Inventur 2018, Vorsätze 2019. Wohin die Reise geht.

 

Es gibt nichts Gutes – außer man tut es
Erich Kästner (1899 – 1974)

 

Hallo 2019, let´s go!  Ja klar, das Jahr 2018 war ein chaotisches Jahr voller Unsicherheit und böser Überraschungen (den Jahrtausendsommer natürlich ausgenommen 😉 . . . ). Die alte Ordnung geht unter undsoweiter undsofort. Die Weltuntergangs-Szenarien haben wir nun schon in tausend Jahresrückblicken gelesen. Was meist unerwähnt bleibt: So konnte es ja nicht weiter gehen. Der Kollaps des Ökosystems Erde, von Konsumkapitalismus und westlichem Lebensstil hat sich seit den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts angekündigt. Niemand, der denken kann, muss nun überrascht sein. Viel wichtiger: Jetzt, da der Druck auf unsere Lebensverhältnisse massiv zunimmt, bewegt sich endlich auch etwas.

Im zu Ende gehenden Jahr wurde auch dem letzten Erdenbürger mit Internet- oder TV-Anschluss klar, dass wir alle gefordert sind, unser Verhalten zu verändern. Dabei geht es nur vordergründig darum, das Weltklima zu “retten” und die Erderwärmung zu stoppen. Überbevölkerung, Klimawandel, Erderwärmung, Massenfluchten, Artensterben, Resourcen-Plünderung, steigende Ungleichheit, Demokratiekrise, Bodenverlust, Ernährungskrise und industrielle Tierquälerei. Es ist erbärmlich, in welchem Zustand unsere Generation diese Erde an unsere Kinder zu übergeben gedenkt. Es ist erbärmlich und zutiefst beschämend, wie wir in den vergangenen 50 Jahren gehaust und gewütet haben, wie wir diesen wundervollen Planeten beschädigt und zerstört haben. Deshalb: Es geht ums Ganze, um das Ende unserer Art zu leben und zu konsumieren. Wir nannten diesen Lebensstil früher, als es noch erstrebenswert schien, den American Way of Life: Bigger, better, faster, more. Größer, besser, schneller, mehr.

Inzwischen wächst die Zahl der Menschen, die mit den Veränderungen in ihrem eigenen Leben begonnen haben. Sie reduzieren den Plastikmüll und den Müll insgesamt in ihrem eigenen Haushalt. Sie verzichten auf die Anschaffung neuer Dinge. Im Gegenteil, sie geben Dinge ab und verkleinern sich, ziehen in kleine, passende Wohnungen und Häuschen. Sie reparieren, statt weg zu werfen. Sie verzichten auf die dritte oder vierte Ferien-Flugreise im Jahr. Sie reduzieren ihre Spaß-Fahrten und den Stromverbrauch. Und ganz nebenbei: Sie kümmern sich um mehr als nur um sich selbst und schützen die Gemeinschaft vor dem rasenden Individualismus.

So stellt sich am Jahresende dringender denn je die Frage: Wie geht es unseren guten Vorsätzen? Sind sie schon gefasst, oder hat der Zynismus, die Abwesenheit von Hoffnung, schon zwischen den Jahren gesiegt, der Glaube daran,  dass die guten Vorsätze die zweite Januar-Hälfte ohnedies nicht überstehen werden? Gesünder leben, drei Mal die Woche joggen, Plastikmüll reduzieren, ein paar Kilo abnehmen, weniger trinken und nicht mehr rauchen, gelassener werden und liebevoller, mehr lesen  und weniger arbeiten, mehr mit den Kindern unternehmen und die Freundschaften besser pflegen. . . Schöne Ziele, wert, wirklich ernst genommen zu werden,

In eitlen Kreisen ist es noch immer angesagt, sich diesen vermeintlich spießigen Anflügen des inneren Aufbruchs zum Jahreswechsel komplett zu entziehen und nur noch einen einzigen Vorsatz zu kultivieren: den, keinerlei Vorsätze zu fassen.

Geist willig. Fleisch schwach: Psychologen und Gehirnforscher erklären uns via Medien immer schon zum 1. Januar, warum es gar nicht klappen kann, dass wir alten Gewohnheitstiere uns wirklich ändern, dass wir den inneren Schweinehund überwinden und endlich konsistent handeln, und warum wir meistens schnell in die alten Muster zurückfallen.

