und Broadband (Breitbandanschluss). Also schlossen wir kurzerhand den Laptop an den Fernseher an und hatten das beste Programm, das man sich nur wuenschen kann! Seitdem existiert fuer uns das regulaere TV-Programm sogut wie garnicht mehr. Letztens habe ich mir einen Film im ARD angesehen: “Die Ausserwaehlten”, die Geschichte der Odenwaldschule. Das war mal eine Ausnahme.

      Du musst dir vorstellen, die irischen Politiker sind dumme Raffhaelse. Was sie mit dem Volk machen ist so offensichtlich, dass wir uns als in Irrland lebende Deutsche immer gefragt haben, wann gehen die Leute endlich mal auf die Strasse? Wann gibt es endlich mal eine Revolution? Ich habe mich deshalb oft uber die Iren lustig gemacht und gesagt, dass sie ihren Arsch nicht hoch kriegen. Nach zehn Jahren Irrland sind wir wieder zurueck in Deutschland und soll ich dir was sagen? HIER IST ES GENAUSO !!! Nur mit dem Unterschied, dass es den Deutschen (noch) verhaeltnismaessig gut geht. Deshalb halten es die Meisten nicht fuer noetig aktiv zu werden. Sie merken nicht, dass es auf den Abgrund zugeht. Die Aktiven werden belaechelt und als Verschwoerungstheoretiker bezeichnet. Nun denn, ich bin ein Verschwoerungstheoretiker hoch zehn und werde mir das in Zukunft auf meine T-Shirts drucken lassen, damit die Leute von vornherein wissen, mit wem sie es zu tun haben 🙂

      Will sagen: in Deutschland findet eine Riesenverarschung statt, die von unsrern Volkverraetern und den Mainstream-Medien ausgeht. Doch hat das anscheinend bisher nur eine Minderheit mitbekommen! Geh mal auf die Friedensdemos/Mahnwachen und du wirst dich ueber die geringe Teilnehmerzahl wundern!

  39. Nenad Ptic 7. Oktober 2014 um 20:43 Uhr - Antworten

    Ueber das Thema “hunds-teure Pferde” in Irrland koennte ich ein Buch schreiben. Ueber Henry, mein Connemara-Pony, das ich Travellern abkaufte und ein Jahr lang bei uns neben dem Estate auf der Wiese pflegte und ueber den Winter brachte, mit Hagel, Ueberflutungen, naechtlichen Berfeiungsaktionen, damit es nicht ersaeuft. Ueber andere Pferde, die zwischendurch dort standen, wunderschoene Tiere, von denen einige dann beim Schlachter landeten. Darueber, wie ich versuchte einen geschuetzten Platz auf irgendeiner Farm zu finden, wo ich Henry haette unterbringen konnen, was mir aber nicht gelang, weil es einfach zu teuer gewesen waere. Wie ich ihn am Ende von einer Tierschutzorganisation habe abholen lassen und er dann zur Adption freigegeben wurde. Noch heute frage ich mich, wie es ihm wohl geht und ob er ueberhaupt noch lebt! Mein Henry, der so mir so sehr ans Herz gewachsen war und den ich trotzdem aufgeben musste … All die Pferde, die ueberall in Irrland elend zugrunde gehen, weil sie keiner mehr haben will. Eine Tragoedie!

    “Hunds-teure Pferde”! Gib dem Iren viel Geld und er dreht voellig durch …

  40. Nenad Ptic 7. Oktober 2014 um 13:26 Uhr - Antworten

    Ich moechte mal ein paar Diskussionspunkte aufgreifen:

    a) Politikverdrossenheit

    Natuerlich sind die Leute politikverdrossen. Aber genau das wollen unsere Volksverraeter und die Industrie. Die Leute sollen sich NICHT mit Politik beschaeftigen und waehlen gehen. Das macht es wesentlich einfacher den Poebel zu manipulieren und zu lenken. Wobei ich denke, dass es mittlerweile voellig Wurscht ist, wen man waehlt. Unsere Politiker sind Marionetten der Industrie. Mit Ausnahme der Linken vielleicht, sind alle anderen Parteien korrupt oder nicht der Rede wert. Ich denke da auch an Wahlbetrug. Wie kann es sein, dass so jemand wie Merkel staendig wiedergewaehlt wird? Entweder sind die Waehler voellig verbloedet oder es findet schlicht und einfach Wahlbetrug statt.

