Kennen Sie die irische Fluggesellschaft, die von ihren treuen Fans dafür gefeiert wird, dass ihr Geschäftsmodell teilweise auf Erpressung beruht, dass sie mit allen Mitteln um öffentliche Aufmerksamkeit heischt (was dann bewundernd „PR“ genannt wird), und dass sie ihre Kunden im Grunde verachtet? Richtig, die Rede ist wieder einmal von Ryanair. Aber nur kurz. Auch wir müssen schließlich froh sein, dass Ryanair die Grüne Insel zuverlässig,sicher und pünktlich anfliegt und sie täglich vielfach mit dem europäischen Kontinent verbindet.


Covalance, die Genfer Agentur für Reputation Management, hat gerade das neue Ethik-Ranking für multinationale Unternehmen veröffentlicht, und siehe da, der persönliche Eindruck vieler Ryanair-Kunden wird bestätigt: Von den weltweit 581 untersuchten Firmen belegt Ryanair den sechst-schlechtesten Platz. Rang 575. Covalence untersuchte die Unternehmenspraxis der Multinationals anhand von 45 Kriterien, um herauszufinden wie gut, korrekt, umweltverträglich und sozialverantwortlich sie agieren. 


Hinter Ryanair finden sich nur noch einige Schurken-Firmen wie die Lügenbolde von Phillip Morris und der große Gen-Manipulator Monsanto. Das wird Ryanair -Chef Michael O´Leary wohl wieder nicht stören, handelt er doch gerne nach der Devise „Ist der Ruf erst ruiniert, fliegt sich´s gänzlich ungeniert.“ Was allerdings die Kunden auf Dauer zu dieser brachialen Art der Unternehmensführung sagen, ist ungewiss. Der Druck auf unethisch handelnde Firmen hat in den vergangenen Jahren beträchtlich zugenommen – und auch die Zahl der Fluggäste, die ihre Ansprüche an eine Firma auf „Billigst von A nach B“ reduzieren, mag nicht grenzenlos sein. 


Wir werden sehen. Vielleicht geht ja auch ein unverbesserlicher Topmanager wie Michael O´Leary etwas besonnener oder gar geläutert aus der anhaltenden Wirtschaftskrise hervor. Die Hoffnung stirbt zuletzt.<