Irland-Urlauber, die mit dem Mietwagen auf der Insel unterwegs sind, haben seit drei, vier Jahren ein neues Lieblings-Thema. Unterhielt man sich früher bevorzugt über die emotionalen Achterbahnfahrten im Linksverkehr, so hat sich nun die Beschilderung der irischen Straßen in den Mittelpunkt der Gespräche gedrängt. 


Seit Irlands Straßenverwaltung die jeweils zulässige Höchst-Geschwindigkeit an jeder Ecke mit einem Verkehrsschild kenntlich macht, reißen die hitzigen Debatten – auch bei den Einheimischen übrigens – nicht mehr ab. Immerhin ist es – wie Fußball oder das Wetter – ein dankbares Thema: Jeder kann mitreden, sich ereifern, sich aufregen, jeder ist Experte. 


Natürlich hat die Beliebtheit des Themas auch einen Grund: Wer auf einer Straße, die wir als besseren Feldweg beschreiben würden, ein Tempolimit-80-Schild entdeckt, fühlt sich fast schon genötigt, statt der angmessenen 25 km/h das Tempo mindestens zu verdoppeln. Wer dann auf einer gut ausgebauten Überlandstraße dasselbe Schild findet, fühlt sich ganz sicher zum sinn-freien Langsamfahren genötigt. Und wer mit 60 km/h durch eine vielbegangene Ortsdurchfahrt rauschen darf, wünscht sich, dort kein Fußgänger zu sein. An jeder 2. Ecke das Gefühl: Wer hat diesen Unsinn verbraten? Die irischen Straßenmöblierer, die zehntausende Tempolimit-Schilder streng nach Theorie in die Straßenränder rammen ließen, haben sich unsterblich gemacht: als die keltischen Verwandten der Leute von Seldwyla, als die Schildbürger von der Grünen Insel. (N.B: Die Schweiz beging vorgestern den 120. Todestag von Gottfried Keller, dem Autor der „Leute von Seldwyla“ und anderer entzückender Geschichten)  


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