Ich lebe in Irland, weil man die Stille hier hören kann

Ich lebe gerne in Irland . . . weil die Stille hier eine Erfahrung ist. Man kann sie hören, die Stille, diese völlige Abwesenheit von Zivilisationslärm.

Es ist August. Das geschäftigste, lauteste und verkehrsreichste Wochenende des Jahres naht: August Bank Holiday Weekend. Irland macht Ferien, die Wirtschaft marschiert wieder, es gibt wieder mehr Geld auszugeben. Auch der Rest der Welt macht Ferien in Irland. Amerikaner, Kontinental-Europäer, Brexit-Briten, und nun auch zunehmend Besucher aus Asien, China.

Die Tourismuswerber auf der Insel haben den Dreh endgültig raus. Mit professionell simpel gestrickten Sehnsuchtskonzepten (Wild Atlantic Way, Star Wars) haben sie die Besucherzahlen im vergangenen Jahr erstmals über die Zehn-Millionen-Marke gejagt. Und das ist nur der Anfang: Tourism Ireland heißt mit Vorliebe weitere zweistellige Besucherzuwächse willkommen. Die Masse machts. Es kann nicht genügend Besucher geben.

Die Dinge haben sich in den vergangenen zehn Jahren verändert, auch Irland ist ein Massenreiseziel geworden. Trotz des Regens. Trotz der allenfalls milden Temperaturen. Trotz der nördlichen Lage. In den Sommermonaten nun überfüllte Straßen selbst an der Westküste, die Blechlawine rollt Auto an Auto. Wohnmobil-Karawanen, volle Strände, überlaufene Attraktionen. Immer mehr Besucher auf Skellig Michael, in Newgrange, am Pulnabrone Dolmen . . .  und natürlich an den Cliffs of Moher. Der Druck nimmt zu.

Abseits der geführten wilden atlantischen Rennstrecke, abseits der beliebten Aussichtpunkte und der rostigen Galgen, abseits der Ringe von Kerry und Dingle aber ist das ländliche Irland auch heute vielerorts still, natürlich und verträumt. Ein paar hundert Meter machen meist den Unterschied. (Und es gibt den ruhigen Herbst und den völlig ruhigen irischen Winter.) 

Man kann sie hier noch immer hören, die Stille,  diese völlige Abwesenheit von Zivilisationslärm.

Die Fotos, aus denen Stille spricht, hat Antje Wendel von Wanderlust gemacht. Sie zeigen Orte in Killarney (oben) und Kinsale (unten).

Wir von Wanderlust sind Teil der irischen Tourismus-Branche – mit eigenen Vorstellungen. Wie wir unsere Rolle und unsere Verantwortung begreifen, können Sie hier nachlesen.

Von |2018-08-03T07:32:17+00:002. August 2018|2 Kommentare

Über den Autor:

Markus Baeuchle
Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus und seiner irischen Outdoor-Firma Wanderlust können Sie Irlands faszinierende Natur von den schönsten Seiten zu Fuß erleben.

2 Comments

  1. Inselpinsel 11. August 2018 um 11:49 Uhr - Antworten

    Und man kann sich selbst denken hören, frei vom Dichte-Stress.

    Anmerkung: „Trotz der nördlichen Lage.“ Vom Schwarzwald aus schon, ansonsten liegt Süd-Irland eher im Westen von Dtschld aus gesehen. 51 Grad Nord.

    • Markus Baeuchle
      Markus Baeuchle 11. August 2018 um 11:52 Uhr - Antworten

      Weit nördlich von Italien, Spanien, Griechenland, Türkei, mon dieu . . .

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