This story / page is available in:
English

Irland-Foto der Woche. An dieser Stelle zeigt unser Freund Kevin Balanda jeden Dienstag ein besonderes Foto aus Irland und erzählt seine Geschichte. Kevin hat lange in Dublin gearbeitet und lebt jetzt in West Cork. Er ist oft und gerne mit der Kamera unterwegs. Heute widmet er sich den spektakulären Sonnenuntergängen in West Cork.
Warum gibt es diese grandiosen Sonnenuntergänge in West Cork am Rand Europas?
Dieses Foto, ein Blick über die Bantry Bay hinaus auf den Atlantik, wurde an einem Winterabend aufgenommen. Die Bucht wird im Süden von der Sheep’s Head-Halbinsel und im Norden von der Beara-Halbinsel eingerahmt.
Die Bedingungen waren ideal. Im Winter sinkt die Sonne genau zwischen die beiden Halbinseln. An diesem Abend war das Wasser still und bot glatte Flächen, die die leuchtenden Farben des Himmels widerspiegelten. Aufgelockerte Wolken zerstreuten das Licht und warfen es auf das schimmernde Wasser. Später am Abend bildeten sich Lichthöfe um die rauen Berge, die schließlich als Silhouetten unter einem tief gefärbten Himmel erschienen.
West Cork in Irland ist gesegnet mit einer Fülle spektakulärer Halbinseln, Buchten und kleinerer Küstenabschnitte. Nördlich der Beara-Halbinsel liegen die Iveragh- und die Dingle-Halbinsel; südlich von Sheep’s Head erstreckt sich die Mizen-Halbinsel. Aufgrund der Lage im Südwesten der Insel scheint die Sonne entlang der Küstenlinie zu wandern. Im Angesicht des wilden Atlantiks ändern sich die Wetterbedingungen ständig und garantieren, dass kein Sonnenuntergang dem anderen gleicht. Aus ästhetischer Sicht schafft die Küstenlinie von West Cork somit immer wieder jene Bedingungen, die einzigartige, wunderschöne und fast magische Sonnenuntergangserlebnisse möglich machen.
Für die meteorologisch Interessierten: Feuchtigkeit und feine Staubpartikel in der unteren Atmosphäre erzeugen diese violetten Farbspiele.
Für Fotografen: Das Foto wurde an einem Frühwinterabend mit einer Brennweite von 24mm aufgenommen. Die Kameraeinstellungen waren ISO 400, f/2,8, 1/90s. Es wurde in Lightroom bearbeitet.
© Kevin Balanda 2025
This story / page is available in:
English

Von der Sheep’s Head Halbinsel habe ich schon viele Sonnenuntergänge bewundert, lieber Kevin. Manchmal ganz vorne am Lighthouse, manchmal auf halber Höhe von der Nordseite.
Danke für dieses Farbenspiel voller Musik, beim Betrachten des Fotos fallen mir die Landschaftsbeschreibungen von H.V.Morton, „In Search Of Ireland“, ein. Er hatte die Fähigkeit, einen Sonnenuntergang zu beschreiben, wie ihn manch Irland-Reisender erlebt, aber nicht in Worte fassen könnte:
„… Diese seltene Symphonie in Blau bricht einem das Herz. Wie jede makellose Schönheit macht sie traurig. Man steht da, von Möwen umschrien, der Wind fegt durch Heidekraut, und die Schönheit lässt einen schaudern. Man ist froh, allein zu sein. Großartige, zu Herzen gehende Musik ist zuweilen nur schwer zu ertragen, und ebenso geht es einem mit dem Sonnenuntergang … der jeden Augenblick schöner wird…
Langsam versinkt die Sonne im Meer. Einen Augenblick lang ist ihr Rand noch einen Finger breit vom Wasser entfernt, dann berührt er das Meer, die Sonne taucht unter und ist verschwunden. Jetzt kommt die letzte Phase der Symphonie. Die Wolken wechseln ihre Farbe, glühen feuerrot und werden dann rosa. Weiße Wolkenkränze, die man noch gar nicht bermekt hatte, werden rot und lebendig und verglühen nach ein paar Augenblicken am Himmel…
Auch das Blau lebt weiter und wird noch intensiver. Dann wird die ganze Szene eine Tönung blasser, die Musik eine Oktave tiefer. Die Farbe scheint in die Erde zu versinken und zum Himmel zu flüchten. Der Wanderer steht da, sieht das alles, hat Tränen in den Augen, fühlt den ersten Wind der Nacht im Haar und spürt Kälte auf dem Gesicht…“
Ich frage mich, ob man einen (gleichen) Sonnenuntergang an verschiedenen Standorten gänzlich anders empfinden würde?
