„Irland taumelt dem Kollaps entgegen“, titelt die deutsche Wirtschaftsszeitung „Handelsblatt“ heute nachmittag, und betet noch einmal den Niedergang des irischen Finanz- und Wirtschaftssystems bis zum heutigen Tag nach. Interessant wird der Beitrag, wenn das Handesblatt bezweifelt,… 

 


dass Irland nach der Rezession an das ökonomische Erfolgsmodell des keltischen Tigers anknüpfen kann. Die Kostenvorteile sind schon in den vergangenen Jahren dahingeschmolzen. Nun muss die Regierung auch noch Steuern erhöhen, um den Haushalt zu sanieren.“


 

Tatsächlich bleibt fraglich, was nach der Rezession oder gar einer Depression kommt, die das Land nach Ansicht von Analysten einige Jahre im Griff halten wird: Woher wird der neue Wohlstand kommen, wie muss die Wirtschaft umgebaut werden, wenn die Multinationals weitergezogen sind und ein weiterer Bauboom nicht zu erwarten ist? Antworten auf diese Fragen zu finden, ist schon in Boomzeiten schwierig, nun, da das „Window of Opportunity“ für eine gestaltende Wirtschaftpolitik geschlossen ist, scheint eine positive Lösung fast unmöglich.

Ein ortsbekannter Politiker sagte kürzlich: „Jetzt werden wir in die 50er Jahre zurück katapultiert“. Die „Black Fifties“ – es regierte de Valeras Altmännertruppe – werden gerne als das „verlorene irische Jahrzehnt“ bezeichnet. Die Wirtschaft stand still, die jungen Menschen wanderten aus.

Wie geht es weiter im irischen Drama? Hält die Regierung, müssen die Banken AIB und BOI, deren Substanz zerbröckelt, verstaatlicht werden? Kann und wird Europa einspringen, um den drohenden Bankrott abzuwenden? Und werden die Menschen besonnen bleiben? Wir werden es erleben.

(Das Foto der bettelnden Frau wurde in den frühen 50er Jahren in Dublin aufgenommen. Eindrücke und Dokumente aus jenem Jahrzehnt gibt es auf der Website irishhistorylinks.ie.