    Deshalb habe ich die Linken gewaehlt. Gut, viele von ihnen sind wegen iherer Stasivergangenheit erpressbar. Doch so jemand wie Lafontaine, Gysi und Wagenknecht sagen die Wahrheit und das ist was zaehlt. Haetten wir Lafontaine statt Merkel, wuerde in Deutschland vieles anders laufen. Besser. Davon bin ich ueberzeugt. Deshalb sage ich den Leuten, hoert auf TV zu glotzen und informiert euch ueber das Internet. Waehlt die LInke. Sie ist die einzige wahre Alternative in diesem Land. Wacht auf, demonstriert, geht der Obrigkeit auf den Sack und lernt endlich NEIN zu sagen.

    b) Wer sind die Guten, wer sind die Boesen

    Fuer mich sind die Amerikaner die Boesen. Nicht dass die Russen oder Chinesen besser waeren. Sie wuerden es genauso machen, nur sind sie nicht so stark wie die USA. Die Amis haben in der Zeit seit dem zweiten Weltkrieg mehr fuer Ruestung ausgegeben als alle anderen Laender zusamengenommen. Sie haben Kriege provoziert, finanziert und gefuehrt, haben Regime gestuerzt und dort ihre Marionetten installiert. Sie sind die kriegerischste Nation, die es jemals gegeben hat. Und warum? Weil sie die Welt beherrschen wollen. Sie wollen sich alle Bodenschaetze unter den Nagel reissen. Mit “alle” meine ich auch die von Russland und China. Daher ist es ihnen voellig egal, ob ein dritter Weltkrieg ausbricht oder ob es zumindest hier in Europa kracht. Die wollen das sogar, weil Krieg bedeutet fuer Profit. Natuerlich rede ich nicht davon, dass alle Amerikaner das wollen. Es geht um die kriegstreiberischen Kraefte innerhalb der amerikanischen Regierung, die im Auftrag einer handvoll groessenwahnsinniger Milliardaere handelt. Diese Psychopathen regieren die Welt.

    Was also ist die Loesung? Wie geht man dagegen vor? Das Zauberwort ist “Aufklaerung”. Die Menschen muessen darueber aufgeklaert werden! Gerade die Generaele und Soldaten, die sich als amerikanische Patrioten sehen, muessen wissen fuer wen sie da in den Krieg ziehen. Sie sind es, die den Befehl verweigern koennen und genau DAS macht den Psychopathen Angst!

    Ich persoenlich nehme den Mainstrem-Medien und unserer Regierung garnichts mehr ab. Ich mistraue ihnen total. Man muss sich einfach nur die Zeit nehmen und statt TV zo glotzen Dinge, die einen interessieren zu recherchieren. Fakten sammeln und zu einem Bild zudammenfuegen. Die Wahrheit kommt irgendwann ans Licht.

    c) Celtic Tiger 2.0

    Absoluter bullshit! Den gibt es nicht und wird es auch niemals geben. Das ist nur Propaganda, um den Poebel ruhig zu stimmen. Die Wahrheit ist: es wird den Iren immer schlechter gehen, so wie es den anderen EU-Staaten wie Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und sogar Frankreich ergeht. Wieso sollte es den Iren da besser gehen? Gibt ueberhaupt keinen Grund fuer. Eine irische Bekannte hatten mir vor kurzem einen SMS geschickt. Darin stand, dass sie wieder nach Spanien zurueckgeht, obwohl sie Jahre vorher schon mal dort war und nach Irrland zurueckkehrte, weil es in Spanien absolut beschissen sei. Jetzt ist sie mit ihrer Tochter nach Spanien zurueck, weil es in Irrland noch viel schlimmer ist! Das ist der wahre Indikator: die Auswanderung der irischen Bevoelkerung! Auch hier ist Recherche im Internet angesagt. Fakten sammeln und zusammenfuegen.

    Abschluessend moechte ich nochmal was zu Deutschland und den Deutschen sagen:

    Wer glaubt, dass uns das alles nicht zu jucken braucht, dass unser Wohlstand ewig waehrt und dass es hier niemals Krieg geben koennte, ist bloeder als der duemmste Ire, der mir jemals ueber den Weg gelaufen ist.

    • Dieter 7. Oktober 2014 um 14:33 Uhr - Antworten

      Ich muss mich korrigieren..

      Die Mehrheit HOFFT immer noch Gewinner im Kapitalismus zu sein ODER ZU WERDEN.

      Es gibt leider auch keine erstzunehmende Alternative zum Kapitalismus die auf Dauer nicht auch negative Folgen für die Mehrheit der Menschen hat. Lafontaine, Gysi und Wagenknecht ignorieren das.

