Der Fisch stinkt vom Kopf her – und katholische Pfarrer in Irland konnten Jahrzehnte lang vielfach, systematisch und ungestraft Kinder sexuell missbrauchen, weil die Kirchenführung vielfach und systematisch und ungestraft versagt hat. Nun stehen die Bischöfe selber am Pranger – und der Papst in Rom drückt sein „Bedauern“ aus. Hinter den vatikanischen Floskeln dieses Wochenendes scheinen sich allerdings größere Veränderungen in der Führung der Katholischen Kirche Irlands abzuzeichnen. Die Rede ist davon, dass mehrere Bischöfe abtreten werden – unter ihnen der viel kristisierte Bischof Murray von Limerick.

Das Problem liegt tiefer – es ist eines der gesamten irischen Gesellschaft. Diese hat jetzt die Chance, sich aus den traditionellen Zwängen der starren katholischen Kirchen-Normen zu befreien: Weg mit den moralischen Zwangsjacken, den Keuscheitsgürteln und der feinstens kultivierten Doppelmoral, weg mit der Familienberatung durch zölibatär lebende Monaden in Kutte, weg mit der Hohheit der Kirche über die irischen Schulen.


Wie kann es sein, dass sich Wölfe weiterhin als Hirten der Lämmer ausgeben dürfen? Wie kann es sein, das ein vermeintlich aufgeklärtes weltliches Land wie Irland seine Schulen noch immer unter den besonderen „Schutz“ der Katholischen Kirche stellt. Wie kann es sein, dass katholische Pfarrer maßgeblich die Geschicke der Schulen auf der Insel lenken.

Der Publizist Fintan O´Toole brachte es kürzlich auf den Punkt: Die Schulen des Landes sind in der Obhut von Agenten eines fremden Staates, schlimmer noch: einer Diktatur. Gemeint ist der Vatikan, gemeint ist der Papst, dessen Macht sich nicht demokratisch legitimiert. Eine kleine Gruppe alter, weltfremder, (sexuell) frustrierter Männer lenkt die Geschicke dieses mächtigen Kleinstaates im Herzen von Rom – und beeinflusst darüber hinaus das seelische Wohlergehen vieler Menschen weltweit.

Damit könnte nun Schluss sein. Wenn die irische Gesellschaft als Ganze die Aufgabe annimmt – und den jahrzehntlangen Missbrauch ihrer Jugend nicht nur beweint und bejammert, sondern positive Konsequenzen für die Zukunft daraus zieht und den Wandel einleitet. Hin zu einer menschlichen Gesellschaft, in der Menschen ihren Glauben leben können, ohne dabei von den iridischen -„Stellvertretern“ des Göttlichen und von deren rigiden Institutionen missbraucht zu werden.