Ein Angel-Trip ohne Wiederkehr

Homeward Bound: Richard Harman †

Diese Woche hätte für Glengarriff, Irland, eine fröhliche werden sollen: Die Feiern zum 90. Geburtstag der berühmtesten Bürgerin, der Hollywood-Legende Maureen O’Hara standen an, zudem der Irische Abend für Urlaubsgäste und ein sommerliches Jazz-Konzert im Park Hotel. Doch Glengarriff trägt in diesen Tagen Trauer. Der Tod von drei Angel-Freunden, die am Montagabend bei einem Bootsbrand bei Adrigole in der Bantry Bay ums Leben kamen (wir berichteten), liegt wie ein dunkler Schatten über der kleinen Gemeinde in West Cork.

Vier Freunde, die im Ort als “Gentleman-Runde” bekannt waren, brachen am Montag von Glengarriff zu einer Angeltour vor der Küste des benachbarten Adrigole auf. Der Trip wurde für drei von ihnen zur Reise ohne Wiederkehr: Der pensionierte Landwirt Richard Harman (69), Glengarriff, und die beiden Deutschen Wolfgang “Mike” Schmidt (70), Kapitän im Ruhestand, Glengarriff, und Wolfgang Schröder (62), Bantry, wurden am Montag gegen 18 Uhr tot aus dem Meer geborgen, nachdem Mike Schmidts Boot in Flammen aufgegangen war und die Männer das Boot hatten verlassen müssen.

Der einzige Überlebende des tragischen Angel-Törns, der 46-jährige Amerikaner Ed Dziato, ein Nachbar Mike Schmidts in Glengarriff, sagte der Zeitung Independent zufolge aus, dass der Brand unter der Konsole in der Bootselektrik ausgebrochen sei. Es habe sich innerhalb weniger Minuten auf dem 8 Meter langen Kabinenkreuzer “Castaway” zu einem unkontrollierbaren Feuer ausgebreitet. Dziato, der über sein Handy die Seerettung alarmierte,  sagte auch aus, dass die vier Männer wohl nur wenige Minuten im Wasser waren, bevor sie von der Besatzung eines Rettungshubschraubers geborgen wurden.

Der Sylter Mike Schmidt, ein erfahrener und stets umsichtiger Seefahrer, der als Kapitän zahlreiche Einsätze für Hilfsorganisationen in Krisengebieten fuhr und der mit seiner Frau seit mehr als 20 Jahren in Glengarriff lebte, hatte die Schiffselektrik lokalen Quellen zufolge erst vor kurzem reparieren lassen. Schmidt hatte sich in Glengarriff mit seiner großzügigen und spendablen Art in zwei Jahrzehnten den Ruf eines “beliebten und respektierten Mitglieds der Gemeinde” erworben.

In Nachrufen und Würdigungen wird der Tod der drei Männer als ein schwerer Schlag für die “Local Community” bezeichnet. Richard Harmann (Foto), den jeder als wortgewaltigen Redner kannte, der am Wochenende einmal in den Pubs von Glengarriff unterwegs war, soll am Freitag in seinem Heimatort Adrigole, wenige Kilometer von Glengarriff beigesetzt werden.  Der passionierte Pferdehalter, der in der kommenden Woche seinen 70. Geburtstag gefeiert hätte, wird auf einem alten Friedhof beigesetzt, zu dessen Restaurierung er maßgeblich beigetragen hatte. Die beiden Freunde Mike Schmidt und Wolfgang Schröder sollen am Sonntag nebeneinander in der Kirche von Glengarriff aufgebahrt werden. Der Begräbnisgottesdienst in der Sacred Heart Kirche findet am Montag um 12 Uhr statt.

Die irische Behörde zur Untersuchung von Unfällen auf dem Meer bereitet derweil einen Tauchgang an der Unglücksstelle vor, um das gesunkene Boot in etwa 50 Metern Tiefe zu untersuchen. Die Ursachenforscher gehen offensichtlich davon aus, dass das Fiberglasboot vom Feuer total zerstört wurde und nicht geborgen werden kann. Die Aufklärung der Unglücksursache kann mehrere Monate dauern. Unbeantortet blieb bislang auch, wie die drei Männer ums Leben kamen. Aus dem Familienkreis heißt es, alle drei seien nach dem Sprung in das kalte Wasser einem Herzinfarkt erlegen.

Von |19. August 2010|6 Kommentare

Über den Autor:

Markus Baeuchle
Autor, Journalist und Wanderer. Lebt in Glengarriff im Südwesten Irlands. Mit Markus und seiner irischen Outdoor-Firma Wanderlust können Sie Irlands faszinierende Natur von den schönsten Seiten zu Fuß erleben.

6 Kommentare

  1. Irene 23. September 2011 um 10:09 Uhr - Antworten

    @ Alex
    Was für ein tragisches Ende für diesen tapferen Mann, der so viel durchgemacht hat. Und die Presse hat keine Notiz von seinem Tod genommen. Sonst wird immer jeder überflüssige Mist veröffentlicht.

  2. Alex 6. September 2011 um 13:37 Uhr - Antworten

    @Irene:
    Ja, genau jener Kapitän der damals vielen Menschen das Leben gerettet hat. Und den die US-Behörden nach einem Unfall in Alabama so schäbig behandelt haben. Möge er in Frieden ruhen.

  3. Irene 31. August 2011 um 15:32 Uhr - Antworten

    Handelt es sich um den Kapitän Wolfgang Schröder, der beim Untergang der Herold of Free Enterprise als Retter dabei war?

  4. Gitta 30. August 2011 um 7:43 Uhr - Antworten

    Wie tragisch und traurig, mein Mitgefühl gilt den Angehörigen!

  5. Antje 25. August 2011 um 5:26 Uhr - Antworten

    RIP- Wolfgang Schröder war der Bruder meines Vaters und somit mein Onkel…

    • wanderer
      wanderer 28. August 2011 um 6:08 Uhr - Antworten

      Danke, Antje. Mögen sie in Frieden ruhen. Hat die Untersuchung des Unfalls Erkentnisse gebracht?

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