    • Nenad Ptic 7. Oktober 2014 um 14:51 Uhr - Antworten

      Wie waere es mit einer fairen Marktwirtschaft, die allen Menschen dient und nicht nur ein paar Bonzen? Eine Marktwirtschaft, die niemanden ausbeutet und auch nicht den Planeten zerstoert auf dem wir Leben …

    • Inselpinsel 7. Oktober 2014 um 19:05 Uhr - Antworten

      Hört sich gut an. Fangen wir damit an, aufzuhören Zeug zu kaufen, das wir nicht wirklich brauchen, uns aber durch Werbung suggeriert wird, daß wir es brauchen.

      Etwas desillusioniert, denke ich, die einzige Möglichkeit zu wählen, hab ich nur mit meinem Geldbeutel.

    • Nenad Ptic 7. Oktober 2014 um 19:16 Uhr - Antworten

      Richtig! Aber dafuer muessten wir zuerst den Fernseher abschalten und uns auch vom Rest der Mainstream-Medien befreien. Und dann nur noch wirklich das kaufen, was wir zum Leben brauchen. Das waere schon mal ein guter Anfang …

    • Markus Bäuchle
      Markus Bäuchle 7. Oktober 2014 um 19:29 Uhr - Antworten

      Muessten? Machen wir es. Starten wir einen neuen Blog, auf dem wir diskutieren, was wir wirklich brauchen. Und wir kaufen nur noch das und protokollieren das 1 Jahr lang offen. Es gibt schon einige gute Projekte, etwa http://www.einfachbewusst.de . Dem Blog können sich Gleichgesinnte anschließen und mitmachen.

    • Nenad Ptic 7. Oktober 2014 um 19:48 Uhr - Antworten

      Von mir aus gerne. Ich bin dabei!

    • Inselpinsel 7. Oktober 2014 um 20:00 Uhr - Antworten

      Es ist nicht nur entscheidend was wir kaufen, sonder auch wo. – Ich treffe die Entscheidung gerne vor Ort.

      Anything that’s advertised on telly isn’t food, anything that has the same name in every country isn’t food. sag ich zu meinen Kindern, die verstehen. Nachdem sie mit der Schule fertig sind, verstehen sie nichts mehr.

      Aufklärung braucht Bildung. Unsere Schulsysteme sind veraltet seit der Industrialisierung.

    • Nenad Ptic 7. Oktober 2014 um 20:18 Uhr - Antworten

      Dazu faellt mir wieder die USA ein. Das beste “schlechte Beispiel”. Die Amerikaner fressen Muell, der noch nicht mal mit GMO gekennzeichnet wird. Fleisch, in dem soviel Chemie drinsteckt, dass man nach dem Verzehr im Dunkeln leuchtet! Zuckergesoeff, das sie taeglich literweise in sich reinschuetten. Alles Zeug, das einen todkrank macht! Sie geben es ihren Kindern zuhause, in der Schule und im Kindergarten. Jamie Olliver, der englische Koch war mal drueben und hat versucht den Kindern und Jugendlichen gesunde Nahrung zuzufuehren, ist aber letztendlich gescheitert, weil die Schulverordung per Gesetz dazu verpflichtet ist den Muell an die Schueler zu verfuettern. Und genau das alles wird auch zu uns kommen, sollte das Freihandelsabkommen jemals in die Tat umgesetzt werden. Gnade uns Gott!

    • Markus Bäuchle
      Markus Bäuchle 8. Oktober 2014 um 7:09 Uhr - Antworten

      @ Celtic tiger 2.0 Bullshit: Du verkennst, dass auch der Keltentiger eine extrem ungleiche und ungerechte Angelegenheit war. An der Sause nahm über ein Drittel der Bevölkerung überhaupt nicht teil. Aber ich merke, dass der obszöne New-Rich-and-Wealthy-Habitus der Profiteure bereits wieder aus allen Ecken tont. Während viele einfache Leute weiter leiden. Es gibt wohl einfach keine Balance in der labilen Lage, in der sich diese Gesellschaft befindet.

      • Nenad Ptic 8. Oktober 2014 um 8:31 Uhr

        Ich weiss was der Celtic Tiger war. Es war das Schlimmste, was den Iren passieren konnte! Deshalb habe ich “bullshit” dazugeschrieben. Betreff des Sunday Times Artikels meinte ich, dass man versucht den Leuten zu sugerieren, es gehe wieder aufwaerts. Die “austerity” sei vorbei und es gaebe wieder mehr Geld. Auch dafuer das Praedikat “bullshit”, denn nichts liegt der Wahrheit ferner als diese Art der Propaganda.