Aber stimmt das wirklich? Wie ergeht es Euch? Ist es nicht wichtiger denn je, dass wir uns ändern, dass wir unsere alten Gewohnheiten ablegen, weil es längst ums Ganze geht? Ich bin überzeugt davon, und habe deshalb zur Jahreswende 2018-19 wieder unverdrossen Vorsätze gefasst. Wenn die Ziele klar definiert und realistisch sind und die Wege zum Ziel erkannt sind, dann müsste es eigentlich gelingen . . . (gute Tipps gibt es hier bei Psychologin Karin Kutz.)

 

Irlands kinder

Kinder sammeln Plastikmüll an einem Strand in Südwest-Irland

 

Als einzelne Menschen können wir die großen Probleme unserer Heimat Erde natürlich nicht lösen. Wir können (und sollten) noch nicht einmal – was wir immer so gerne versuchen – unsere nächsten Mitmenschen ändern, unsere Kinder unsere Partner. Was aber jederzeit in unserer Macht steht: Wir können uns selbst ändern.

Wenn wir erkannt haben, dass wir etwas besser machen können, dann können wir das einfach tun. Wir können unser Verhalten ändern und uns so verhalten, dass zumindest wir nicht mehr die Ursache sind für Umweltzerstörung, Ernährungskrise, Klimawandel oder industrielle Tierquälerei. Wenn wir zum Beispiel erkannt haben, dass der völlig außer Kontrolle geratene Konsum von Wegwerf-Plastik unsere Ozeane, die Tierwelt und schließlich uns Menschen selbst zerstören wird, dann können wir zumindest für uns selber entscheiden: Ich reduziere meinen eigenen Plastik-Verbrauch drastisch; ich kann heute damit beginnen, mein Konsumverhalten zu ändern. Und wenn ich mich ändere, dann bin ich politisch und kann glaubwürdig Forderungen an die Politik stellen. So einfach ist es.

Die Verschmutzung der Erde mit Plastiktüten, Plastikbechern, Plastikflaschen, Plastik-Wegwerf-Spielzeug zu bejammern, zu kritisieren oder zu verurteilen, reicht nicht mehr. Wir alle müssen uns endlich wieder ernst nehmen und das leben, was wir als richtig erkannt haben. Ganz nach Erich Kästner:  Es gibt nichts Gutes – außer man tut es.

Die Zeit des wachsweichen Lavierens, des lauwarmen Theoretisierens, des billigen Klagens und des hedonistischen Wegschauens ist zu Ende. Wenn wir eine Überlebens-Chance als Menschheit haben wollen, müssen wir uns jetzt radikalisieren und jetzt handeln, unser Leben ändern, Vorsätze zu neuen Gewohnheiten machen, mehr und öfter das Richtige tun anstatt dem bequemen Weiter-so, dem Ist-mir-egal oder dem Für-mich-reichts-noch zu fröhnen. Es ist nie zu spät, wieder radikal zu werden. Menschen wie Margarete Mitscherlich, Norbert Blüm oder Heiner Geissler sind gute Vorbilder für die Älteren, die kreativen Minimalisten weltweit sind die Role Models für die Jugend.

 

Leuchtturm für das Leben gesucht: Die Orientierung verloren im Massenkonsum

 

Noch einmal das Beispiel Plastik. Wir Menschen kaufen weltweit pro Minute eine Million (!) Plastikflaschen. Plastikmüll verwüstet das Land und die Ozeane. In wenigen Jahren schon wird es mehr Plastik in den Weltmeeren geben als Fisch. Mikro-Plastik kehrt über Nahrungsmittel und Kosmetik in unsere Körper ein und bedroht unsere Gesundheit. Die Politik bewegt sich endlich, wenn auch doch quälend langsam, Denn natürlich soll alles möglichst ohne Verzicht funktionieren. Aber immerhin. Die Regierungen bewegen sich endlich, weil Bürger es fordern!

Wir können unsere Zukunft nicht der Politik überlassen. Aus den kuriosen Sondierungsgesprächen zwischen CDU/CSU und SPD zur Bildung einer Koalitions-Regierung für Deutschland haben wir als erstes erfahren: Blitzschnell war man sich einig, sich von den Klimaschutz-Zielen zu verabschieden. Nein, wir können unsere Zukunft nicht allein der Politik überlassen. Das Silvester-Böllern in Deutschland produziert gleich innerhalb von wenigen Stunden eine Horror-Menge Feinstaub: 15 Prozent dessen, was der Straßenverkehr in Deutschland pro Jahr verbläst, schafft das Silvesterfeuerwerk in 2 bis 3 Stunden! Warum hat eine Regierung noch nicht einmal genügend Mumm, diese eine unkomplizierte Sache zu regeln?

