Heute im Irland Blog ein nicht nur irisches Thema: Die Menschheit steckt in einer bedrohlichen Sackgasse, unser wirtschaftlich-gesellschaftlich-kulturelles Systemsteht am Wendepunkt, und nur wir Menschen können dies ändern. Indem wir uns ändern, schreibt Peter Sloterdijk in seinem neuen Buch, das zu seinem wichtigsten werden könnte. Der Philosoph zeigt Wege aus der Krise durch Üben und Ko-Immunismus. Hier ein kurzer Auszug aus einem Interview, das Sloterdijk gestern der linken Tageszeitung taz gab.


Was ist da in den vergangenen fünfzehn, zwanzig Jahren passiert?


Man hat uns in ein psychopolitisches Großexperiment über Frivolität verwickelt – aber was auf dem Programm stand, war nicht mehr aristokratische Frivolität, sondern Massenfrivolität, Leichtsinn und Egoismus für jeden. Man hat in dieser Zeit behauptet, Gemeinwohldenken sei gescheitert. Also blieb der Asozialismus, den wir höflicherweise Individualismus genannt haben, um uns mit besseren Gefühlen zu ihm zu bekennen. Doch was sind konsequente Individualisten? Es sind Menschen, die ein Experiment darüber veranstalten, wie weit man beim Überflüssigmachen sozialer Beziehungen gehen kann.


Aber kann der Kapitalismus ohne diese „Gierdynamik“, wie Sie das einmal genannt haben, funktionieren?