    • Dieter 8. Oktober 2014 um 7:20 Uhr - Antworten

      “Eine Marktwirtschaft, die niemanden ausbeutet und auch nicht den Planeten zerstoert auf dem wir Leben …”

      Schön wär’s… Locke, Hobbes, Kant, Hegel, Marx…. zu zitieren, würde hier den Rahmen sprengen. Der Mensch entspricht nicht einem Ideal mit dem das möglich wäre. Wer sollte das auch definieren? An diesem Paradoxon ist schon Marx gescheitert.

      Den Planeten zerstören wir allein aufgrund unserer Masse. Wer will dem Einhalt gebieten. Die chinesische ein-Kind Politik wiederspricht einfach meinem individuellen Freiheitsanspruch.

      • Nenad Ptic 8. Oktober 2014 um 8:40 Uhr

        “An diesem Paradoxon ist schon Marx gescheitert.”

        Tja, man darf die Hoffnung niemals aufgeben. Was die Zerstoerung des Planeten angeht, bin ich ein Anhaenger des Glaubens, dass nicht die Masse die zerstoererische Kraft ist, sondern der Raubtierkapitalismus. Eine zerstoererische, ausbeutende Industrie, die sich weder um den Menschen, noch um die Umwelt schert, sondern nur um den eigenen Profit und Wachstum. Das Krebsgeschwuer dieses Planeten. Ich denke, es ist genug fuer alle da, sofern man es gerecht verteilt.

  41. Inselpinsel 7. Oktober 2014 um 9:29 Uhr - Antworten

    Hochinteressante Geisterbeschwörung …

    Musste bei Gelesenem öfters zustimmend nicken. Rüpelhaftes, egozentrisches Verhalten, z.B. im dtschen Straßenverkehr, fällt besonders auf im Vergleich zu irischem Benehmen. Aus dem Weg hier komm ich, oder Sorry for being in your way.

    Die wahren Geister aber, die mir fehlen sind critical teen spirits. Wo ist die jugendliche Energie, der Welt eine bessere Lebensqualität zu verschaffen? – Get up, stand up, don’t give up the fight or occupy yourself?

    • Markus Bäuchle
      Markus Bäuchle 7. Oktober 2014 um 10:38 Uhr - Antworten

      Ja genau, IP, wo sind sie, die jungen engagierten Geister? Geistig vor der Playstation verhungert?

    • Nenad Ptic 7. Oktober 2014 um 12:22 Uhr - Antworten

      Ja doch, ich sehe sie! Sie campieren frierend die Nacht durch in mitgebrachten Schlafsaecken, aus voller Ueberzeugung und Leidenschaft, sturmgepeitscht aber unnachgiebig, unerschuetterlich in Leib& Seele … vor dem iPhone Laden, wo es das neueste Modell zu kaufen gibt. Die Auregung ist gross und endlich hat man es gekauft, packt es noch vor dem Laden aus und … es faellt auf den Boden! Absolute Katastrophe, wie von den Medien berichtet. Es gibt nichts schlimmeres ….

    • Inselpinsel 7. Oktober 2014 um 21:31 Uhr - Antworten

      Mein Sohn hat mir gerade bewiesen (alle Endsequenzen sind von x-videos gleich), daß das Video mit dem kaputten iPhone 6 gestellt war. Vielleicht sind sie doch mehr auf Zack als wir Ihnen zugestehen?

      • Nenad Ptic 8. Oktober 2014 um 8:41 Uhr

        Gut moeglich. Da sieht man jedoch mal wieder, wie die Medien arbeiten …

  42. Dieter 6. Oktober 2014 um 9:42 Uhr - Antworten

    Ich möchte mit einem Zitat beginnen:

    “Wenn in Amerika ein Klassenkampf tobt, ist meine Klasse dabei, ihn zu gewinnen” (Warren Buffett).

    In der Hoffnung nicht zu verlieren, haben wir uns alle auf diesen Krieg eingelassen. Und das weltweit. Es gibt kaum jemanden, der ernsthaft an Friedensverhandlungen interessiert ist.
    Die Iren sind vielleicht empfänglicher für die Teilnahme an diesem Krieg durch die Nähe zum großen Bruder Sam. In Deutschland haben wir uns auch darauf eingelassen und bauen unsere Solidargemeinschaft immer weiter zugunsten des Kapitalismus ab. Leider…
    Trotzdem sehe ich die aktuelle Situation hier, im Vergleich zu anderen Ländern, noch deutlich positiver. Hoffnung, dass das so bleibt bzw. sich wieder verbessert habe ich allerdings nicht.
    Die Geschichte lehrt uns, dass ein Krieg so lange geführt wird, bis alle Beteiligten nicht mehr an den eigenen Sieg glauben. Die Mehrheit glaubt immer noch Gewinner im Kapitalismus zu sein.

