Das ländliche Irland kämpft gegen den Niedergang

Das ländliche Irland kämpft gegen den Niedergang. Die Infrastruktur in den Dörfern des irischen Westen verschwindet schleichend: Polizeistationen, Grundschulen, Pubs. Jetzt die Postämter: 159 Poststellen auf dem Land werden demnächst schließen, über 100 davon in entlegenen Gebieten, weil An Post, die irische Staats-Post am Rande der Pleite taumelt. Betroffen sind vor allem die ländlichen Counties an der Atlantikküste von Cork über Kerry und Galway bis Sligo, Mayo  und Donegal, sowie Wexford im Südosten.

Das Geschrei auf dem Land ist dementsprechend laut: Von einem Anschlag auf „Rural Ireland“ ist wieder viel die Rede und von der Benachteiligung der Landbevölkerung durch „die in Dublin“.  Wie aber kann eine defizitierer Staatsbetrieb angesichts der Verhältnisse im ländlichen Westen Postämter subventionieren, die teilweise gerade einmal zwölf bis 15 Geschäftsvorgänge pro Tag abwickeln? In vielen Gebieten hält die Abwanderung der Bevölkerung in die wenigen großen Städte an, dorthin, wo es Arbeit gibt: in den Großraum Dublin, nach Cork, Galway oder Limerick.

Poststellen im ländlichen Irland: Oft nur zwölf bis 15 Geschäftsvorgänge am Tag. Fotos: Markus Baeuchle

Jetzt rächt sich, dass die Siedlungspolitik der vergangenen Jahrzehnte nur einem Diktat gehorchte: dem Profitstreben – und dass es versäumt wurde, die Energien, Kapazitäten und Infrakstruktur in Dörfern zu konzentrieren. Statt dessen dominieren im ländlichen Irland die Streusiedlungen und Straßendörfer. In der weiträumig zersiedelten Landschaft lässt sich eine bezahlbare Infrastruktur nur schwer aufbauen und unterhalten. Hinzu kommt, auch wenn dies nun ein populistisches Argument von Politikern ist, dass viele Landbewohner eben schon lange nicht mehr im Dorfladen einkaufen, sondern zu den deutschen Discountern, „zu Aldi und Lidl fahren“ und damit ausländische Konzerne reicher machen, anstatt den eigenen lokalen Shop  zu stützen, in dem sich oft auch die Post befindet.

Der Ruf wird deshalb lauter, endlich auch in Irland mehr richtige Dörfer zu planen, die verdichtete Bebauung mit Zentrumsfunktionen zu fördern und endlich die vielen bislang weitgehend leeren Versprechungen von schnellen Internetverbindungen für die Landbevölkerung wahr zu machen. Mit Nostalgie, Sentimentalität und Wehklagen jedenfalls wird eine Stärkung des ländlichen Irlands nicht gelingen.

Eine gute Nachricht

Und eine gute Nachricht gibt es auch: Die wohl kleinste Schule Irlands wird auch im kommenden Schuljahr offen bleiben: Der Bestand der Grundschule von Cape Clear, der südlichsten Insel Irlands, ist für ein weiteres Jahr gesichert. Sechs SchülerInnen werden nach dem Ende der Sommerferien in der National School von Clear unterrichtet.  Der aktiven Inselbevölkerung, die engagiert für ihre Community kämpft, ist es gelungen, einen neuen Schulleiter zu finden, der das Abenteuer Insel wagt. Nach der Pensionierung beider Lehrer müssen die Leute von Cape Clear nun nur noch die zweite LehrerInnen-Stelle besetzen. Bis das klappt, wird eine bewährte Aushilfslehrerin einspringen.

Die National School auf Cape Clear: Bestand vorerst gesichert. Sechs Schüler in diesem Jahr- Foto: Séamus Ó Drisceoil

Séamus Ó Drisceoil, einer der Aktivposten auf der Gaeltacht-Insel, auf der die irische Sprache noch immer gepflegt wird, lockt potentielle Bewerber mit den Vorzügen des Daseins auf der landschaftlich reizvollen Insel, die mit einer Fähre von Baltimore, County Cork, erreicht wird: Lehrer, die mal eine Auszeit von der Karriere machen wollen, die einen anderen Lebensrhythmus anstreben oder die es einfach langsam ausklingen lassen wollen, würden auf Cape Clear genau das Abenteuer finden, das sie suchten . . .

