Karfreitag: Christy trinkt Wasser und predigt Pints

 

Christy Moore

Christy Moore live in Bantry am Karfreitag 2018

Karfreitag 2018: Erstmals nach 90 Jahren durften die Wirte in Irland am Karfreitag ihre Pubs öffnen und am heiligen Feiertag Alokohol ausschenken. Seit dem Jahr 1927 galt auf der Insel auf katholisch-kirchliches Verlangen das Gesetz, dass die Schänken an Karfreitag (und am ersten Weihnachtstag) geschlossen bleiben. Das Alkoholverbot war der Getränkelobby seit Jahren ein Dorn im Auge, schließlich hatte die massive Kampagne, die etwas scheinheilig im Namen von durstigen Touristen und von verarmenden Wirten geführt wurde, Erfolg: Das irische Parlament kippte das Gesetz Ende Januar – und nur wenige Stimmen im Dáil Éireann machten deutlich: Die Regierung hätte angesichts gravierender, da kulturell tief verankerter kollektiver Alkohol-Probleme, wichtigere Aufgaben, als eine eintägige Schankpause aus dem Weg zu räumen.

Irland entledigte sich auf der Zielgerade zu einer libertären Gesellschaft eines der letzten symbolischen Verbote. Jetzt folgt noch die Abstimmung über die Liberalisierung des Schwangerschaftsabbbruchs, und dann hätte das Inselland den zivilisatorischen time lag von 50 Jahren gegenüber anderen europäischen Ländern innerhalb von nur gut fünfzehn Jahren aufgeholt (und hat mit der Einführung der Schwulen-Ehe viele Länder in Sachen Freiheitsrechte weit hinter sich gelassen).  Das neue Recht auf Alkohol an Good Friday jedenfalls, was diesen für viele Freunde des Pints endlich zu einem “F***ing Great Friday” machte, wird den Charakter des Trauertages vor Ostern drastisch verändern. War dies früher der Tag, an dem in Irland wirklich alles ruhte, so sprudelten die Zapfhähne in diesem Jahr bereits in den Morgenstunden auf Redkordniveau.

Christy – nationales Kulturgut

Christy trinkt Wasser und predigt Pints. Einer, der das Bier und den Whiskey in jüngeren Jahren eimerweise geschüttet hat, trinkt heute nicht nur an Karfreitag Wasser und singt ansonsten allzu gerne über König Alkohol. Christy Moore spielte an Karfreitag 2018 mit seinem kongenialen musikalischen Begleiter  Declan Sinnott einen Live-Gig im Westlodge Hotel in Bantry.  Der Das Bier floss auch im Westlodge, Christy sang, trank Wasser und plauderte dazwischen über Pints, Stout und Whiskey, über Politik, die Armut und die gute schlechte alte Zeit.  Der alte König der irischen Folk Music füllt auch heute mühelos einen Saal mit fünf-sechshundert Menschen, und das gleich zweimal hintereinander. Dabei ist Bantry für Christy Moore immer so etwas wie ein Heimspiel. Der Balladen-Sänger aus dem County Kildare verbrachte viel Zeit in der Gegend, hatte lange ein Ferienhaus auf dem Sheeps Head und kennt Landstrich und Leute.

Declan Sinnott

Declan Sinnott, kongenialer Partner an der Gitarre

Christy Moore singt im Alter von 72 Jahren überwiegend die Lieder von gestern, und doch zieht er auch heute noch Menschen jeden Alters in seinen Bann und bringt einen ganzen Saal ohne Animation viele Lieder lang zum Mitsingen. Ride on, Ordinary Man, Don´t Forget Your Shovel, Lisdoonvarna, Beeswing, City of Chicago: Seine Songs, und die der Musiker-Kollegen von John Reilly über Jimmy MacCarthy und John Spillane bis zu Bruder Barry Luka Bloom, sie sind Legende  – und Christy Moore lebt im  Status eines nationales irischen Kulturguts. Der Begriff vom  “F***ing Great Friday” stammt übrigens auch von Christy. Denn wo ein Verbot ist, gibt es meist auch einen irischen Weg, dieses zu umgehen. Christy  und seine Kumpel jedenfalls fanden schon an einem Karfreitag in den 70-er Jahren die richtige Hintertür ins Pub, um nicht auf ihre Karfreitags-Pints verzichten zu müssen.  Aus jener Zeit stammt der Trinkspruch “This is not Good Friday, this is F***ing  Great Friday.”

Alle Fotos: Antje Wendel / Wanderlust

 

Von |2. April 2018|0 Kommentare

Über den Autor:

Markus Baeuchle
Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus und seiner irischen Outdoor-Firma Wanderlust können Sie Irlands faszinierende Natur von den schönsten Seiten zu Fuß erleben.

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