  43. Nenad Ptic 6. Oktober 2014 um 7:18 Uhr - Antworten

    Petra, ich war auch zehn Jahre nicht mehr in Deutschland und als wir vor rund einem Jahr wieder zurueckkehrten, waren wir gelinde gesagt ueberrascht, wie sich alles veraendert hat. Und das nicht nur zum Guten! Nach einem Jahr hab ich nun manchmal das Gefuehl, dass bestimmte Dinge in Irrland besser sind. Die Deutschen meckern an allem rum, sind trotz des Wohlstands unzufrieden und koennen das, was sie sich erarbeitet und gekauft haben nicht geniessen. Sie koennen ihr Leben nicht geniessen. Da hilft es nicht, wenn man mit seinem neuesten Mercedes, den man wohlgemerkt auf Finanzbasis gekauft hat, durch die Natur faehrt und von der Umgebung nicht viel mitbekommt. Am naechsten Morgen faehrt man mit gleichem Mercedes zur Arbeit und steht morgens und abends im Stau. Abends gibt es gutes Essen, eine Flasche Rotwein und Fernsehprogramm. So geht es tagaus, tagein. Where are you socializing? Nowhere! Die Leute verbunkern sich in den eigenen vier Waenden und reden nicht mehr miteinander. Wichtig ist, dass die Kohle stimmt. Alles andere ist Wurscht. Dabei merken sie schon, dass irgendwas nicht stimmt, koennen bzw. wollen sich nicht damit auseinandersetzen. Ist zu anstrengend. Konsum, Stress, Konsum, Stress, Urlaub, Konsum, Stress, Konsum, Stress, Urlaub … nix neues. Ganz normaler Wahnsinn der westlichen Wohlstandsgesellschaft. Eines hat sich jedoch veraendert. Man arbeitet heute mehr fuer weniger Gehalt. Der Druck ist groesser geworden. Die Lebensqualitaet schlechter. Die Leute werden versklavt!

    In Irrland hatten wir am Ende sogut wie nichts. Die letzten zwei Jahre dort waren Scheisse. Ich bin froh, dass wir es geschafft haben wegzukommen. Trotzdem habe ich viel daraus gelernt. Eben weil es uns so schlecht ging, sind wir bessere Menschen geworden! Ich habe gelernt Dinge kritischer zu sehen und zu hinterfragen, mit Leuten darueber zu reden, sich mit anderen darueber auseinander zu setzen, weil es ihnen genauso ging wie uns. Vor allem aber habe ich gelernt, mit dem bisschen das wir hatten auszukommen, das Beste daraus zu machen und das zu geniessen! Uns fehlt der irische Humor und Smalltalk. Die Deutschen sind groesstenteils grumpy fuckers!

    Ich koennte schon viel von dem, was jetzt passiert in meinem deutschen Blog schreiben, habe aber ehrlichgesagt keine Lust zu. Der einzige Grund warum ich bei FB bin, sind die guten Infos, die ich dort bekomme. Ausserdem setzte ich mich dort fuer die armen Hunde ein, die ueberall in Spanien, Rumaenien und sonst wo auf der Todesliste stehen.

    Alles in allem muss ich sagen, dass trotz der ganzen Scheisse, die wir in Irrland erlebt haben, es sich wirklich gelohnt hat mal aus Deutschland wegzukommen. Jetzt sind wir wieder hier und ich kann mit der Scheisse, die hier abgeht besser umgehen.

  44. Petra D. 5. Oktober 2014 um 22:01 Uhr - Antworten

    Nenad, ich war seit ca. zehn Jahren nicht mehr in Deutschland und kann mir die Stimmung einfach nicht vorstellen. Habe wirklich keine Ahnung mehr.

    Ich hatte im September zweimal Besuch aus D’land, jeweils Leute, denen es materiell gut geht, in einem Fall Leute, mit denen ich schon zu Uni-Zeiten in der WG wohnte, als Demos und Protestaktionen und nächtliche Diskussionen über die Welt “nach der Revolution” der Standard waren.