Das gehe an die Freiheitsrechte der Bürger, heißt es dann –  und kaschiert wird die Angst, von Wählern abgestraft zu werden. Wir müssen uns allerdings alle fragen: Ist es heute noch ein Recht, die natürlichen Ressourcen (Luft, Erde und Wasser) unserer Mitmenschen über das normale Maß hinaus zu verschmutzen? Ist es ein Recht, die Zukunft unsere Kinder und Enkel durch manischen Massenkonsum zu gefährden? Oder ist das vielleicht schon kriminell?

 

Irland Plastikmuell

 

Inventur: Meine kleine Antwort für den Alltag 2018 war:

  1. Keine Plastiktüten mehr. Ergebnis: Klappt.
  2. Keine Plastikbecher mehr. Ergebnis: Eigener Becher immer dabei. Bingo.
  3. Keine Plastikflaschen mehr. Klappt weitgehend. (Ausnahme: zwei große und zwei kleine Flaschen in 1 Jahr)
  4. So wenig neue Plastik-Gegenstände wie möglich. (Sehr schwierig im Plastik-verseuchten irischen Lebensmittelhandel). Auf dem Weg. Verpackung bleibt im Zweifelsfall im Shop.
  5. Kosmetik und Hygiene-Artikel nur aus Naturstoffen. Auf dem Weg. Alte Hygieneartikel aufgebraucht und immer noch nicht durch. Was eine Familie so alles ansammelt . . .

Dafür muss ich meinen Alltag ein wenig besser organisieren und ein bisschen mehr nachdenken als bisher. Es ist aber nicht schwer: Ich bin jetzt immer mit eigener Taschen, eigener Flasche und eigenem Becher im Tagesrucksack unterwegs. Ich kaufe möglichst keine verpackten Waren mehr – und wenn es nicht anders geht, bleibt die Plastikverpackung im Shop zurück. Das Ziel: Müllvermeidung statt Gewissens-Beruhigung durch unwirksames Mülltrennen 😉

Im Vergleich zu den Anstrengungen der bewundernswerten Plastik-Komplettverweigerer mag das wenig sein, aber: Ein Schritt folgt dem anderen. Nicht zuviel auf einmal, um dann am zu großen Vorsatz grandios zu scheitern – und nächstes Jahr gibt es neue Ziele. Zudem:Bei Rückschlägen nachsichtig sein, nicht gleich aufgeben, einen neuen Anlauf nehmen . . .

Zudem hatte ich mir diesen Zielen gesetzt, um den eigenen Beitrag gegen Klimawandel und Resourcen-Zerstörung zu verbessern:

  1. Kleidung und Gebrauchsgüter: Nur ein neues Stück kaufen, wenn ein altes raus geht (Charity Shop, Bekannte, Recycling). Klappt: Neuanschaffungen insgesamt: 3 Kleidungsstücke.
  2. Den Konsum generell weiter reduzieren. Klappt. Ausgaben drastisch reduziert.
  3. Weiterhin wie seit Jahren schon: Ernährung ohne Fleisch und mit möglichst wenig tierischen Produkten. Klappt weiterhin. Für den gesamthaften Schutz unseres Lebensraums Erde ist die Frage, wie wir essen, die alles entscheidende. Unser größtmöglicher individueller Beitrag: Vegane oder zumindest vegetarische Ernährung, um die zerstörerische globale Fleisch- und Milch-Industrie einzudämmen (Mehr dazu hier).
  4. Weniger Flugreisen als in den vergangenen Jahren (mein großer Schwachpunkt). Sehr stark verbessert: 2 familiär notwenige Kurzflugreisen nach D.

Und noch dies: Wir haben im Jahr 2018 an diese Organisationen gespendet: Irish Wildlife Trust, eine NGO, die sich dem Schutz der Flora und Fauna Irlands widmet; Protect Bantry Bay´s Kelp Forest, eine lokale Bürgerintiative, die gegen die kommerzielle Plünderung der lebenswichtigen atlantischen Seetangwälder in der Bantry Bay kämpft. Die Stromversorgung haben wir auf Ökostrom umgestellt, heimische Energieverbauchsquellen weiter reduziert. Wir haben begonnen, eigene Lebensmittel und Getränke für den Eigenverbrauch herzustellen.

