Die unverfängliche Frage, ob die „Cliffs of Moher“ um 17.30 Uhr noch „offen“ hätten, lösten bei der Verkäuferin im Fähr-Shop von Killimer, County Clare, schwere Besorgnis aus: Wir sollten auf alle Fälle warten, bis das Cliffs Visitors Center am kommenden Tag wieder öffnet und wir dürften keinesfalls auf eigene Faust den Weg zu den über 200 Meter hohen Klippen suchen. Das sei lebensgefährlich und deshalb nicht empfehlenswert. Dann wusste die junge Frau ihre Erzählung noch mit einer satten Zahl zu würzen: „Jedes Jahr stürzen an den Cliffs of Moher rund zehn Menschen von der Steilküste und kommen ums Leben.“

Ein interessante und gleichzeitig erschütternde Zahl, die in der offiziellen Reiseliteratur nicht vorkommt. Ist das die tabuisierte dunkle Kehrseite der Klippenromantik? Welcher Irlandreisende wäre nicht selber schon tatsächlich oder zumindest in Gedanken auf eigene Kappe an den Klippenrand des größten irischen Naturwunders gerobbt, um gebannt in den tosenden Abgrund zu schauen – vor allem in Zeiten, als die „Great Wall of Moher“, die touristische Festungsanlage auf der Steilküste zur Lenkung der Besucherströme, noch nicht existierte.
Wir recherchieren ein wenig und werden fündig bei der Doolin Coast Guard. Sie ist immer dann gefordert, wenn sich Touristen an den Cliffs überschätzen, wenn sie den tückischen Wind unterschätzen oder wenn SelbstmöderInnen den letzten Schritt über den Klippenrand tun. Auf der Website der Küstenwache liest man dann kurze Einsatzberichte wie diesen aus dem September 2009:

Incident 36/09. At 14.36, Doolin Coast Guard Unit was tasked by MRCC , Valentia , to go to The Cliffs of Moher. There had been a report that a person had fallen from the cliffs. The team assembled and launched the Delta rib. The Shannon Coast Guard Helicopter had also been tasked and on arrival at the scene they recovered the body from the water.