    Wir redeten im letzteren Fall, so scheint mir, ein bisschen von idealisierten Welten (bei gutem mitgebrachtem badischen Wein und Coq au Vin meinerseits – wie bourgeois), ich von Deutschland, wo alles klappt und man sich nicht mit irischer Hirnrissigkeit rumschlagen muss, meine alten Genossen von Irland, wo alles noch so urtümlich und unverbaut ist. Äpfel in Nachbars Garten oder so …

    Der zweite Besuch redete von seiner Angst vor Krieg, der auch Deutschland betreffen könnte, weswegen er sich hier bei mir in Irland einscheißen wollte (lange Geschichte, don’t ask), gewissermaßen als Fluchtpunkt, wenn der Islamische Staat/die Russen/Taliban/die Giftwolke/Erdbeben/Ostsee-Tsunamis/alle seine Ex-Frauen ihm den Boden unter den Füßen wegziehen wollen.

    Ebenso mein neuer amerikanischer Nachbar, der beim US-Militär ist (Ha! Ami go home!) und in Irland nach seinen Einsätzen den Frieden sucht. Mit mir als Nachbarin? Good luck with that – lololol!

    Kurzum: Schade, dass du keinen Blog mehr über deine Erfahrungen in Deutschland im Vergleich zu Irland schreibst. Mich würde wirklich interessieren, wie es einem ergeht, der Irland nach Jahren und einigem Frust mit großer Hoffnung verlassen hat und sich nun mit deutschen Realitäten rumschlägt.

    Ich bin nicht bei Facebook angemeldet, will ich auch nicht.

    On another note: Hier tobt der erste Herbststurm, es schüttet aus Eimern und ich habe erstmals wieder einen Winterpulli an. Aber das Kaminfeuer ist hübsch …

  45. Nenad Ptic 5. Oktober 2014 um 18:43 Uhr - Antworten

    Petra: Natuerlich reagieren die Leute auf mich und zwar durchaus positiv. Ich habe ziemlichen Erfolg mit dem was ich hier mache. In gewisser Weise war es auch so in Irrland. Ich hatte im Gegensatz zu vielen anderen mein Auskommen und war in einem kleinen Rahmen erfolgreich. Sonst haette ich die 10 Jahre dort nicht ueberlebt. Und dass uns der Nachbar nicht mag liegt einfach daran, dass er ein Arschloch ist. Aber darum geht es ja garnicht. Es geht vielmehr darum, dass gerade in Deutschland die Leute extrem naiv, egoistisch und bequem geworden sind. Nicht unbedingt in der Reihenfolge aber trotzdem fatal! Ausserdem haben alle Schiss um ihren Job, weil keiner als HartzIV Empfaenger enden will. Also haelt man schoen die Fresse, um ja nicht aufzufallen. Die meisten glotzen immer noch TV, obwohl es sich schon laengst rumgesprochen hat, dass es das groesste Verdummungsinstrument ist, das jemal erfunden wurde. Aber du kannst den Leuten erzaehlen was du willst. DIe glauben es erst dann, wenn sie mitten in der Scheisse stehen.

  46. Werner Thies 5. Oktober 2014 um 17:33 Uhr - Antworten

    Der gestrige Beitrag zu Christy Moore und der heutige – sehr nachdenkenswert.
    Ich weiß auch nicht, was hinter der Oberflächlichkeit und Ignoranz steckt. Es ist ja nicht nur in Irland so. Auch in Deutschland. Die Mehrzahl der Deutschen glaubt ja wirklich, dass es “uns” blendend geht und gehen Merkel auf den Leim. So blöd kann eigentlich niemand sein, sollte man meinen. Ist aber so.

  47. Petra D. 5. Oktober 2014 um 17:33 Uhr - Antworten

    Markus, bei manchen mag es Politikverdrossenheit sein, aber generell denke ich, dass es gerade einen Krisen-Overkill gibt. Das ist wie (bei mir) mit der Hausputzliste: Wo anfangen? Ach, morgen ist auch noch ein Tag …

    Ich lese jeden Morgen online die Nachrichten aus aller Welt und weiß nicht, was tun, außer heulen. Wo anfangen? “Früher” waren die Krisen überschaubarer oder doch zumindest in jeweiligen politischen Gruppierungen fokussiert. Da gab es unsere damalige Kampagne “Waffen für El Salvador”, da gab es Nicaragua, Chile, Hunger in Afrika und natürlich die USA (“Ami go home”) mit ihren diversen kriegerischen Verwicklungen. Und dann die RAF, die Hausbesetzerszene und was sonst noch auftauchte. Man wusste, wo man stand und wogegen oder wofür man kämpft.
    Und gekämpft haben wir, also wir in unseren jeweiligen linken/alternativen Interessengruppen. Sei es auf Demos, sei es durch Aktionen, sei es (in meinem Fall) als Journalistin.

