Das Wichtigste auf einen Blick: Was in der vergangenen Woche in Irland geschah, steht heute in unserem Wochenrückblick. Irland Blog-Autor Dirk Huck berichtet aus Dublin über politisch und menschlich schwere Tage auf der Insel.




Schuldenkrise

Irlands Finanzprobleme beherrschten die Schlagzeilen im In- wie im Ausland. In dieser Woche spitzte sich die Krise zu. Weil immer mehr Spekulanten davon ausgehen, dass Irland bald zahlungsunfähig ist, stiegen die Risikoaufschläge für irische Staatsanleihen auf das Rekordniveau von 9%. Damit wird es für das mit akuten Geldsorgen kämpfende Irland künftig noch schwerer, sich Geld zu leihen. Irland wird bereits als nächster Pleitekandidat der Euro-Zone nach Griechenland gehandelt.

Die EU befürchtet, eine Pleite Irlands könnte eine dramatische Kettenreaktion auslösen. Die Stabilität des Euro ist bedroht. Die EU drängt Irland, die vom Internationalen Währungsfond (IWF) und der Europäischen Zentralbank (EZB) bereit gestellten Finanzhilfen anzunehmen. Doch Irland stellt sich stur. Am Donnerstag reisten Finanzexperten der EZB und des IWF nach Dublin, um über die nächsten Tage mögliche Hilfsmaßnahmen mit der irischen Regierung zu besprechen.

Politische Krise

Die Finanzkrise entwickelt sich langsam auch zu einer politischen Krise. Die Ankunft der Experten vom IWF und EZB sorgte für Unruhe unter den Abgeordneten der Regierungspartei Fianna Fáil. Mitte nächsten Jahres steht die Neuwahl des Parlaments an. Viele Abgeordnete von Fianna Fáil sehen ihre Felle davon schwimmen, wenn ihre Partei mit dem Stigma des Bail-outs antreten muss. Parteichef und Premierminister Brian Cowen verliert immer mehr an politischem Boden, Rufe nach vorgezogenen Neuwahlen werden immer lauter.

In einer aktuellen Umfrage ist Fianna Fáil weiter abgestürzt und liegt nur noch bei 17 Prozent. Dieses Wahlergebnis würde bedeuten, dass die Partei fast die Hälfte ihrer Abgeordneten im Parlament verliert. Die Oppositionsparteien Fine Gael und Labour liegen bei starken 33 Prozent und 27 Prozent.

Familienkrise

Zwei Familientragödien durchbrachen diese Woche die Meldungen über die Finanzkrise: In der Grafschaft Cork strangulierte am Dienstag ein Vater seine beiden kleinen Töchter. Anschließend tötete er sich selbst, indem er mit seinem Wagen gegen einen Baum fuhr.

Am selben Tag fand in der Grafschaft Limerick die Polizei in einem Haus die Leichen zweier Kinder, deren Mutter und einer Freundin der Mutter. Die vier waren erstochen worden. Der Täter, ein 31-jähriger Arbeitsloser, wurde später gefasst.

Fälle dieser Art zeigen, dass hinter der ruhigen und freundlichen Fassade der irischen Gesellschaft oftmals einiges kräftig schief läuft.