Botanica anglophobia. Das skurrile Volk der Engländer, das in der Weltgeschichte so viel übermäßiges Wohlwollen genießt, hat die Welt wahrscheinlich mehr geprägt und verändert als jedes andere. Etliche aktuelle globale Krisenherde, entzündet zu Zeiten des Empires, zeugen davon. In ihrer grandiosen Sammelwut hinterließen sie einen ganzen Fünften Kontinent als gigantisches Sträflingslager. Die Australier rächten sich später mit weit verbreiteter Verachtung für die „Whinging Poms“. Irland hinterließen die sammelnden Tommies eine ausgeprägte Massenneurose, zahlreiche fantastische Gärten und – davon soll hier die Rede sein: eine Reihe invasiver Pflanzen, die auf der Insel einen neophytisch-imperialistischen Siegeszug ohnegleichen feiern.

Neben der lieblichen Montbretie (Südafrika), der riesenhaften Gunnera manicata (Chile), der niedlichen Fuchsie (Südamerika) und dem krautigen Riesenknöterich (Japan, Verzeihung: 1825 von einem Deutschen in Europa eingeschleppt), gedeiht in der ersten Reihe der Eindringlinge der Rhododendron ponticum (Herkunft: Georgien, Iberische Halbinsel) mehr als prächtig auf der Grünen Insel. Der in herrlichem Violett blühende Ponticum fühlt sich in Irland aufgrund optimaler klimatischer Bedingungen und wunderbar saurer Böden noch wohler als zuhause. Die Engländer führten das Heidekrautgewächs im Jahr 1763 als Zierpflanze aus Spanien in London ein, etablierten es im Botanischen Garten von Kew und verbreiteten es von dort in ganz Großbritannien und in Irland.
Anders als die meisten Rhododendren, die sich artig an den ihnen zugewiesenen Platz im Garten halten, suchte der Ponticum rasch das Weite und bevölkert heute vor allem im milden Südwestirland ganze Landstriche – er druchdringt Eichenwälder, Mischwälder, besiedelt Heiden, Moore, ja selbst Dünen. Das Problem: Der gemeine Rhodo ponticum wächst schneller als die meisten Pflanzenkonkurrenten und er vermehrt sich schneller; er ist zudem extrem schattentolerant, lässt Mitbewerber um Licht aber leicht in seinem Schatten verkümmern. Am Ende bleibt oft nur der Ponticum übrig, heimische Pflanzen und Gehölze müssen seiner Übermacht weichen. Der grüne Eindringling erinnert ein wenig an die Chinesen in Tibet. Er bedroht die ökologische Vielfalt und setzt sich auf Kosten der heimischen Arten durch.
Seit etwa zehn Jahren rücken Ökologen, Biologen, Ranger und Umweltschützer dem Ponticum in Irland auf den Leib. Sie versuchen ihn mit Säge, Axt und chemischer Keule aus den annektierten Gebieten, beispielsweise dem Killarney National Park, zu vertreiben und führen oft jahrelange systematische Kämpfe gegen die wuchsstarken Eindringlinge. Der Krieg gegen die Grüne Hölle Ponticum ist allerdings kostspielig: Ein einzelne