
Die öffentliche Toilette will keiner mehr betreten, weil sie keiner mehr pflegt. Der Pier verrottet langsam und wird nicht saniert. Die Kläranlage wird nun doch nicht gebaut. Die Straßenränder werden nicht mehr gemäht (und freundlicherweise auch nicht mehr mit Krautvernichtungsmitteln besprüht), die kleinen Nebenstraßen nicht mehr geflickt, eingestürzte Mauern nicht repariert. Der obligatorische jährliche Neuanstrich der Geschäftsfassaden wird jetzt mancherorts auf einen Zweijahresrhythmus gestreckt, Reparaturen und Instandhaltung auf das Allernotwendigste reduziert. Wer sehen will, kann sie sehen, die irische Dauerkrise.
Nicht zu reden von den vielen Plänen für die vielen Verbesserungen im Dorf, denn schon lange wird darüber nur geredet. Umgesetzt, finanziert und realisiert aber wird nichts mehr. Fast nichts mehr. Nicht die Umgestaltung der Dorfstraße, nicht der neue Anschlussweg ans Naturschutzgebiet, nicht der Kampf gegen invasive Pflanzen, nicht der Wunschtraum eines kleinen Boothafens. Es gibt ein paar Ausnahmen. Ein Tausender für einen Geschichts-Lehrpfad im Dorf ist unterwegs, ein paar Hunderter für eine Veranstaltung.
Und die Menschen: Anstatt sich angesichts der Schwierigkeiten zusammen für die gemeinsame Sache stark zu machen, kämpfen sie mit ihren wachsenden Alltagsproblemen, ziehen sich zurück ins Private, nehmen wenig Anteil am Gemeindegeschehen. Die Wirtschaftskrise hat die letzten Winkel Irlands erreicht, macht sich auch dort bemerkbar, wo sich der Keltentiger nie hat blicken lassen. Nur die Regierung trommelt derzeit unverdrossen für Optimismus. Gleichzeitig rutschte die Wirtschaft nach zarten Ansätzen eines Aufwärtstrends gerade zurück in die Rezession.
Hä? Toiletten werden nicht gereinigt, Strassen werden nicht geflickt und sind jetzt schmutzig……..
Das ist zum lachen. Es war doch schon immer so….
Ralph ( 30 jahre im Land)
Wo lebst DU denn?