 

Diese Postämter werden demnächst schließen:

Carlow: Crettyard, Rathtoe
Cavan: Corraneary, Killeshandra, Kilnaleck, Mountnugent, Swanlinbar, Tullyvin
Clare: Cooraclare, Craggagh, Cree, Doonbeg, Kilfenora, Lissycasey
Cork: Allihies, Ballineen, Ballyclough, Ballynoe, Carrigadrohid, Desertserges, Drinagh, Lackaroe, Minane Bridge, New Twopothouse, Rockchapel, Shanballymore,
Donegal: Ballyliffin, Ballymagan, Brinlack, Bunbeg, Burnfoot, Church Hill, Culdaff, Culkeeny, Dunaff, Dunfanaghy, Dunkineely, Gortahork, Kindrum, Meenaneary, Quigley’s Point, Rossnakill
Galway: Ballyconnelly, Ballyglunin, Ballymoe, Cloghbrack, Colemanstown, Cornamona, Eyrecourt, Garrafranes, Glinsk, Inverin, Kiltulla, Kylebrack, Lettermullen, Menlough, Moyard, New Inn, Renvyle, Woodlawn
Kerry: Asdee, Ballinskelligs, Ballylongford Ballymacelligott, Banemore Cross, Currow, Duagh, Gneeveguilla, Kilflynn, Knocknagoshel, Mastergeehy, Moyvane
Kildare: Donadea, Moone, Narraghmore
Kilkenny: Glenmore, Kilmoganny, Mullinavat
Laois: Ballinakill, Ballybrittas
Leitrim: Aghacashel, Aughavas, Killargue, Newtowngore
Limerick: Athea, Ballyagran, Dromkeen, Kilbehenny, Knocklong, Lisnagry, Mungret
Longford: Carrickboy, Cloonagh, Colehill
Louth: Annagassan
Mayo: Ballindine, Ballyglass, Belcarra, Carrowmore-Lacken, Cross, Doocastle, Finny, Hollymount, Kilmaine, Partree, Scardaune
Meath: Batterstown, Bellewstown, Clonalvy, Drumree, Dunsany, Rathmolyon, Tara
Monaghan: Clontibret, Dartrey, Smithborough
Offaly: Geashill, Moneygall, Mount Lucas, Pollagh, Walsh Island
Roscommon: Athleague, Cornafulla, Garranlahan, Knockvicar, Loughglynn
Sligo: Ballinafad, Ballinfull, Dromard, Drumcliffe, Gurteen, Monasteraden
Tipperary: Ballingarry, Clogheen, Coolbawn, Gurtnahoe, Littleton, Newcastle, Templetuohy, Upperchurch
Waterford: Ballinamult, Kilmeaden, Lemybrien
Westmeath: Ballinahowen, Collinstown, Rathowen
Wexford: Ballycogley, Ballywilliam, Bannow, Broadway, Camolin, Duncannon, Foulksmills, Glynn, Kilmore Quay, Kiltealy
Wicklow: Coolboy, Donard

Von |2018-09-12T09:59:46+00:0012. September 2018|4 Kommentare

Über den Autor:

Markus Baeuchle
Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus und seiner irischen Outdoor-Firma Wanderlust können Sie Irlands faszinierende Natur von den schönsten Seiten zu Fuß erleben.

4 Kommentare

  1. Dieter 21. September 2018 um 11:35 Uhr - Antworten

    Wen’s interessiert, der entstandene Werbefilm
    Schöne neue Welt….

    https://www.youtube.com/watch?v=UkXwj_ZIW24

    übrigens: die 30s Film mit Leuchtturm erforderten 3 Stunden Drehzeit.

  2. Dieter 21. September 2018 um 8:44 Uhr - Antworten

    Der Verlust an Infrastruktur im ländlichen Raum ist kein irisches Phänomen. Die Verbesserung der Vernetzung zur Eindämmung der Landflucht wird das nur weiter befördern. Online bestellen, online den Arzt befragen, online Supermarkt, online Apotheke….

    Eine Anekdote durften wir in unserem letzten Irlandurlaub erleben. Während unseres Aufenthaltes im Leuchtturm von Clare Island wurde dort ein Werbefilm gedreht. Auf Nachfrage erklärte uns die Hotelmanagerin der Film wäre für die irische Post. Die aufgenommen Szene, in der eine freundliche Dame der Managerin ein Paket überbringt, würde allerdings nicht der Realität entsprechen, da die Post auf der Insel gar nicht zustellt. Die Einwohner müssen sich ihre Post am Fähranleger abholen.

  3. Rainer Hill 13. September 2018 um 11:46 Uhr - Antworten

    ich würde sofort zur Rettung eilen, wenn mein Lebensunterhalt garantiert wäre

    • Markus Baeuchle
      Markus Baeuchle 13. September 2018 um 11:57 Uhr - Antworten

      Mit ein paar Kindern in der lokalen Schule kann das klappen . . .

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