Macht es einen Unterschied, ob man in einer geschützten Bucht oder an der Spitze einer Halbinsel steht?
Dear Sandra,
Thank you very much for your thoughtful remarks; I’m glad you enjoyed the photo.
Of course, what I wrote simply explored the conditions which might give rise to these wonderful sunsets we enjoy. I believe the way we respond to sunsets is perhaps more important.
So thank you for H.V. Morton’s description of an human emotional and psychological response. I have included an English translation below (I didn’t go back to the original source but used Google Translate) so that English-speaking readers can easily enjoy it.
BY H.V. Morton:
„…This rare symphony in blue breaks your heart. Like all flawless beauty, it makes you sad. You stand there, surrounded by seagulls, the wind sweeping through the heather, and the beauty makes you shiver. You’re glad to be alone. Great, heartfelt music is sometimes difficult to bear, and so is the sunset… which becomes more beautiful by the moment…
Slowly, the sun sinks into the sea. For a moment, its edge is a finger’s breadth from the water, then it touches the sea, the sun sets, and is gone. Now comes the final phase of the symphony. The clouds change color, glowing fiery red and then pink. White clouds, previously unnoticeable, turn red and vibrant, and after a few moments, fade away in the sky… The blue, too, lives on and becomes even more intense. Then The whole scene a shade paler, the music an octave lower. The color seems to sink into the earth and flee to the sky. The wanderer stands there, sees it all, has tears in his eyes, feels the first wind of the night in his hair, and feels cold on his face…“
They are just wonderful words! Of course, what he describes is universal in the sense that it applies not just to West Cork sunsets but all sunsets across the world. but much of it also applies to oany majestic natural phenomena like colorful sunsets, fierce storms, powerful volcanic eruptions, etc
I believe that each human (and perhaps other living things) views these majestic natural phenomena through the lens of their partly unique / partly universal experiences. I believe this is true when we look at a photo as well.
So; to answer your question; I would say yes; the experience may well be different if it occurs in another location. Just as the way we respond to a particular sunset on a particular day in a particular location depends on how we are feeling and thinking on that occasion; so too we have to allow the possibility that humans might experience the same sunset differently in a different place at a different time.
Thanks again for your thoughtful remarks; they were very enjoyable and very stimulating.
Kind regards,
Kevin
Ich freue mich schon auf die Zeit, wenn die Sonne wiede in der Mitte der Bucht ins Meer sinkt . . .
Lieber Kevin
Da sitzt man doch am liebsten gleich auf einem Felsen inmitten der Natur dieser vielen Berge und beschaut sich diesen grandiosen Abendgesang des Himmels mit der Erde … dazu den Salzwind in der Nase und auf Haut und Haaren spürend, die Weite, die Einsamkeit und doch das tiefe Zusammensein mit Allem… ganz sicher, es gibt sie nicht nur in West Cork diese grandiosen Sonnenuntergänge, es gibt sie an allen Küsten die weite Blicke gewähren und natürlich auch in den Bergen, über Wüsten und großen Seen oder weiten Mooren… da ich ein Küstenkind bin und also lange Zeit meines Lebens dort – auch wirklich zu allen Tageszeiten draussen – verbrachte, berührt mich aber Dein Foto sehr (Dem Versuch ein eigenes schönes und einzigartiges Sonnenuntergangsfoto anzuhängen habe ich widerstanden, denn das gehört sich nicht in einem Fotoblog der den Blick eben genau auf Dein Foto richten soll.) Und so sage ich Dir einfach Dankeschön fürs Teilen dieses wundervollen Augenblicks.
Dear Sylvia,
I am very pleased that this photo inspired you to write your lovely remarks; thank you so much for sharing them. You are right; these wonderful sunsets can be found along many rugged western coastlines; I just tried to understand why they are so common in West Cork! It is clear that you have been blessed with many occasions to enjoy them.
Kind regards,
Kevin