Road Etiquette Irland by Broadsheet

 

Irische Gesten: Der Straßenverkehr im ländlichen Irland ist nichts für Träumer. Wer unaufmerksam, verschlafen, introvertiert durch die Gegend kutschiert, mag zwar nicht im Straßengraben landen, ganz sicher aber im sozialen Abseits. Denn das Kommunizieren mit den lieben Straßenmitbenutzern ist in der Dorfkulisse, wo man sich kennt, ein Hochamt des stilsicheren sozialen Umgangs: Man grüßt und wird gegrüßt. Man(n) zollt sich hinterm Steuer Aufmerksamkeit und Respekt – und das gekonnt mit minimalen Gesten.

Während frau am Steuer schon mal die Hand so verschwenderisch wie hurtig auf Kopfhöhe hebt, um mit der vollen inneren Handfläche hinüber in die Blechkabine jenseits des nicht vorhandenen Mittelstreifens zu salutieren, ruht die Hand des Mannes (zumindest für diesen Zweck) meistens bewegungs-ökonomisch am Steuer.

Das Web-Magazin Broadsheet.ie hat die Straßen-Etikette auf Irlands Straßen einmal anschaulich illustriert (Foto oben): Der grüßende mobile Landmann fährt einfach den Zeigefinger aus, um zu grüßen. Der Gegrüßte ist dann in der Regel ein Unbekannter. Für Bekannte streckt er zum Zeigefinger auch noch den Mittelfinger aus. Soviel Respekt muss sein.

Für Freunde und Bekannte hebt Paddy am Steuer kurz und gut sichtbar die ganze Hand – formvollendet bleibt das Handgelenk dabei in Kontakt mit dem Lenkrad — und nur wenn Spezis, Busenfreunde und Buddies vorbei fahren hebt er die Hand, mit allen Fingern Richtung Windschutzscheibe ausgestreckt, ein paar Zentimeter zum Gruß in die Höhe.

Die dunklen Seiten des Fingerspiels: Bleiben die Finger des gegenverkehrenden Fahrers ungerührt auf dem Lenkrad liegen, wird es Zeit sich Gedanken zu machen. Das Verhältnis könnte bereits empfindlich gestört sein . . .

Foto: Broadsheet.ie  / Cyril [ed07042016]