Im Südwesten Irlands wurden in den letzten Tagen die Öfen und und Heizungen wieder in Betrieb genommen: Das Thermometer ist abermals in Richtung Frostgrenze abgesackt, der Winter meldete sich zurück. Ansonsten aber sitzt man hier gemütlich am Kaminfeuer und nimmt erstaunt zur Kenntnis, was sich in Irlands Norden ereignet: Wetterchaos. Schneeberge. Schneeverwehungen. Blizzards. Sind wir denn hier am Polarkreis?

Im County Derry saßen 300 Menschen in heftigsten Schneeverwehungen fest. Gestern waren 75.000 Haushalte auf der Insel ohne Strom, zahlreiche Straßen wurden von umgefallenen Bäumen blockiert. Am schlimmstem betroffen: Die Counties Derry, Cavan, Donegal, Monaghan und Longford. Auch in den Wicklow Mountains blieben Autofahrer am Sally Gap im Schnee stecken. Zahlreiche Straßen sind und bleiben fürs Erste wegen Unbefahrbarkeit gesperrt. Die Straßenwächter sprechen von „arktischen Bedingungen“.

Auch die bevorstehenden Osterfeiertage dürften in Irland eher ungemütlich werden und deshalb eher „indoors“ stattfinden. Regen und Schnee, dazwischen immer wieder die Sonne, viel Wind und Temperaturen um den Gefrierpunkt: Da träumt mancher Inselbewohner von wärmeren Gefilden und checkt noch schnell die Flugpläne nach Teneriffa. Wir bleiben und sehen es positiv: Das sind die letzten Zuckungen des Winters, und sie bescheren uns zumindest tolles Licht und interessante Wolkenkonstellationen.

Allen Besuchern, die sich lauschige Ostertage auf der Grünen Insel erhofft haben, raten wir derweil zu Pullover, Schal, Regenjacke, zu Winterreifen und einer besonnen ausgewählten Reiseroute.

PS: Vom eisigen Orkan, der noch immer durch die irische Wirtschaft fegt, ist hier nicht die Rede. Nur am Rande: Die Anglo Irish Bank, Zentralorgan der Arroganz, der Korruption und der Verblendung, legte gerade den größten Jahresverlust in der irischen Wirtschaftsgeschichte hin: Die Zentralbank der Monopoly-Spieler, die mittlerweile uns Steuerzahlern „gehört“, schreibt für 2009 saftige 12,7 Milliarden Euro Miese. Alle Steuer-Iren haben das Vergnügen, die Anglo Irish Bank mit 40 Milliarden Euro Steuergeld zu retten (Stand März 2010). Das entspricht der Höhe von fast zwei kompletten Jahreseinnahmen des Staates. Im großen Finanzskandal droht nun auch Irlands zweitgrößter Versicherer „Quinn“ im selbst produzierten Schulden-Strudel zu versinken. Eine Million Iren sind bei Quinn versichert. Quinn widerum ist Großaktionär der Anglo Irish Bank. Schade, schade. Noch vor kaum drei Jahren dachten die Irlands Banken-Bosse, sie könnten über Wasser gehen – und nun gehen sie über den Jordan.

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