    Wo anfangen heute? Und wo die Grenzen ziehen? Kann man Putins Gehampel um die Krim und die Ostukraine verurteilen, ohne die USA mit ihrem Gehampel im Nahen Osten nicht gleich auch in die Pfanne zu hauen? Kann man Muslime als böse verurteilen, nur weil der Selbstbehauptungskampf (von den Eingriffen des westlichen Kapitalismus stark angekratzt) einiger weniger völlig aus dem Ruder läuft und mit dem Islam nun gar nichts mehr zu tun hat? Um nur einige wenige krasse und vereinfachende Beispiele zu nennen, die mir gerade einfallen.
    Menschen sind brutale Raubtiere. Ist das erst einmal losgelassen, zeigt sich, wie dünn die Schicht von Kultur ist.

    Und in welchem Bereich soll man sich denn nun engagieren, ohne gleich Vollzeitaktivist/in zu werden? Pick & mix?
    Und was ist zu tun, wenn man relativ isoliert, also ohne Einbindung in einer Aktivistengruppe, in der irischen Pampa lebt? Soll ich mich z. B. auf die Dorfstraße stellen, mit einem Plakat bewaffnet (“Down with that sort of thing!”) und hoffen, dass damit etwas bewirkt wird?

    Sich einer irischen Aktivistengruppe anschließen ist ein Heuler. Die gibt es ja nicht. Die gehen eher auf die Straße, wenn ein Konzert eines abgetakelten Country-Sängers ausfällt, aber nicht doch gegen potenziellen Krieg.
    Und jetzt, wo es doch wieder “aufwärts” geht, wozu klagen?

    Tatsächlich finden zumindest bei mir die Kämpfe im Kleinen statt, der Kampf gegen Ignoranz, gegen Umweltverschmutzung, Tiermisshandlung und gegen allgemeine Kleingeistigkeit im Dorf. Macht mich nicht gerade beliebt, aber wenigstens behalte ich somit etwas von meiner politischen und ethischen Würde.

    Und was die guten alten Debatten in Foren angeht: Die sind ja nicht mehr möglich, da die Forenbetreiber oder Moderatoren solche Debatten flurbereinigen. Zu Leuten, die nur lieb sein wollen (im Sinne von Problemvermeidung) oder es intellektuell ohnehin nicht anders können, habe ich ein gestörtes Verhältnis. Und nach Jahren sehe ich es auch als Energieverschwendung an, mich wegen Kleinigkeiten zu fetzen, wenn die Welt zugrunde geht.

    Manchmal, wenn mir nach dem Nachrichten lesen morgens vor lauter Krisen der Kopf schwirrt, schalte ich um auf Websites, die z. B. über die Paris Fashion Week berichten. Das ist Fluchtverhalten, aber gibt eine Balance zur allgemeinen Krisenhilflosigkeit.

    Nenad: Egal wohin man geht, man nimmt immer sich selbst mit, ob nach Irland oder Deutschland. Vielleicht reagieren die Menschen ja auf dich?
    Ansonsten sind Leute einfach Leute: Es gibt ausgesprochene Idioten und ausgesprochen nette Leute, und ganz viele dazwischen – unabhängig vom Land. Paradies ist nirgendwo (außer in Feakle, har, har).

    • Markus Bäuchle
      Markus Bäuchle 7. Oktober 2014 um 5:16 Uhr - Antworten

      Bevor Du Dich einer irischen Aktivistengruppe anschließt, sollten wir drüber reden 😉 Ernsthaft: Zumindest drüber diskutieren können wir. Erst mal. Ich verstehe Dein Argument: Alles so unübersichtlich geworden. Und die Gegner sind oft noch nicht einmal Menschen, sondern Struktur. Wir müssen dennoch unsere kulturelle Schicht pflegen und versuchen, sie wachsen anstatt erodieren zu lassen. Für mich gibt es heute einen Grundkonflikt, aus dem sich viele andere ableiten lassen: Kapitalismus vs, Ökologie. Vielleicht müssen wir wieder anfangen mit Lesezirkeln, um das gemeinsame Thema zu identifizieren und zu verstehen. Für den Fall schlage ich Naomi Kleines neues Buch vor: This will Change Everything.

