
Dabei geht es Broughan weniger um die politische Dimension als um mehr Lebensqualität und Gesundheit: Die Zeitumstellung hätte den Vorteil, so Broughan, dass die Sonne in Irland am Abend eine Stunde später untergeht und man deshalb die längeren Abende genießen könnte. Der Labour-Politiker, der bereits in drei Legislaturperioden aus der Labour Party ausgeschlossen wurde und seinen Wahlkreis in Dublin als Einzelkämpfer vertritt, sieht jedenfalls nur Vorteile: weniger Depressionen, mehr Licht, gesündere Menschen, weniger Verbrechen, mehr Touristen und mehr Lebenssqualität.
Der für die Zeit zuständige Justizminister, Alan Shatter, bürstete Broughans Initiative ganz hemdsärmelig ab: Wer längere Abende genießen will, soll doch einfach früher aufstehen, lästerte Shatter. Der Minister will sich jedenfalls nicht vorstellen, dass sich die Zeit in Irland künftig von der in Großbritannien und auch der in Nordirland unterscheiden würde und dass es auf der Insel dann zwei verschiedene Zeiten gebe. Allerdings: Die Zahl der Unterstützer einer Zeitanpassung wächst sowohl in Großbritannien als auch in Irland. Es kann also sein, dass die Uhren der Iren bald schon nicht mehr anders gehen. Oder ändert daran auch eine Zeitanpassung nichts?
Im Juni würde es m. E. nicht viel bringen, da ist ja eh bis Mitternacht noch ein Lichtstreif am Horizont zu sehen (jedenfalls an der Westküste), aber im Winter wäre es sicher eine spürbare Verbesserung. Gerade für Leute, die unter Winterdepressionen leiden. Da das öffentliche Leben in Irland erst so um neun Uhr morgens anfängt, wäre wohl kaum zu spüren, dass es dann morgens erst später hell wird. Allerdings wäre es schon absurd, auf einer so kleinen Insel dann zwei Zeiten zu haben. Also für mich: nur zusammen mit Großbritannien!