Doppelgesichtigkeit kennt man natürlich auch in Irland – bis hinauf ins County Cavan. Dass die Wahrheit aber gleich vier Gesichter zeigt, das gibt es wahrscheinlich nur in Cork. St Anne´s in Corks Stadtteil Shandon ist die wohl berühmteste Kirche der Stadt. Im Jahr 1722 gebaut am Ort, wo die mittelalterliche Kirche St Mary´s stand, wurde das Kirchenschiff im Jahr 1749 um den markanten Turm ergänzt, der bis heute hoch über der Stadt thront. Im Jahr 1847 schließlich – auf dem Höhepunkt der katastrophalen Hungersnot – baute der Uhrmacher James Mangan eine Kirchturmsuhr mit vier Zifferblättern ein – eins für jede Himmelsrichtung. Damit die armen uhr- und zeitlosen Bürger der Stadt endlich die Uhr lesen konnten.

Weil der Wind oft scharf um den exponierten Turm pfeift, verstellt er immer wieder die Zeiger der Uhr – je nachdem, aus welcher Richtung er bläst. Das führte immer schon dazu, dass die Turmuhr von Shandon unterschiedliche Uhrzeiten in die vier Himmelsrichtungen anzeigt, was ihr den Namen „The-Four-Faced-Liar“ eingetragen hat – die viergesichtige Lügnerin.

Ein alter Cork-Witz thematisiert die Uneindeutigkeit der einzigen vier-seitigen Turmuhr der Stadt: Ein Amerikaner fragt einen Corkonian, warum die Shandon-Uhr vier verschiedene Uhrzeiten anzeigt. Er bekommt zur Antwort: „Wofür bräuchten wir vier Uhren an einem Turm, wenn sie alle dieselbe Zeit anzeigten.“

Die Wetterfahne – ein rund vier Meter langer Fisch auf der Kirchturmspitze – hat in Cork den Namen „The Goldy Fish“. Er grüßt hoch über die Stadt hinweg den „Goldy Angel“ – mehr über ihn demnächst. Der Stadtteil Shandon ist übrigens immer einen Besuch wert – ein Sprung über den Nordarm des Lee hinauf nach Shandon gleicht einer Zeitreise in das „Pre-Celtic-Tiger-Cork“.