 

Diese neuen zusätzlichen kleinen Ziele habe ich mir für das Jahr 2019 gesteckt:

All dies reicht nicht, denn auch wir gehören zu der Gruppe, die man neuerdings zu recht Klimabesorgte Klimasünder nennt. Ein traditionell lebender irischer Landmann ist verglichen mit uns ein erstklassiger Klimaschützer. Er reist nicht, fährt wenig und nur lokal Auto, verbraucht kaum Strom. Die großen drei CO2-Schleudern im Leben der gut Ausgebildeten und nicht schlecht Verdienenden, die Big Three, sind:

  • Flugreisen, dabei vor allem Langstreckenflüge.
  • Die Wohnung, deren Größe und deren Beheizung.
  • Das Auto, seine Größe und Leistung, sein Verbrauch und die gefahrenen Kilometer.

Hier gilt es, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Alle anderen Anstrengungen sind für den Klimaschutz weniger wirksam. Die Probleme, in denen wir stecken, gehen jedoch weit über den Klimaschutz hinaus, deshalb diese weiter gefassten Ziele:

  • Genaue Dokumentation des Verbrauchs von Strom, Öl, Gas, Holz und Treibstoff, sowie gefahrene Kilometer für das Auto (auch rückwirkend für 2018).
  • Keine Langstreckenflüge auch 2019, nicht mehr Kurzstrecke als 2018 (2 Flüge nach D oder weniger).
  • Eine bessere Nutzung des verfügbaren Wohnraums.
  • Weitere Energieeinsparungen im Wohnraum.
  • Beibehaltung des Kleinautos (1200 ccm, Bj. 2006), noch weniger “rasen”, noch weniger Kilometer fahren. Den Bus nehmen, wann immer es ihn gibt (eine Herausforderung im ländlichen Irland . . . )
  • Haustiere: Weitgehende Umstellung der Ernährung auf abfall-/verpackungsfreie Nahrung.
  • Kompletter Verzicht auf Getränkedosen.
  • Ein bisschen eigenes Gemüse anbauen und die eigene Ernährung weiter von der Lebensmittelindustrie abkoppeln.
  • Mehr Zeit, Energie und Geld in zukunftsweisende Gemeinschaftsprojekte fließen lassen.
  • Und last not least: Die lokalen Gemeinschaften stärken und den Abfluss von Geld, Zeit und Aufmerksamkeit zugunsten der globalen Online-Monopolisten vermeiden. Bei Kaufentscheidungen regional und klein denken, Amazon, Booking,com, Airbnb, Google, Facebook,  Essens-Liefer-Services und Uber meiden. (Mehr dazu demnächst hier).

 

Die Frage, wie und was wir essen, ist die alles entscheidende für die Zukunft des Lebensraums Erde.

 

Alle hier skizzierten Überlegungen und Bemühungen betreffen mein Privatleben. Was den Beruf, also unseren kleinen Wanderreise-Veranstalter Wanderlust angeht, habe ich hier Praxis und Ziele formuliert: Tun wir als Unternehmen genug für den Schutz der Erde?

Ich schreibe diese Beiträge nicht, um mir selber auf die Schulter zu klopfen oder mit vermeintlichen eigenen Leistungen und Errungenschaften zu prahlen. Es gibt keinen Anlass dazu, denn mein Beitrag ist gering und verbesserbar. Ich schreibe dies, um Rechenschaft abzulegen. Mir, meinen Kindern, der Familie und Freunden. Um bewusst zu handeln, auch dort, wo ich scheitere. Und um ein wenig Mut zu machen, selber etwas zu tun, die Veränderung zu wagen und bald damit zu beginnen.

Einen hilfreichen Artikel zum Thema, was wir alle im eigenen Alltag tun können, um einen besseren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, hat der SPIEGEL (!) hier veröffentlicht: Lesen lohnt sich. Empfehlenswert auch Christof Herrmann´s Website Einfach bewusst,  für ein minimalistisches und nachhaltiges Leben, und natürlich die Doku “Minimalism”, ein Film über Minimalismus und die wichtigen Dinge im Leben. Als DVD erhältlich oder im Stream bei verschiedenen Anbietern.

Es gibt also viel zu tun im Jahr 2019. Einen guten Rutsch! Let´s go!

Was meint Ihr? Macht das Sinn? Ändert Ihr etwas in Eurem Leben? Kommentare erwünscht!

 

Let´s go!

 

Fotos: Antje Wendel (Titelfoto) / Egon Schlett (Schlussfoto), Markus Bäuchle (Rest).