  48. Anna Sievers 5. Oktober 2014 um 16:53 Uhr - Antworten

    Hej Markus, ganz toll geschrieben. Im Moment verkrieche ich mich am liebsten in meine Festung, Zuhause genannt, lasse Glotze und Radio aus, die Nachrichtenseiten im www überklicke ich, träume mich lieber zurück in die Ende 60er/Anfang70er und schaue das Woodstock Video zum x-ten Male an. Ich lese irische Märchen – von Tír na nÓg, Feen, Lepracauns und Pookas und genieße einen Jameson. Ich denke an kostbare Momente in den 70ern, wenn eine gute Freundin, Stewardes bei Aer Lingus, echten irischen Wildlachs zum Abendessen brachte – für uns etwas ganz kostbares und jedes Stück wurde genossen – pur ohne alles. Oder mein erster Schluck “Irish Mist”. Ich war nur einmal in meinem Leben in Irland – in Dublin, Anfang der 80er Jahre. Seit dieser Zeit hat Irland für mich etwas verzauberndes. Und wenn mich die Welt mal wieder so richtig ärgert schaue ich den ersten Teil vom “Herr der Ringe” – aber nur bis Bilbo Beutlin verschwindet 😉 Es ist ein so schöne heile Welt – bis zu diesem Moment. Und dann verstehe ich nicht, warum die Menschheit sich so verändert hat. Ich erlebe es auf der Arbeit und auch im weiteren Umfeld jeden Tag, dass das “Wir” nicht zählt, nur noch das “Ich” und stimme meinem Vorkommentator vollkommen zu. Ich habe genug, was mich anko… – z. B. ein Amerika, was sich zum Retter der Welt erhebt und soo stolz auf seine Geschichte ist – seine “Geschichte” verkommt vergessen in Reservaten. Was ist denn Amerika??? Ein Volk aus Engländern, Iren, Schotten, Deutschen, Polen, Niederländern und und und…. Und die Ukraine ist mir persönlich auch viel zu nah dran – aber kann ich wirklich alles glauben, was die Medien berichten (also höre und lese ich gar nicht erst hin)? Und bei Geld und Konsum ist jedes Maß verloren. Wie sonst kann es sein, dass ein Vettel, ein Messi oder Ronaldo 20 Millionen Euro im Jahr verdienen (für was?) und Kleinstbauern von der EU durch irgendwelche “bekloppten” Gesetze um ihre Lebensgrundlage gebracht werden? Die jetzige Situation in Irland bekomme ich nur mit, wenn ich bei Dir stöbere, aber für den Rest der welt könnte ich Dir noch eine Menge Diskussionsstoff schreiben. Ich mache es so, wie Du geschrieben hast – ich fange bei mir und meinem Umfeld an und habe, anders als mein Vorkommentator, eine wundervolle Nachbarschaft, in der wir auch über die Probleme der Welt, unser Ängste und Gefühle reden können. Ein kleines Stück heile Welt im Wendehammer….

  49. Nenad Ptic 5. Oktober 2014 um 15:30 Uhr - Antworten

    Hi Markus!

    Guter Artikel. Gerade in letzter Zeit machen wir (Ella & ich) uns oft Gedanken darueber, was hier los ist. Als wir nach Deutschland zurueck kehrten dachte ich, gottseidank, alles in Butter. Mittlerweile bin ich mir da nicht mehr so sicher. Die meisten Leute hier interessiert im Grunde nur eines: Geld und Konsum. Dabei sind sie (zumindest bei uns in der Gegend) total schlecht drauf. Unfreundlich, kurz angebunden, streitlustig, genervt. Der eine Nachbar redet nicht mit uns, gruesst nicht, aus welchem Grund auch immer. Ich weiss nicht, was er gegen uns hat. Passiert mal ein Missgeschick und man entschuldigt sich dafuer, wird das oft als Schwaeche ausgelegt und dann bekommt man erst richtig verbal auf den Deckel. Will jetzt nicht behaupten, dass es uberall und immer so ist aber es kommt schon sehr oft vor. Schliesslich bin ich jeden Tag unterwegs und bekomme das oft mit. Ella arbeitet als Verkaeuferin in einer Baeckerei und die Kunden benehmen sich z.T. wie Arschloecher. Wir vermissen wirklich die Freundlichkeit der Iren.

    Am 3.Oktober waren wir auf einer Friedensdemo in Mainz. Da waren ein paar handvoll Leute. Gemessen an der momentanen Weltsituation ein absolutes Armutszeugnis! Du kannst einfach sogut wie mit niemanden darueber reden, weil die meisten Leute keinen Bock darauf haben. Es geht ihnen anscheined noch zu gut. Das war in Irrland anders. Da geht es den Leuten zunehmend schlechter und man redet wenigstens drueber. Hier dagegen redet man sogut wie garnicht. Das ist echt verblueffend. Haette ich nicht gedacht.

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