

Wahrscheinlich stimmt es, dass der Autor so vieler berühmter Love Songs sein erstes Liebeslied wirklich erst für seine aktuelle CD My Favourite Faded Fantasy (2014) schreiben konnte: I Don´t Want To Change You. Und wahrscheinlich sind seine mächtigen, über zweistündigen Konzerte im Jahr 2015 für viele Irinnen und Iren jeglichen Alters eine Offenbarung. Wenn der Erlöste die Erlösung zelebriert, wenn er die quälende Schuld offenlegt, die der rigide irische Katholizismus so vielen Menschen als lebenslanges Gepäck auf Rücken und Psyche gebunden hat, wirkt er wie ein Gegen-Exorzist.
Damien Rice streichelt mit seinen Liedern die verwundeten Seelen schuldgeplagter Mitmenschen. Weil er sich mit diesen Wunden bestens auskennt. Menschen um uns herum weinen. Der Abend hat etwas von Therapie, Therapeutikum, von mit sich ins Reine gehen. Am Ende steht Damien, der sich durch seine eigene tiefe Lebenskrise gearbeitet hat und am hiesigen Ende wieder auftauchte, auf einem Stuhl auf der Bühne. Er singt ohne Mikrofon, und es ist mucksmäuschenstill, bevor er zu einem neuen Akkord ansetzt. Ein komplexer und doch einfacher, klarer Mann mit warmem Herzen lässt die einige tausend Menschen große Zuhörerschaft im großen Zelt in Cork´s Docklands die Stille hören. Come however you are. Just come along. Come however you are. Just come.
Fotos: Markus Baeuchle (3)


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