Heute schreibt Patrick Steinbach im Irish Music Corner über die wichtigsten Instrumente der traditionellen irischen Musik.

Die typisch irischen Musikinstrumente sind Fiddle, Tinwhistle, Flute (Holztraversflöte), Uillean Pipes (irischer Dudelsack), Banjo, Mandoline, Bouzouki, Gitarre, Harfe, Concertina (kleines Akkordeon) und die Bodhrán (Rahmentrommel). Jede Band, die sich der traditionellen irischen Musik verschrieben hat, wird aus diesem Pool ihre Instrumente auswählen, um den stilechten Klang zu produzieren, den die Folkfreunde so sehr mögen.

Die Begeisterung, welche man beim Hören der irischen Musik erleben kann, hängt stark mit der Wiedererkennbarkeit von bereits Gehörtem zusammen. Insofern ist traditionelle Musik immer auch eine Gratwanderung zwischen dem gewohnten und dem nicht allzu fremden Klang. So manchen Puritaner wird es bei dem Gedanken an elektrisch verstärkte Instrumente unwohl. Der Verteidigerinsitnkt wird aktiviert, sobald ein Keyboard auf der Bühne zu sehen ist oder noch viel schlimmer, gar ein Schlagzeug oder eine E-Gitarre. Als dürfte sich Musik nicht weiterentwickeln und müsse fortan bis in alle Zukunft immer so klingen, wie man es gewohnt ist. Völlig übersehen wird dabei gerne, dass Musik ein ähnlich lebendiges Wesen ist wie das eigene Kind. Kein museales Anschauungsstück in einer Vitrine, sondern eine agil in alle Richtung sich ausbreitende Kraft, deren vornehmes Ziel gesellige Einladung und Integration von Neuem ist.

Sicherlich gibt es auch erwähnenswerte und spannende Versuche, andere Instrumente in den irischen Folk einzuführen, wie zum Beispiel der gelungene Einsatz der Hurdy Gurdy (Drehleier) durch Andy Irwin in der Gruppe Planxty, der leider viel zu selten gespielte Dulcimer von Derek Bell bei den Chieftains, oder die genial virtuos gespielte Mundharmonika von Paddy Schmidt. Doch sind dies eher die ganz persönlichen Vorlieben einzelner Interpreten, die die eben genannten Instrumente aus dem einfachen Grund verwenden, weil sie sie eben auch zusätzlich zu ihrem Hauptinstrument spielen und sie gewinnbringend in Szene setzen können. Diese Instrumente passen sich übrigens hervorragend in das “Klangideal” traditionell spielender Gruppen ein.


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Doch welches dieser wunderbaren Musikinstrumente ist tatsächlich irisch? Antwort: nicht ein einziges. Der Dudelsack hat seine Ursprünge im legendären Zweistromland, das Akkordeon stammt ursprünglich wohl aus deutscher Fabrikation, das Banjo kommt aus Afrika, die Rahmentrommel gilt als einer der ältesten Instrumente überhaupt und findet sich in allen Kulturen. Selbst die Harfe, schlicht das Symbol für Irland, findet man bereits im alten Ägypten. Zur großen Enttäuschung der Puritaner bleibt bei näherer Betrachtung nichts übrig von den “echten” irischen Instrumenten. 

Doch stopp! Ein Instrument gibt es, das für sich tatsächlich reklamieren kann, typisch irisch zu sein. Die Spoons! Zwei einfache und ein wenig zurecht gebogene Haushaltslöffel, die im Paar in einer Hand gehalten werden und meist zwischen dem Bein des sitzenden Musikers und der anderen Hand geschlagen wird. Ein wirkungsvolles Rhythmusinstrument, welches in jeder Jackentasche Platz hat und einen durchdringenden, hellen, klickenden Sound produziert. In der Zeit des großen Genozids durch Oliver Cromwell (* 25. April 1599 † 3. September 1658) wurden sämtliche Würden- und Kulturträger Irlands verfolgt. Einen Musiker, der sein Instrument offen mit sich herumtrug, jemand, der singend und die Obrigkeit anklagend von Dorf zu Dorf zog, hätte man ohne zu zögern am nächsten Baum aufgeknüpft, sofern man im damals schon recht baumlosen Land einen solchen überhaupt fand. Ein paar harmlose Löffel in der Tasche zu haben war hingegen wenig verräterisch.

Abgesehen davon konnte man die Löffel auch zum Essen verwenden, sofern man welches hatte. Ähnlich den Löffeln, die es auch aus Holz und in der Cheating-Version als verbundenes Löffelpaar gibt, wurden zudem Bones (meist Rippenknochen einer Kuh) benutzt, die einen etwas leiseren hölzernen Kastagnetten-ähnlichen Klang erzeugen. Dies sind wohl die einzigen echten irischen Musikinstrumente, von denen ein befreundeter Musiker bei seinen Auftritten manchmal augenzwinkernd behauptet, nichts klänge so gut, wie die Unterarmknochen eines Engländers.

Hier eine Live Session mit Spoons:

Hier ein Video über einen Spoonmaker:


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